Abarth 695 Biposto

BOY-TOY

Im Rennwagen hat man legal nichts auf der Strasse zu suchen. Es sei denn, man leistet sich Abarths neuen und kompromisslosen 695 Biposto.

Leben nach Carlo Abarth? «Sonntags auf der Rennstrecke und montags im Büro». So stellte sich der Abarth-Patron das damals vor und baute pistentaugliche Boliden, mit denen man auch zum Job pendeln konnte. So ähnlich ist auch der neue Abarth 695 Biposto konzipiert. Fehlt nur die Rennstrecke gleich vor der Haustür. Und ein wenig Kleingeld. Bis der aufgemotzte Fiat 500 rennstreckentauglich und gleichzeitig ganz «street-legal» dasteht, sind fast 80 000 Franken in ihm versenkt. Der teuerste Cinquecento aller Zeiten sozusagen. Dies schon einmal vorweg.

An einem neblig-feuchten Wintertag auf der Rennstrecke in Varano konnte der 190 PS starke Italo-Renner erstmals gefahren werden. Mattes Dunkelgrau, wie aufgepustete Radhäuser und ein riesiger Ansaugschlund; Frontund Heckpartie wurden gegenüber dem zivileren Abarth 500 zwecks verbesserter Luftströmung modifiziert und aus Karbon gefertigt, ebenso die Seitenschweller. Am Heck trompeten zwei dicke Akrapovic-Sportauspuffendrohre dem Hintermann die Ohren voll. Bis hierhin ist im Basispreis für 49 000 Franken alles dabei.

Doch ab jetzt geht die Rennsemmel ins Geld: Seitenscheiben aus Polycarbonat mit Schiebetürchen wie eine Katzenklappe kosten 2400 Franken extra. Türinnenverkleidung mit Karbonplatte und roter Schlaufe statt Griffen weitere 5900 Franken. Sabelt-Sportsitze aus Kohlefaser mit Vierpunktgurten und statt einer Fondbank ein Titan-Überrollkäfig inklusive Sicherheitsnetz, Racing-Dashborad und Alu-Pedalen: 4900 Franken, bitte. Nur leistete sich Abarth für den Biposto kein Sportlenkrad. Hier wird an einem Serienlenkrad wie in jedem Fiat 500 gekurbelt.

Der Höhepunkt, gilt mit 12 500 Franken auch für den Aufpreis, ist jedoch das Klauengetriebe, welches so noch nie in einem Serienauto verbaut wurde. Ganz ohne Verkleidung zeigt die Mechanik jedes Schräubchen, und aus der H-Kulisse ragt ein absurd langer Schalthebel empor. Nur wenige Zentimeter beträgt der Weg vom Lenkrad zum Alu-Stock. Entwickelt hat diese sogenannte Dog-Box der italienische Renngetriebe- Experte Bacci Romano zusammen mit Abarth.

Ein Dreh am Schlüssel, 190 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment warten darauf, auf die knapp eine Tonne Gewicht losgelassen zu werden. Vorsichtig lässt man die Kupplung kommen, heiser fauchen die Endrohre. Jetzt der zweite Gang, den man hart, aber herzlich einlegen muss. Die Hebelwirkung des langen Schaltstockes macht sich sofort bemerkbar, der Schaltweg wirkt um Welten kürzer als bei einem herkömmlichen Schaltgetriebe. Klingt absurd, aber je brutaler man die Gänge reinhaut, desto besser für das Material. Zaghaftes und unpräzises Schalten wird mit üblen Kratzgeräuschen oder dem Umweg über die Leerlaufposition bestraft.

Nach erster Eingewöhnungsphase wirft man die Gänge fast so schnell wie ein Doppel-kupplungsgetriebe hinein. Und wer viel Gefühl und Gehör für Motor und Getriebe hat, muss beim Hochschalten nicht einmal mehr das Kupplungspedal drücken. Und das macht richtig Laune. Der agil hochdrehende 1,4-Liter- T-Jet-Benziner, der sich ohne Turboloch davonmacht, schiebt den Biposto flink über die Rennpiste. Auf nasser Fahrbahn fühlt sich der 695 an wie auf Carvingski. Das ESP zerrt spät, aber sanft am Zügel; alles immer im Griff. Auch auf der Fahrt ins Büro. Carlo Abarth hätte seine Freude.

Abarth 695 Biposto R4-Turbobenziner

Preis ab 49'000 Fr.
Hubraum 1368 cm3
Leistung 140 kW/190 PS
Getriebe/Antrieb 5-Gang manuell, Vorderrad
0 bis 100 km/h 5,9 s
Spitze 230 km/h
Norm-Mix 6,2 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 145 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 3657/1647/1485 mm
Leergewicht 997 kg
Ladevolumen k.A.

Susan Rocchetti sagt:

"Bei Abarth nennen sie den 695 den «Kleinsten unter den Supercars» – ein Statement und ein Imagemodell zugleich. Mögen auch 80 000 Franken für einen Fiat 500 arg viel sein. Aber solch ein kompromissloses, vor Fahrfreude strotzendes Spassauto mit Suchtfaktor gibt es sonst nirgendwo."

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31 Mär 2015