Alfa Romeo Giulia Veloce

Genau ins Schwarze

Das hat uns noch gefehlt! Die bisher angebotenen Giulia Diesel und Benziner sind leistungsmässig keine Pulsbeschleuniger. Aber die üppigen 510 PS des Quadrifoglio sind vielen Kunden dann doch des Guten zuviel. Jetzt lanciert Alfa Romeo den Veloce, die goldene Mitte.

Beide Motorisierungen sind serienmässig mit dem Q4-Allradsystem und ZF-Achtgang-Automatik ausgerüstet. Genau auf diese Kombination haben wir gewartet – nicht nur in der Schweiz. Der erste Probegalopp im Hinterland von Turin erfüllte die hohen Erwartungen in fast jeglicher Hinsicht. Wie bereits bei den schwächer motorisierten Versionen überzeugt die Giulia sowohl mit 210 als auch mit 280 PS mit insgesamt sehr ausgewogener und fahraktiver Abstimmung, direkter Lenkung und dem trotz 19-Zoll-Felgen (Aufpreis 1000 Franken) nicht zu harten Fahrwerk. Auch die Bremsen machen einen sehr guten Job. Gegen einen Mehrpreis von 200 Franken können die Bremszangen anstatt dem serienmässigen Schwarz auch in Gelb oder Rot geordert werden. 

Benziner ist mehr «Veloce»

Beiden Motoren überzeugen, aber mit Sicherheit wird der Benziner in der Schweiz grösseren Zuspruch erhalten. Der komplett aus Aluminium gefertigte Zweiliter-Turbobenziner macht eindeutig mehr Spass, was nicht zuletzt den 280 sehr munteren Pferdchen zu verdanken ist. Auch das Drehmoment von 400 Nm ist prima, die hydraulische Ventilsteuerung und das Direkteinspritzsystem sorgen für schnelles Ansprechen und hohe Effizienz. Der Normverbrauch liegt bei guten 6,4 Litern, die Beschleunigung auf 100 km/h soll in 5,2 Sekunden erledigt sein. Einzig der Sound ist viel zu brav und bleibt stets im Hintergrund.

Vernunftentscheidung

Der 2,2-Liter Turbodiesel ist ebenfalls komplett aus Leichtmetall gefertigt und mit Multijet-Direkteinspritzung garniert. Das maximale Drehmoment von 470 Nm steht schon bei 1750 Touren zur Verfügung. Das ergibt einen kräftigen Antritt schon aus dem Drehzahlkeller bei gleichzeitig niedrigem Durst. Der Normverbrauch liegt bei 4,7 Litern Dieseltreibstoff. Allerdings sind die fehlenden 70 PS gegenüber dem Benziner gut spürbar, der Selbstzünder nimmt sich für alles etwas mehr Zeit. Er ist eine Vernunftentscheidung, der Cuore Sportivo schlägt eindeutig für die 280-PS-Variante.

Der Q4 Allradantrieb ist unspektakulär und leicht 

Gespannt waren wir auf den Allradantrieb, und lassen es daher in den Kurven so richtig krachen. Das macht bei Trockenheit sehr viel Spass, ging aber im Regen nicht immer so gut, weil die Bridgestone-Reifen offensichtlich wasserscheu sind und bei Nässe und scharf gefahrenen Kurven gerne ins Rutschen geraten. Aber ansonsten verhielt sich das nur 50 kg schwere System sehr zurückhaltend.
Der Veloce ist auch als Q4 ein waschechter Hecktriebler. Die elektromechanische, pumpenlose Nasskupplung schaltet den Vorderradantrieb nur bei Schlupf hinzu. Dann werden maximal 50 Prozent der Leistung an die Vorderachse geleitet, welche dabei leicht schneller als die Hinterachse dreht und den Wagen quasi «vorspannt». Das System ist so ausgelegt, dass Drifts möglich sind und der Fahrer nicht bevormundet wird. Auch vom nicht abschaltbaren ESP ist so gut wie nichts zu spüren.

Feiner Innenraum

Die Nachrichten aus dem Innenraum sind unverändert positiv. Es gibt nichts zu bemängeln, sowohl Ergonomie, Ablesbarkeit, Bedienung und Oberflächenqualität sowie der Seitenhalt der Sportsitze sind sehr gut. Neuerdings haben die Rücksitze gelernt, sich asymmetrisch mittels Fernentriegelung aus dem Kofferraum zu ducken und diesen zu vergrössern – kann man immer mal brauchen.

Kommt ein Sportwagon Kombi?

Hier drängt sich natürlich die Frage auf, ob nicht ein Sportwagon auf Kiel gelegt wird? In Kombination mit Automat und Allradantrieb würde er sich in der Schweiz fast von selbst verkaufen. Eine eindeutige Antwort geben die Verantwortlichen nicht und verweisen auf den kommenden SUV Stelvio, der erweiterte Transportkapazitäten befriedigt.

Preise stehen fest

Schon klar sind hingegen die Preise. Der Diesel startet bei 54’150, der Benziner bei 57’150 Franken. Für die 10’000 Franken Mehrpreis gegenüber dem 200 PS starken Super gibt es Allradantrieb und 70 zusätzliche PS. Nicht von ungefähr prognostiziert Alfa Romeo, dass 2017 rund 55 Prozent der 950 in der Schweiz geplanten Giulia-Verkäufe auf den Veloce entfallen werden. Das Fazit ist somit eindeutig: während Giulia und Super die Basis bilden, stellt der Quadrifoglio das – möglicherweise zu extreme – Maximum dar. Genau dazwischen liegt der Veloce. Er bildet das Optimum, besonders als Benziner.

Text: Stefan Fritschi

Bilder: Alfa Romeo

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02 Dez 2016