MAZDA MX-5

LAUF, KLEINER ROADSTER-JUNGE!

Noch kompakter, noch leichter, noch agiler: Die vierte MX-5- Generation besinnt sich auf die klassischen Roadster-Tugenden.

Masashi Nakayama kann den Bleistift einfach nicht weglegen. Ständig muss der Chefdesigner des MX-5 etwas auf seinen Block kritzeln. Mit wenigen schnellen Strichen erläutert er denn auch auf dem Papier das Design des Roadsters: ein Rädchen links, eines rechts, das Strichmännchen wandert weiter in die Mitte. Karosserie und Dachlinie, die den Fahrer wie eine zweite Haut umhüllen sollen, zeichnen sich dann fast von allein.

«Wusch, wusch!» – mit ein paar angedeuteten Handkantenschlägen verkürzt Nakayama später am echten Auto vorn und hinten die Überhänge, schneidet die imaginären Ecken ab und spitzt noch schnell das Heck zu. Fertig! Ganz so einfach wie der Entwurf war die Umsetzung freilich nicht. Acht Jahre dauerte die Entwicklung der vierten MX-5 Generation. Angesichts des dynamischen Designs sollen die versammelten 302 Mazda-Ingenieure zunächst die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. Wie sollte man das nur verwirklichen? Zumal der neue MX-5 nicht nur der kürzeste MX-5 aller Zeiten werden sollte, sondern mit einem Leergewicht ab 975 Kilo auch noch besonders leicht. Darüber hinaus durfte die Sicherheit natürlich nicht zu kurz kommen. Erreicht wurde das durch die richtige Mischung aus Alu-Leichtbau und hochfesten Stählen. Unter anderem sind Motorhaube und Kofferraumdeckel, aber auch Achsschenkel und Motorquerträger aus Aluminium. Wo möglich wurde ausserdem Material weggenommen, wo nötig verstärkt. Dadurch wurde gleichzeitig die Torsionssteifi gkeit erhöht, erklärt Hitoshi Takamatsu, leitender Ingenieur für Fahrdynamik. Besonders stolz ist er beim MX-5 auf dessen gute Balance zwischen Leistung und Agilität.

 

Klassische Roadster-Tugenden
Das wollen wir doch gleich mal ausprobieren. Und zwar auf den kurvigen Gebirgssträsschen des «Col de Vence» bei Nizza. Okay, das elegante Ein- und Aussteigen will vielleicht noch ein bisschen geübt werden – verdammt tief sitzt man im MX-5! Das gehört sich aber so für einen Roadster und ist selbstverständlich gewollt: Die Fahrerposition wurde im Vergleich zum Vorgänger eigens um zwei Zentimeter abgesenkt. Wie in einen Massanzug schlüpft man auf den Fahrersitz des MX-5 mit den optionalen Sportsitzen. Da spannt oder schlabbert nix! Beim sommerlichen Barbeque sollte man sich dennoch lieber zurückhalten. Denn viel Raum bleibt um den Fahrer herum nicht mehr. Wer statt in die Breite in die Höhe geschossen ist, kommt dafür recht gut klar – zumindest solange die Sitze bis ganz nach hinten geschoben sind. Und auch bis zum Dach bleibt noch ausreichend Luft. Besser geht’s aber ohne. Das nach wie vor mechanische Stoffdach lässt sich mit einer Hand öffnen und vom Fahrersitz aus in den Verdeckkasten drücken.

Los geht’s! Zügig düst der Mazda bei voll gedrücktem Gaspedal von dannen – ganz ohne Turboloch. Turbo? Moment mal! Ja, ja, war nur ein Test: Natürlich setzt Mazda auch im MX-5 auf die bewährten Skyactiv-Saugmotoren. Besonders der Zweiliter-Benziner mit 160 PS und 200 Newtonmeter bietet ordentlich Durchzug, vor allem im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Der 1,5-Liter- Motor giert dagegen lautstark nach Drehzahlen und liefert das maximale Drehmoment erst bei 4800 Touren. Im Vergleich zum grossen Bruder fällt er leistungstechnisch etwas ab, für den kleinen Japaner reichen 131 PS aber völlig. Und das Schalten geht mit dem feinen Sechsganggetriebe leicht von der Hand. Punkto Fahrdynamik haben die Entwickler nicht zu viel versprochen. Dank der Gewichtsverteilung von 50:50 und dem straffen, aber nicht unkomfortablen Fahrwerk verhält sich der MX-5 selbst in rassig gefahrenen Kurven fast neutral. Man muss schon absichtlich zu schnell aus der Kurve schiessen, damit der Hecktriebler ein bisschen den Hintern bewegt. Ablagen gibt es nur hinter Fahrer und Beifahrer. Die beiden Becherhalter müssen seitlich oder hinten an der Mittelkonsole befestigt werden. Und der Kofferraum reicht für zwei Personen, allerdings mit kleinem Gepäck. Übrigens: Gegen Aufpreis gibt es neben Recaro-Sitzen noch eine Bose-Soundanlage mit zusätzlichen Boxen in den Kopfstützen. Bei offenem Verdeck verpufft der Sound allerdings trotzdem im Fahrtwind. Immerhin, bei geschlossenen Scheiben spürt man ihn kaum; bei geschlossenem Verdeck wird er zum Flüsterer. So macht Roadster-Fahren Spass!
Nur schade, dass der MX-5 erst im September kommt.

Mazda MX-5 G160 R4-Benziner

Preis ab 29'900 Fr.
Hubraum 1998 cm3 | 1496 cm3,
Leistung 118 kW/160 PS | 96 kW/131 PS
Drehmoment 200 Nm bei 4600/min | 150 Nm bei 4800/ min
0 bis 100 km/h 7,3 s | 8,3 s
Spitze 214 km/h | 204 km/h,
Norm-Mix 6,6 l/100 km | 6,0 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 154 g/km CO2 | 139 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 3915/1735/1230 mm
Leergewicht ab 975 kg
Ladevolumen 130 l

Michael Lux sagt:

"Nachdem der MX-5 zwischenzeitlich etwas zugelegt hatte, präsentiert sich die vierte Generation so rank und schlank wie nie. Das kommt auch der Fahrdynamik zugute, die immer schon die Stärke des MX-5 war. Ein kleiner, wendiger Roadster eben, der obendrein nicht allzu teuer ist. Geteilter Meinung kann man höchstens über die direkte, aber sehr leichtgängige elektrische Lenkung sein. Zum Konzept des entspannten Cruisens passt sie aber wieder."

Newsletter abonnieren
01 Sep 2015