Der Berg ruft!

Passione Engadina 2016

Wenn Organisationstalent und Tausendsassa Paolo „Paolone“ Spalluto ruft, kommen sie alle: zum fünften Mal starteten am Wochenende vom 19. bis 21. August hundert ausschliesslich italienische Preziosen zur Passione Engadina.

Rollendes Museum

Das Wochenende bestand aus der St. Moritz-Challenge an Freitag und Sonntag sowie der eigentlichen Rallye am Samstag. Knapp hundert Fahrzeuge waren dabei. Das älteste war ein Alfa Romeo 6C 1750 SS von 1929. Dann folgten zahlreiche, teils populäre, teils äusserst seltene und hochpreisige Heissblüter aus allen Jahrzehnten. Unter den Highlights fanden sich eine grosse Zahl von Kreationen der berühmten italienischen Carrozzerie wie Zagato, Allemano, Touring, Scaglietti oder Fissore. Dazu absolute Schönheiten wie Lamborghini Miura, Ferrari 275, 330 und Daytona sowohl als geschlossene und auch seltene Offenversion oder der traumhafte Fiat Abarth 2400 Allemano Coupé. Ebenso bedeutsam aus Schweizer Sicht ist der Alfa Romeo 6C 2500 SS mit Graber-Karosserie.

Eher exotisch wirkte der Nash-Healey Roadster von 1952, der eigentlich halb Amerikaner, halb Brite ist, sich aber dank Pininfarina-Karosserie trotzdem zur Passione-Teilnahme qualifizierte. Ähnliches gilt für den De Tomaso Pantera mit Ford-V8, der eine sehr unitalienische Akustik ins Engadin brachte. Aber auch an „gewöhnlichen“ und in grossen Stückzahlen gebaute Alfa Spider, 1750 oder Giulia Sprint und Spider kann man sich nie sattsehen. Was allerdings fehlte, waren die Grossserien- und Alltagsautos. Ein Fiat 127 oder Alfasud hätten sich bestimmt gut gemacht zwischen Maserati und Co.

Prominenz und Nachwuchs

Unter den Fahrern fanden sich Berühmtheiten wie Miki Biasion oder Arturo Merzario. Die auto-illustrierte fuhr im 510 PS starken Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio mit — allerdings ausser Konkurrenz und um die schönsten Schnappschüsse einzufangen. Es ging dem meisten Teilnehmern wohl kaum um den Sieg, aber als Letzter ankommen wollte auch keiner. Den ersten Gesamtrang holten sich schliesslich Annekatrin und Björn Schmidt mit ihrem dunkelblauen Ferrari Daytona. Besonders würdigte der Veranstalter den Nachwuchs. So wurden die zehn Vater/Sohn- und Vater/Tochter-Teams mit einer Armbanduhr des Sponsors Baume & Mercier belohnt. Ein feiner Zug, denn es ist wichtig, dass die Oldtimerei auch die Generationen erreicht, die diese Autos gar nicht mehr auf der Strasse erlebt hat.

Einmalige Landschaft

Am Samstag führte die Rallye ab der Via Maistra, der Hauptstrasse von St. Moritz, in Richtung Glurns und wieder zurück nach St. Moritz — natürlich nicht direttissima auf dem kürzesten Weg. Viel mehr wurden die schönsten Strassen ausgewählt und zahlreiche Schlauch- und Zeitprüfungen verlangten von den Teilnehmern vollste Konzentration. Aus der Tatsache, dass es immer wieder Diskussionen im Cockpit gab, machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übrigens keinen Hehl. Doch Beziehungen, welche die Passione überstehen, sollen besser halten…

Reschen- und Ofenpass sowie die malerischen Ortschaften von des Engadins und unserer genauso schönen Nachbarländer Italien und Oesterreich: die Zuschauer am Strassenrand und in den Ortschaften bildeten jeweils die tolle Kulisse.

Passione ist kein leeres Wort

Die Leidenschaft, mit denen Organisator, Sponsoren und Teilnehmer die Rallye angehen, machen dem Namen „Passione Engadina“ alle Ehre. Weder Regen noch Baustellen oder der starke Ferienverkehr konnten die Freude trüben.

Regen? Ja! Leider waren die Wetterprognosen am Samstag schlecht. Gestartet wurde zwar morgens bei strahlendem Sommerwetter, und niemand glaubte, dass es um 14 Uhr regnen sollte. Doch die Vorhersage war richtig. Die Verdecke mussten geschlossen werden, der Ofenpass wurde zur reinsten Wasserschlacht und forderte alles von den teilweise rudimentären Scheibenwischern. Auch in der Zieleinfahrt in der St. Moritzer Innenstadt mussten die Zuschauer mit Regenschirmen und Pellerinen ausharren. Doch es lohnte sich: das wandelnde Autolexikon „Paolone“ begrüsste fachkundig jeden einzelnen Teilnehmer und jedes Auto.

Am Sonntag war dann nochmals Action angesagt. Auf öffentlichen Strassen durften die potenten Motoren natürlich nicht ausgefahren werden, das wurde jetzt auf dem Flugplatz Samedan beim zweiten Teil der St. Moritz-Challenge nachgeholt. Zurück in St. Moritz reihten sich alle Teilnehmer in der Innenstadt auf um sich dem Publikum zu zeigen — jetzt endlich bei schönem Wetter.

Text & Bilder: Stefan Fritschi

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21 Aug 2016