Classic Car Award (ZCCA)

Oldies in der City

54 feinste Sammlerfahrzeuge aus verschiedenen Epochen liessen es sich trotz teilweise schlechten Wettervorhersagen nicht nehmen und kamen am 17. August 2016 zum jährlichen Concours d’Elégance des Zurich Classic Car Award (ZCCA) auf dem Bürkliplatz. Das Wetter spielte mit, und kein Regentropfen fand seinen Weg auf den polierten Lack.

Alles andere als elitär

Charakteristisch für den ZCCA ist, dass die Autoelite sich weder an einem Wochenende, noch an einer ausgewählt exklusiven Adresse trifft: kein Schloss, kein Grandhotel. Nein, der Concours d’Elégance parkt mitten im geschäftigen Treiben an einem ganz normalen Mittwoch. Rundherum tobt die City, quietschen die Trams, rauscht der Verkehr, und es wird gekauft, verkauft und gearbeitet. Doch eine überaus stattliche Zahl von Besucherinnen und Besuchern kamen, um die frei zugänglichen Preziosen zu bestaunen und die meist auskunftsfreudigen Besitzer mit Fragen zu bombardieren. Weil kein Eintritt bezahlt werden musste, konnten auch keine Besucherzahlen erhoben werden, aber der Platz war schnell von einem, in vielen Fällen wohl auch zufällig vorbeikommenden Publikum erfüllt.

„Sensationell“ ist absolut keine Übertreibung!

Was die aus Autojournalisten, einem Innenarchitekten sowie einer Spezialistin für italienische Oldtimer bestehende Jury zu begutachten hatte, war schlichtweg sensationell. Das älteste Fahrzeug, der 1898er De Dion-Bouton, sprang nach ein paar Kurbeldrehungen an, als wäre er gerade gestern vom Band gelaufen. Die Vorkriegsmodelle entstammen einer Zeit, an die sich je länger je weniger Menschen erinnern. Solche Autos, wie etwa der bereits ein Jahr nach seiner Herstellung 1918 zum Rennwagen umgebaute und seither mehrmals neu überpinselte Ford T, sind deshalb geschichtlich besonders wertvoll. Einen Lamborghini Countach der ersten Serie von rund 150 Stück ohne Spoiler und Radhausverbreiterungen sieht man genauso selten in freier Wildbahn wie etwa einen werksseitig eingesetzten Lancia Stratos, der trotz Kriegsbemalung eine Strassenzulassung hat.

Einmaliger Ferrari-Prototyp

Den Vogel abgeschossen hat schliesslich der in nur neun Exemplaren gebaute Ferrari 166 Spyder Corsa eines Basler Sammlers aus dem Jahr 1948. Das Auto ist nicht nur der 14. je gebaute Ferrari überhaupt, sondern hat eine höchst interessante Geschichte. Nachdem der 166 Spyder Corsa kein besonders schönes Fahrzeug und als Rennfahrzeug sowieso bald überholt war, kam er einige Jahre später zur Carrozzeria Scaglietti, die darauf ihre Zukunftsvision für kommende Ferrari-Karosserien verwirklichte. Enzo Ferrari war von diesem Prototypen begeistert und legte darauf den Testa Rossa auf Kiel. Der mit seltenem Schlangenleder ausstaffierte Testa-Rossa-Vorläufer war zwischenzeitlich behutsam restauriert worden und konnte beim ZCCA im neu erlangten Glanz erstmals bestaunt werden. Für den Besitzer hatte sich die Fahrt gelohnt, denn er durfte nicht nur den Pokal für das schönste Rennfahrzeug, sondern auch den begehrten „Best of Show“ einheimsen. Das Publikum konnte ebenfalls mitmischen und wählte den mächtigen, von Harley Earl gestylten Buick Roadmaster Skylark von 1953 zum Sieger.

Die Ergebnisse:

- Vorkrieg geschlossen: Rolls Royce Phantom III, 1937
- Vorkrieg offen: De Dion-Bouton, 1898
- Nachkrieg bis 1960 geschlossen: Mercedes 300 SL Flügeltürer, 1957
- Nachkrieg bis 1960 offen: Mercedes 300 D Cabriolet, 1952
- Nach 1960 geschlossen: Porsche Carrera RS, 1973
- Nach 1960 offen: Maserati 3500 GT, 1960
- Rennfahrzeuge: Ferrari 166 Spyder Corsa, 1948
- Publikumssieger: Buick Roadmaster Skylark, 1953
- Bestes unrestauriertes Auto: Porsche 356C, 1964
- Best of Show: Ferrari 166 Spyder Corsa, 1948

Text: Stefan Fritschi
Bilder: Claudia Schlatterer

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18 Aug 2016