Suzuki Vitara

EIN HAUCH MIAMI VICE

Der Vitara heisst wieder Vitara und mausert sich dank guter Ausstattung und Individualisierungsmöglichkeiten zum trendigen Lifestyle-SUV – nur die Farben sind doch sehr 1980er.

Als die erste Generation des Suzuki Vitara 1988 auf den Markt kam, trugen echte Männer noch weisse Slipper zu Karottenhosen und Sakkos mit überdimensionierten Schulterpolstern. Alf der Ausserirdische terrorisierte im Fernsehen den Familien-Kater, und die Jungs von Miami Vice fegten im Ferrari auf Verbrecherjagd durch Florida.

Seither hat sich vieles geändert, manches ist aber auch wieder wie früher – nicht nur bei der Mode. Suzukis Kompakt-SUV heisst mit der neuen Generation wieder Vitara und nicht wie seit 1998 Grand Vitara. Ansonsten hat er mit dem Gefährt von damals allerdings wenig gemeinsam, selbst wenn Suzuki bei der Präsentation das Erbe jenes Vitara beschwört, mit dem die Japaner seinerzeit das heute boomende Segment mitbegründeten.

Rein äusserlich war der Vitara von einst noch eher klassischer Geländewagen als SUV – vor allem als zweitüriges Stoffdach- Cabrio. Die neue Generation orientiert sich dagegen mit der dominanten Motorhaube, der zurückversetzten Fahrerkabine und den schmalen Fenstern an trendigen Asphalt-Allradlern à la Range Rover Evoque & Co.

Ausser dem Namen erinnern höchstens die teils sehr eigenwilligen Farbtöne an das Urmodell: Den Vitara gibt es unter anderem in knalligem Orange oder einem Türkiston, der direkt den 1980ern entsprungen sein könnte. Auch Zweifarbenlackierungen mit Kontrastdach sind nun als Option erhältlich – Suzuki setzt im Vitara verstärkt auf Individualisierung. So lässt sich das Interieur wahlweise mit Chromzierelementen oder farbigen Armaturen und Lüftungsringen aufpeppen. Das Cockpit wirkt aber auch ohne solches Schischi modern und ansprechend. Die Bedienung über den 7-Zoll-Touchscreen, mit dem sich das Smartphone koppeln lässt, ist einfach und intuitiv.

Nur mit recht viel Hartplastik muss man im Interieur nach wie vor leben. Das geht bei Fahrzeugen dieser Preiskategorie wohl nicht anders. Angesichts der sonst vergleichsweise noblen Ausstattung – unter anderem mit Lederbestuhlung und Kontrastnähten – fällt das aber nicht allzu gross ins Gewicht.

Beim Platzangebot muss man jedenfalls keinerlei Abstriche machen. Und das, obwohl der Vitara mit 4,17 Metern Länge im Gegensatz zum direkten Vorgänger ein paar Zentimeter geschrumpft ist. Die Kopf- und Beinfreiheit im Fond ist für einen Kompakten riesig, und der Kofferraum mit variablem Ladeboden kann sich mit maximal 1120 Litern ebenfalls sehen lassen.

Allrad kann er natürlich auch – und zwar ausschliesslich. In der Schweiz bietet Suzuki nur Versionen mit dem «Allgrip» genannten Allradsystem an, das auch im S-Cross zum Einsatz kommt. Da bei Letzterem die Nachfrage nach dem Fronttriebler so gering ausfiel, verzichtet man beim Vitara gleich ganz auf die Variante.

Spielen im Matsch

Ein Hardcore-Geländegänger ist der neue Vitara natürlich trotz allem nicht. Bei der ersten Testfahrt durfte er aber immerhin ein bisschen hinaus in die Pampas. Im Allrad-Modus «Snow-Mud» wühlte er sich tapfer durch sandigen Untergrund und kraxelte dank Lock-Modus mit Mittelsperre munter Böschungen hinauf. Als erster Suzuki in Europa überhaupt verfügt der Vitara ausserdem über eine Bergabfahrhilfe.

Wieder auf Asphalt, stellt der ambitionierte Fahrer den Drive- Schalter dann doch lieber auf «Sport». Vor allem im 1,6-Liter- Benziner, der so noch einen Tick drehfreudiger wird. Damit lässt sich das nicht ganz so üppige Drehmoment von 156 Newtonmetern etwas ausbügeln. Kleiner Nachteil: Beim Hochdrehen wird der Vitara schnell laut.

Einen uneingeschränkt positiven Eindruck hinterlässt dagegen der optionale Sechsgangwandler. Der Automat schaltet präzise und verzichtet überdies auf das nervige Geheul des CVT-Getriebes. Neu ist nun auch die Automatik- Version des Vitara mit Start/Stopp ausgestattet.

Noch etwas flotter unterwegs ist man mit dem ausschliesslich handgeschalteten Diesel. Der hat ebenfalls 120 PS, bringt aber dank 320 Newtonmetern in den unteren Gängen deutlich mehr Vortrieb. Aufgrund des verhältnismässig geringen Gewichts fährt sich der Vitara jedoch in beiden Motorisierungen relativ agil. Das Fahrwerk ist ausgewogen, nur die Lenkung fällt SUV-typisch ein wenig indirekt aus. Grösster Pluspunkt des Suzuki ist aber wohl das gute Preis-Leistungs-Verhältnis: 7 Airbags, Rückfahrkamera, Sitzheizung, Tempomat, Abstandswarner sowie Bergan- und -abfahrhilfe sind in den meisten Ausstattungsvarianten Serie. Das gab’s nicht einmal bei Miami Vice.

Suzuki Vitara Benziner R4 | Turbodiesel R4

Preis ab 22'990 Fr. | 30'990 Fr.
Hubraum 1586 cm3 | 1598 cm2
Leistung 88 kW/120 PS | 88 kW/120 PS
Drehmoment 156 Nm bei 4400/min | 320 Nm bei 1750/min
0 bis 100 km/h 13,0 s | 12,4 s
Spitze 180 km/h
Norm-Mix 5,7 l/100 km | 4,2 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 131 g/km CO2 | 111 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4175/1775/1610 mm
Leergewicht ab 1305 kg
Ladevolumen 375 bis 1120 l

Michael Lux sagt:

"Der erste Vitara sah noch sehr nach Geländewagen aus; der Grand Vitara machte auf Solide, wirkte dabei aber ein kleines bisschen bieder. Da bedeutet der spritzige Nachfolger einen deutlichen Sprung nach vorn. Ich bräuchte keine neonfarbigen Armaturen als Ausdruck meiner Persönlichkeit, aber Individualisierung liegt eben gerade im Trend. Und punkto Ausstattung und Preis überzeugt der Vitara in jedem Fall."

Newsletter abonnieren
19 Mai 2015