Jaguar XE

SIE KÖNNEN AUCH ANDERS

Schluss mit der Harmlosigkeit: Bei diesem neuen Mittelklässler haben Audi, BMW und Mercedes allen Grund, ins Zittern zu geraten. Erste Runde mit dem Jaguar XE.

Die Zeiten, in denen eine Mittelklasse-Limousine von Jaguar sozusagen ein Ford Mondeo im Abendkleid war, sind vorbei. Binnen vier Jahren komplett eigenständig entwickelt, zeigt dass neue Mittelklasse- Modell XE, dass die Marke sich zielstrebig weiterentwickelt. Und man weiss auf den ersten Blick, aus welchem Stall die Katze kommt. Was XF und XJ begonnen haben – neue Designlinien – führt der XE fort. Seine sportlich- elegante Erscheinung, deren sanft abfallende Dachlinie mit der Silhouette eines Coupés kokettiert, zieht er von vorne bis hinten durch. Lediglich das Heck wird dem sonst so leidenschaftlichen Jaguar-Design nicht gerecht und wirkt ehrlich gesagt etwas lieblos.

Ähnlich sieht es im Innenraum aus. Der bietet zwar ein gepflegtes Ambiente und hochwertige Materialien, ein mit Leder überzogenes Armaturenbrett samt horizontal durchgehender Zierleiste wie im XJ sowie ein Alcantara-Dach über dem Kopf, doch ist das Layout des Armaturenbretts einfach zu konventionell. Die Ergonomie ist fehlerfrei, alle Bedienelemente sind einfach zu benutzen und auch das neue Infotainmentsystem macht einen guten Job.

Aber abgesehen des vom F-Type stammenden Lenkrads kommt nicht das Gefühl auf, in einem speziellen, leidenschaftlichen oder besonders individuellen Fahrzeug zu sitzen.

Die technische Seite dagegen ist ein wahrer Leckerbissen. Das Chassis des XE besteht zu 75 Prozent aus Alu und ist mit 251 Kilogramm das leichteste in der Mittelklasse. Das Fahrwerk arbeitet vorne mit doppelten Querlenkern, hinten mit einer raffinierten Mehrlenkerachse und adaptiven Federelementen von Bilstein.

Wer den XE optimal geniessen möchte, sollte zur S-Version greifen. Sein Dreiliter-V6- Kompressor bietet 340 PS und Drehmoment ab tiefen Touren. Der Schub: überzeugend. Und der Ton: kernig, aber nie in störende Frequenzbereiche abgleitend.

Die Lenkung, bislang immer die Achillesferse eines jeden Jaguars, ist fit wie nie zuvor. Ein echtes Vergnügen, die Limousine von einer Kurve in die nächste zu zirkeln. Die Lenkung arbeitet direkt und tadellos linear. Gemeinsam mit dem präzisen Fahrwerk steht unterm Strich ein neutrales Fahrverhalten mit viel Grip. Selbst beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven verlieren die Hinterräder nie die Haftung, obwohl der XE keine mechanische Differenzialsperre, sondern lediglich «Torque Vectoring by Braking» bietet.

Zwei neue Turbodiesel mit 163 und 180 PS zum gleichen Basispreis sind auch zu haben. Die die vernünftigere, weil sparsamere Wahl sind – der kleinere bleibt beim CO2 gar unter 99 Gramm. Wichtigste Erkenntnisse nach dem Erstkontakt sind aber: Der XE strengt nie an, egal mit welcher Motorisierung. Auch nach 350 Kilometern steigt man wunderbar entspannt aus. Sehr britisch.

Jaguar XE 2.0 i4 163 R4-Turbodiesel | 2.0 i4 180 RX-Turbodiesel | 2.0 i4 Turbo 240 R4-Turbobenziner

Preis ab 45'500 Fr. | 45'500 Fr. | 50'600 Fr.
Hubraum 1999 cm3 | 1999 cm3 | 1999 cm3
Leistung 120 kW/163 PS | 133 kW/180 PS | 177 kW/240 PS
Drehmoment 380 Nm bei 1750–2500/min | 430 Nm bei 1750–2500/min | 340 Nm bei 1750–4000/min
0 bis 100 km/h 8,4 s | 7,8 s | 6,8 s
Spitze 227 km/h | 231 km/h | 250 km/h
Norm-Mix 3,8 l/100 km | 4,2 l/100 km | 7,5 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 99 g/km CO2 | 109 g/km CO2 | 179 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4672/1850/1416 mm
Leergewicht 1474 kg
Ladevolumen 455 l

Benjiamin Albertalli sagt:

"Mehrheitsfähiges Design ohne Extravaganzen, neue Turbodiesel und gleich ab Marktstart im Juni eine 340-PS-Topversion: Mit dem XE bricht Jaguar erstmals erfolgversprechend in die Mittelklasse ein. Prunkstück der Neukonstruktion ist das extraleichte Fahrwerk. Sein unaufgeregtes Äusseres dürfte sogar noch dazu positiv beitragen, BMW und Mercedes mehr als nur ein paar Kunden abspenstig zu machen."

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25 Apr 2015