Smart Fortwo & Forfour

Machen Sie sich breit

Beim neuen Smart Fortwo müssen die Passagiere nicht mehr auf Tuchfühlung gehen und der einst glücklose Vierplätzer bekommt eine neue Chance.

Gebaut für Metropolen, sagt Smart zum For-two. Diese Aussage würde man einem Hersteller von U-Bahnen eher abnehmen. Denn selbst in einem Verkehrskollaps hat der Winzling nicht die besseren Karten. Sei es drum, kurz und mit einem sensationellen Wendekreis von 7,30 Metern bleibt Wendigkeit sein Erfolgsrezept. Und wenn man wie an der Fahrvorstellung vom Navi aufgefordert wird, in 300 Metern rechts abzubiegen, dabei aber noch vier Spuren wechseln muss, wäre das mit einer S-Klasse im Feierabendverkehr von Barcelona vermutlich schief gegangen.

Denn die Länge des neuen Fortwo ist mit 2,69 Metern identisch zum Vorgänger. Dafür wurde er zehn Zentimeter breiter. Smart-Fahrer, die mal so eben eine Abkürzung zwischen dicken Pöllern in der Altstadt nehmen, sollten das mit dem Nachfolger neu überdenken.

Dafür ist der Kuscheleffekt passé. Ohne Nahkontakt sitzen die Passagiere in einem grosszügigen Innenraum mit viel Schulterfreiheit. Der Drehzahlmesser, der früher mittig auf der Armaturentafel thronte, ist nach links gerückt. Die Knöpfe der Klimaanlage sind angenehm zu bedienen und die Sitze mit integrierter Kopfstütze bequem gepolstert. Für Infos zu Verbrauch und Fahrstil sowie für Audio und Navi steht ein frei­stehender, sieben Zoll grosser Touchscreen-Display zur Verfügung. Alternativ kann das eigene Smartphone über die Smart Cross-App angeschlossen werden. Diese findet auch das Auto im Parkhaus, warnt vor Ablauf der Parkzeit und vieles mehr.

Im Gegensatz zum Innenraum, der mit wertigen Werkstoffen und ansprechend montiert ist, scheiden sich die Geister beim Aussendesign. Besonders die Front polarisiert. Für die einen wirkt sie zu grobschlächtig; die anderen finden, sie lasse den Smart breit auf der Strasse stehen. Für das Wabendesign kann Smart etwas, jedoch für die gerade stehende grosse Schnauze nicht. Die strengen Bestimmungen beim Fussgängerschutz liessen den Designern kaum Spielraum.

Mit einer flacheren Schnauze und grösserer Fahrzeuglänge verfügt der Forfour über harmonischere Proportionen. Und gibt sich mit 3,5 Metern Länge und variablem Innenraum praktisch. Im Gegensatz zum Fortwo, wo die von Fans geschätzte zweiteilige Heckklappe nach wie vor Sache ist, verfügt der Vierplätzer über eine herkömmliche Klappe. Dahinter verbirgt sich ein Kofferraum mit einem Volumen von 185 Litern.

Bei den Fondsitzen hat Smart viel Erfindergeist bewiesen. Die Lehnen lassen sich nach vorne neigen, was den Kofferraum etwas vergrössert. Zudem können die Sitzkissen mit einem Handgriff in den Fussraum versenkt werden – und schon hat ein Koffer stehend Platz. Jedoch ist für zwei Erwachsene das Platzangebot auf der zweiten Reihe ziemlich bescheiden, besonders für die Beine.

Durch die Kooperation mit Renault, wo der neue Twingo und der Forfour gemeinsam vom Band laufen, ändert sich aber nichts am traditionellen Heckantrieb. Wobei Renault Smart mit den Motoren – alles Dreizylinder-Benziner von 61 bis 90 PS – bedient.

Das viel kritisierte halbautomatisierte Getriebe des Vorgängers ist Geschichte – sehr schön. Geschaltet wird serienmässig manuell über fünf Gänge. Im Frühjahr 2015 folgt ein von Smart entwickeltes, mit 68 Kilo leichtes Doppelkupplungsgetriebe. Beim Verbrauch ist in allen Varianten mit rund vier Litern zu rechnen sowie mit rund 90 Gramm CO2.

Ein echter Zugewinn für die neue Generation ist das Fahrwerk. Komfortabel federt es Unebenheit weg, in Kurven fühlen sich Fortwo und Forfour stabil an. Nur die Lenkung wirkt etwas synthetisch.

Man darf gespannt sein, wie sich die Kunden entscheiden. Hat der 700 Franken günstigere, aber unpraktischere Fortwo (ab 13 900 Franken) noch eine Chance? Smart Schweiz rechnet mit Verkäufen von zwei Dritteln Fortwo und einem Drittel Forfour. Es könnte aber auch umgekehrt ausgehen.

Smart Fortwo

Preis ab 14'400 Fr.
Zylinder/Hubraum R3/999 cm³
Leistung 52 kW/71 PS bei 6000/min
Drehmoment 91 Nm bei 2850/min
Antrieb Hinterrad
0 bis 100 km/h 14,4 s
Spitze 151 km/h
Norm-Mix 4,1 l/100 km, Benzin
CO₂ /Effizienzkat. 93 g/km/A
Länge/Breite/Höhe 2,69/1,66/1,55 m
Ladevolumen 260-350 Liter
Markteinführung ab sofort

Fazit

Mit Heckantrieb und geringen Abmessungen bleibt sich der Smart treu. Ob beim Zwei- oder Vierplätzer, die jetzt zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind: Die Optik der Frontpartie bleibt ein Diskussionspunkt. Das hat Renault mit dem Twingo ansprechender gelöst.

Newsletter abonnieren
07 Jan 2015