Nissan Qashqai Geschichte

Aus der Not eine Tugend gemacht

Der aktuelle Qashqai.
Das erste Konzeptauto vom Jahr 2004.

Wer das SUV Segment tatsächlich gründete, lässt sich heute nicht eindeutig ausmachen. Der seit 2007 gebaute Qashqai ist jedenfalls von Anfang an mit dabei gewesen und verteidigt heute die Spitze in seinem Segment. Doch wirklich «geplant» war das Modell eigentlich nicht, vielmehr war der erste Qashqai ein Experiment. Der Schritt zu etwas Neuem.

Als im Jahre 1999 die Renault-Nissan Allianz gegründet wurde, war dem neuen COO (und heutigem CEO) Carlos Ghosn klar: Das europäische Produktportfolio der japanischen Marke musste  verändert werden. Ein offensichtliches Beispiel war der Almera, die Schräghecklimousine für das C-Segment, die sich in Europa nicht sonderlich gut verkaufte. Das Nachfolgemodell musste den Kunden etwas Besseres bieten. Die Teams in Planung, Design, Entwicklung und Produktion wurden aufgefordert, noch einmal zum Zeichenbrett zurückzukehren.
Anfang 2002 reiste ein 25-köpfiges Team von Ingenieuren ins Technikzentrum nach Japan. Dort sollte der Startschuss für ein zwölfmonatiges Projekt zur Entwicklung des nächsten Almera fallen. Wichtige Entscheidungen mussten getroffen werden: etwa über Optik, Antriebe und Leistungseigenschaften. Er sollte etwas grösser werden und gegen Modelle wie den Seat Altea oder den VW Golf Plus antreten, in diese Richtung gingen die ersten Ideen.

Schwierige Entscheidungen

Aber die Team-Mitglieder waren unzufrieden und zogen nach neun Monaten, bei einem Meeting im Dezember 2002, einige schmerzvolle Schlussfolgerungen. Die grundlegendste davon war, dass das neue Auto nicht so profitabel wie nötig sein würde und nicht das bot, was die Kunden von der Marke erwarteten.

«Nie wieder langweilige Autos»

Inspiriert von Carlos Ghosns Ansage, dass Nissan nie wieder langweilige Autos bauen wird, nahm die Diskussion einen neuen Verlauf: Konnte man vielleicht mit etwas Neuem und Unerwartetem die traditionellen Segmente herausfordern? «Unsere Idee war eine Art Mini-Murano, dem wir zutrauten, einige jener Hürden aus dem Weg zu räumen, die Kunden vom Kauf eines SUV abhielten, weil sie zu gross, sperrig und durstig seien.»
In der Folge ging es vor allem darum, die Machbarkeit eines kleinen X-Trail-Bruders auszuloten. Es sollte ein Fahrzeug sein, das die Attraktivität, Funktionalität und Vielseitigkeit eines SUV mit den Abmessungen, Fahrleistungen und Betriebskosten eines kompakten Familienautos kombinierte. Interne Leitidee: ein „Stadtnomade“. 

Der Qashqai als Konzeptfahrzeug

Am 2. März 2004 enthüllten die Japaner auf dem Automobilsalon in Genf ein Konzeptfahrzeug namens Qashqai. Die Modellbezeichnung, einem iranischen Nomadenvolk entlehnt, verwies auf den Charakter des Fahrzeugs als „Stadtnomade“. Willkommen geheissen wurde der Qashqai mit allerlei Skepsis. Die Automobilmedien bezweifelten, dass es für diese seltsame neue Mischung aus Schräghecklimousine und SUV wirklich einen Markt gab.
Ungeachtet der allgemeinen Skepsis blieb man davon überzeugt, dass der Qashqai das richtige Produkt war. Nach der Messe in Genf ging die Entwicklungsarbeit am Serienfahrzeug weiter, das Design und die technischen Spezifikationen wurden festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Entscheidung gefallen, dass der Qashqai sowohl den Almera im C-Segment als auch den Primera im D-Segment ersetzen sollte. Der Primera war ein ordentliches Auto, verkaufte sich im Vergleich zu den Volumenmodellen des Segments aber zu schlecht. 

Die Serienversion 

2006 feierte die Serienversion ihren Einstand auf dem Pariser Automobilsalon. Erstaunlicherweise hatten sie in Japan den Mut, am Namen Qashqai festzuhalten – ungeachtet der vielen „Wie spricht man das aus?“-Nachfragen.  Spätestens bei der Fahrvorstellung überzeuge das neuartige Modell viele Medien – aber nicht alle. Ein britisches Blatt schrieb etwa: «Ein ordentlicher Familien-Kompakter, aber nicht das alles auf den Kopf stellende Auto, als das es verkauft wird.»

Verkaufsstart

Im Februar 2007 kam der Qashqai auf den Markt und war von Anfang an ein Verkaufsschlager. Bis dato wurde der Crossover weltweit 3,3 Millionen mal verkauft, den grössten Erfolg hat er aber in Europa, wo 2,3 Millionen Autos verkauft werden. Gemäss Nissan hat er heute 21 direkte Rivalen und befindet sich dennoch an der Spitze in seinem Segment. Heute kennen alle den Qashqai und niemand braucht mehr zu fragen, wie man diesen Namen denn ausspreche!

Text: Pressedienst / Koray Adigüzel

Bild: Nissan

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11 Feb 2017