Tesla Model 3

The Gamechanger

Die Seitenansicht wirkt wenig spektakulär. Das Model 3 muss die Masse abholen.
Cool ist das Panoramadach, das sich in einem Guss von der Frontscheibe bis zur Heckscheibe zieht.
Tesla verzichtet auf einen angedeuteten Kühlergrill.
Der Innenraum kommt gänzlich ohne Knöpfe, dafür mit einem riesigen Touchscreen aus.

Tesla wird erschwinglich: Mit ihrem neuesten Modell wollen die Kalifornier die breite Masse erreichen – und das ist ihnen offenbar gelungen.

Haben wir was verpasst? Gibt es ein neues iPhone? Und seit wann steht der Apple Store in Zürich nicht mehr an der Bahnhofstrasse? Ein Aprilscherz der neuesten Dimension?
Keineswegs. Tesla veräppelt wieder einmal die ganze Branche. Erstmals stehen Leute vor einem Autohaus Schlange, um 1000 Franken Anzahlung zu leisten, für ein Auto, von dem sie nichts wissen, noch kein einziges Bild gesehen haben und realistisch betrachtet wohl erst im Jahr 2018 zu ihnen kommt.

346 Kilometer Reichweite

Allzu viele technische Daten hat Tesla-Boss und -Gründer Elon Musk gestern Abend um 20:30 Uhr Ortszeit in Los Angeles nicht bekannt gegeben. Ist es, weil die Leistung des Autos in Zukunft nur noch zweitrangig sein wird? Nicht ganz, denn Musk verspricht für den Sprint von 0 auf 100 km/h «weniger als sechs Sekunden», denn man wolle bei Tesla «keine langsamen Autos bauen». Die Reichweite gibt Tesla mit 215 Meilen an, was 346 Kilometer entspricht. Allerdings wird es wie bei den bisherigen Modellen wahrscheinlich verschiedene Leistungsstufen und Batteriepacks geben. Uneingeschränkte Reichweite möchte Tesla ohnehin mit den Superchargern anbieten, dessen Anzahl sich bis Ende 2017 verdoppeln soll. Zurzeit sind in der Schweiz elf Supercharger in Betrieb.

Die stille Designrevolution

Das Design reiht sich zwischen Model S und Model X ein. Wie schon beim Model X verzichtet Tesla auf einen angedeuteten Kühlergrill. Cool ist die scheinbar durchgehende Glasfläche von der Windschutzscheibe über das Panoramadach bis hin zur Heckscheibe. Doch die wahre Revolution wird im Interieur sichtbar, denn dies ist mit Abstand das aufgeräumteste Interieur in der Automobilgeschichte. Es gibt keinen Knopf, keinen einzigen, nicht mal auf dem Lenkrad! Auch auf Instrumente vor dem Fahrer verzichtet Tesla. Stattdessen gibt es einen gigantischen, quer eingebauten Touchscreen, der auf der Mittelkonsole thront. Oben links wird das Tempo angezeigt, was auf den ersten Blick nicht ganz optimal erscheint. Es bleibt zu hoffen, dass Tesla, so innovativ die Marke ist, auch ein Head-Up-Display anbietet.

Autopilot serienmässig

Tesla verspricht weiter, dass das Auto in allen Sicherheitsaspekten mit fünf Sternen gewertet wird und fünf Erwachsene bequem Platz finden. Wie gehabt, verfügt auch der kleine Tesla mangels Verbrennungsmotor über zwei Kofferräume. Des Weiteren wird die gesamte Hardware für den Tesla Autopiloten serienmässig verfügbar sein. Klingt nach ziemlich viel Auto für – ja, wieviel eigentlich? Musk hat bestätigt, dass der Startpreis in den USA bei 35'000 $ liegen wird. Europäische Preise stehen noch nicht fest, doch es ist klar, dass auch Tesla mit stärkeren Motorisierungen, Allradantrieb und Sonderausstattungen Geld verdienen will/muss und ein hübsches Model 3 sicher über 50'000 Franken kosten wird. Wenn man aber die fortschrittliche Technik betrachtet, dann ist dies nach wie vor ein fairer Preis.

500'000 Autos pro Jahr

Wer erinnert sich noch an den Tesla Roadster, die kleine, schrullige Kiste auf Basis der Lotus Elise, dessen Batterie aus zusammengesetzten Laptop-Akkus bestand? Tesla war lediglich imstande, 500 Autos pro Jahr zu bauen. Überhaupt war der Roadster eher ein Auto für Sammler und Freaks. Doch der Mythos begann. Es war der Anfang von dem, was heute stattfindet. 500'000 Autos möchte Tesla in Zukunft fertigen. Angesichts der bereits 115'000 Model 3 Vorbestellungen, die innert den ersten 24 Stunden bei Tesla eingetrudelt sind, ist eine derart hohe Produktionszahl fast schon ein Muss, wenn man die Kunden nicht mit jahrelangen Wartefristen vertrösten möchte. Auslieferungen für das Model 3 beginnen im vierten Quartal 2017, was bedeutet, dass das Model 3 nicht vor 2018 auf unseren Strassen rollen wird.

Test: Pressedienst / Koray Adigüzel

Bilder: Tesla

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01 Apr 2016