Mercedes C 450 AMG

ECHTE EINSTIEGSDROGE

Der C 450 AMG füllt die Lücke zwischen Normalo-Benz und C 63 – AMGs Antwort auf Audis S-Modelle und BMWs M-Performance.

Das mit dem Tuning solle man gleich mal vergessen. Ja ja, AMG habe als eine Art hauseigener Tuner von Mercedes-Modellen begonnen, gibt Geschäftsleiter Tobias Moers zu. Aber heute gehe es der Marke um eigene Modelle. Entwickelt von eigenen Ingenieuren. Testgefahren vom Chef persönlich, der technisch alle AMGs seit 1998 verantwortete und sich manchmal in der Spätschicht noch in die Werkhalle stellt. Nicht zum Kontrollieren. Sondern um selbst einen V8 zusammenzuschrauben.

Heraus kommen dabei Modelle wie der ab sofort als Limousine und Kombi bestellbare C 63 AMG mit 4,0-Liter-Biturbo-V8, bis zu 510 PS und einem Einstiegspreis von 94 900 Franken. Und damit vielleicht ein wenig jenseits der Erwartungen, des Fahrtalents und des Budgets einiger Kunden. Wie bei Audi und BMW, sollen deshalb künftig sogenannte Sportmodelle die Lücken zu den reinen AMGVersionen schliessen. Weil sie solche bei Audi ja schon längstens anbieten, und auch BMW ein paar Modelle zwischen normal und M-GmbH platziert hat. Und um das Ziel von 60 000 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2017 zu erreichen.

Ab Juni macht der C 450 AMG, ebenfalls als Limousine und Kombi, den Anfang. Sein V6-Biturbo- Benziner wurde nicht komplett neu entwickelt wie die übrigen AMG-Motoren, sondern aus dem Serienaggregat des C 400 abgeleitet. Und natürlich optimiert. Macht eine Leistung von 367 statt sonst 333 PS bei einem Verbrauch von – theoretisch – 7,6 l/100 km. Und weil es ja nicht um blosses Tuning geht, werden im Fahrwerk Komponenten aus dem C 63 verbaut; auch eine dreifache Dämpferverstellung und – ein Allradantrieb, den man auch mit dreimal Bitte-Bitte-Machen für den C 63 nicht ordern könnte.

Ausverkauf der Marke? Ein weichgespültes Modell für Gernegrosse? Aber kein Stück. Nach einer Testrunde im C 450 steigt man nicht nur begeistert aus, sondern auch ziemlich nachdenklich, weil man sich fragt, wozu man jetzt eigentlich noch einen «richtigen» AMG kaufen sollte. Lenkverhalten, Fahrwerkspräzision – ganz nah am C 63, jedenfalls wenn man sich auf öffentlichen Strassen bewegt. Und wie der heckbetont ausgelegte Allradantrieb das Auto um die Passstrassenkurven drückt, beeindruckt.

Wie auch die für einen Turbomotor sehr lineare und damit problemlos dosierbare Leistungsentfaltung des V6. Mit dem theoretischen Verbrauch wird es flott gefahren natürlich nichts.

Selbst der Klang überzeugt: Dezent im Normalbetrieb, kraftvoll nur, wenn man es auch möchte, obwohl dem Sechszylinder einiges vom Brabbeln und Bollern des AMG-V8 abgeht. Tobias Moers gibt zu, da habe man akustisch ein wenig nachgeholfen; das Frequenzspektrum des V6 gäbe diesen Klang eigentlich nicht her. Kritik? Nur am ob der wuchtigen Mittelkonsole recht eng wirkenden Cockpit. Aber da müsste man in der Konzernzentrale reklamieren. Sie können sich ja nicht um alles kümmern bei AMG.

Knapp 10 000 Franken für 34 Mehr-PS gegenüber dem C 400 mit Allradantrieb: Der Kombi kostet mindestens 79 300 Franken, die Limousine kommt 2000 Franken günstiger. Doch der C 450 AMG dürfte sich in der Schweiz wie geschmiert verkaufen – des Allradantriebs wegen, aber auch ob der dezenteren Optik, die nicht ganz so aggressiv verspoilert wurde wie beim C 63. Angst vor einem Absatzeinbruch bei Letzterem hegt Moers nicht. Eine Einstiegsdroge sei der C 450. Dessen Käufer beim nächsten Mal sicher zum C 63 greifen würden.

Mercedes C 450 AMG 4matic T-Modell V6-Turbobenziner

Preis ab 79'300 Fr.
Hubraum 2996 cm3
Leistung 270 kW/367 PS
Drehmoment 520 Nm bei 2000/min
Getriebe/Antrieb Siebenstufenautomat, Allrad
0 bis 100 km/h 4,9 s
Spitze 250 km/h
Norm-Mix 7,9 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 185 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4702/1810/1457 mm
Leergewicht 1735 kg
Ladevolumen 490 bis 1510 l

Andreas Faust sagt:

"Tut mir leid, Herr Moers: Der C 450 AMG wird in der Schweiz wohl doch die übrigen AMG-Modelle kannibalisieren. Weil er sich fast so dynamisch fährt wie ein C 63. Weil er so dezent-sportlich wirkt, wie man es hierzulande liebt. Und Allradantrieb in diesem Segment sowieso gesetzt ist."

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25 Jun 2015