Porsche 911 Targa

SCHÖNLING IN BESTFORM

Mehr die logische Konsequenz als ein wirklich neues Modell: Porsche bietet den 911 Targa nun auch im GTS-Trimm an. Wie gut passt das Sport-Dress zum schönsten Flanier-11er?

Musiker machen das ja schon immer so. Aus Versatzstücken des Alten etwas Neues kreieren. Und nun haben sie es auch bei Porsche für sich entdeckt. Der Targa 4 GTS ist kein neues Modell, sondern lediglich eine neue Spielart in der weitläufigen 911er- Welt. Quasi ein Remix. Und ganz nebenbei auch eine Art «Best of» aus über 50 Jahren Porsche 911.

Der Aluminium-Überrollbügel und die gewölbte Heckscheibe, genau wie beim Ur-Targa aus den 1960ern. Das Leuchtenband am Heck, das erstmals in den 1970ern auftauchte, genauso wie die schwarz lackierten Lüftungsgitter. Die roten Bremssättel mit gelochten Scheiben zeugen seit den 1990ern für endlose Bremskraft, und die Kreuzspeichen Felgen mit Zentralverschluss stammen sowieso direkt aus dem Motorsport.

Den verkörpert auch der Sechszylinder- Boxer im Heck mit nun 430 PS. Die Mehrleistung holt sich der 3,8-Liter aus einem neuen Ansaugtrakt und einer Sport-Abgasanlage, deren Symphonien man beim Targa am besten bei geöffnetem Verdeck geniesst. Handarbeit mag man dem Kunden nicht mehr zumuten: In eindrücklicher Choreographie hebt sich die Glaskuppe vom Heck und macht Platz, um das Stoffverdeck zu verstauen. Allerdings funktioniert das nur im Stand.

Halb so wild, schliesslich katapultiert sich der Targa in bestenfalls 4,3 Sekunden wieder auf 100 km/h. Zumindest mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe, das im Targa GTS etwas mehr gefordert wird als in anderen 911ern. Denn der Allradantrieb und das Dachsystem bringen rund 135 kg Mehrgewicht im Vergleich zum Hecktriebler-Coupé. Meckern auf hohem Niveau, gewiss, aber die Masse ist spürbar.

In schnell gefahrenen Kurven drücken die zusätzlichen Pfunde deutlich auf die Hinterachse. Wobei: Schnell heisst in diesem Kontext so schnell, dass man das eh nur auf der Rennstrecke merkt. Die meistert der Targa zwar anstandslos, doch mit einem klassisch heckgetriebenen und handgeschalteten Coupé findet man hier wohl eher sein Glück. Das liegt im Targa in weiten Landstrassen mit ordentlich Sonnenschein. Den herrlichen Boxer-Symphonien lauschen, den durchaus guten Federungskomfort geniessen und einfach nur der Sonne entgegenfahren. Immer im Wissen, dass man auch anders könnte. Messerscharf und mit unerschütterlicher Allrad- Traktion. Nur die bisweilen etwas hohen Windgeräusche irritieren.

Solch einen 911er braucht niemand, aber will jeder haben. Gilt das auch für den Targa GTS? Steht der Sinn nach dem ultimativen Rennstrecken-Flitzer, dann sicher nicht. Das Coupé spielt diese Rolle besser. Dennoch passt der sportliche «GTS»-Trimm perfekt zum Targa. Etwas mehr Agilität und viel mehr Emotion, nicht zuletzt dank verfeinertem Klang. Die Optik mit geschickt gesetzten Retro-Zitaten macht den GTS endgültig zum «Haben-will»-Objekt. Genau darum ist der Targa 4 GTS ein echter Porsche. Und wenn die Zuffenhausener den 911er bald auf kleinere Turbomotoren downsizen, wird der Schöne mit Bügel endgültig Kultpotenzial erreichen. So gehört sich das schliesslich auch für ein «Best of».

Porsche 911 Targa 4 GTS B6-Benziner

Preis ab 167'700 Fr.
Hubraum 3800 cm3
Leistung 316 kW/430 PS
Drehmoment 440 Nm bei 5750/min
Getriebe/Antrieb 7-Gang manuell, Allrad
0 bis 100 km/h 4,7 s
Spitze 303 km/h
Norm-Mix 10,0 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 237 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4509/1852/1291 mm
Leergewicht 1560 kg
Ladevolumen 125 l

Philipp Aeberli sagt:

"Den Targa kauft man sich vor allem aus ästhetischen Beweggründen, handfeste Vorteile gegenüber Cpupé und Cabrio gibt es nicht. Aber wenn schon, dann bitte als Targa 4 GTS. Die zusätzliche Zierde und die hübschen Akzente machen ihn schon fast unwiderstehlich schön. Die zusätzlichen Pferdestärken helfen, das Mehrgewicht zu bewältigen. Nach dem Preis fragt man aber besser nicht."

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29 Jun 2015