Jaguar XE

EHRLICH ERLEICHTERT

Nicht die Elektronik, sondern ein hoher Aluminiumanteil und das intelligente Fahrwerk sind die Trümpfe des neuen Jaguar XE. Und der Kompressor-V6 aus dem F-Type.

Riesig schaut die Mieze aus; scheint fast den ganzen Heckdeckel einzunehmen. Früher durfte Jaguars Markenzeichen von der Fronthaube zum Sprung ansetzen, aber Crashsicherheit und Fussgängerschutz vertrieben sie aufs Heck. Vielleicht zur Selbstvergewisserung der Jaguar-Ingenieure. Ja, dies ist unser Mittelklasse-Modell.

Wirklich Glück hatte die Marke in diesem Segment bisher nicht. Aber der XE, der Anfang Juni zu den Händlern rollen wird, dürfte gut starten; komplett neu von der Plattform über die Leichtbau-Karosserie bis hin zu einem Gutteil der Motoren.

Von vorn ein Jaguar; mit grimmig angewinkelten Scheinwerfern, langer Haube, weit nach hinten gerücktem Passagierabteil und kurzem Heck. Letzterem würde man aber jene negative Neigung und freche Kantung wünschen, die erste Designskizzen zeigten. Und Farbe für die Unterseite der Hutablage. Monatelang hätten sie diskutiert, sagt CEO Adrian Hallmark. Aber dann wagten sie es, weil: Die Konkurrenz im Segment mache das genauso. Nur dort könne man sparen bei einem Jaguar. Sonst nirgendwo.

Zu 75 Prozent besteht die Karosserie aus Alu; der Rest ist hochfester Stahl. Leichtbau steckt auch im Fahrwerk mit hohem Alugussanteil. Dank 2,84 Metern Radstand bleibt selbst hinter einem 1,85-Meter-Fahrer noch mehr als genug Kniefreiheit. Für einmal wirkt der Innenraum hinten gar grosszügiger, weil mehr Luft zwischen Blech, Seitenscheiben und Köpfen bleibt als vorn. Das neue Navi macht das ältliche Vorgängersystem vergessen, könnte aber flotter ansagen. Smartphone- Kompatibilität gibt es schon in Kleinwagen – erst recht im XE.

Fünf Motoren sind lieferbar; darunter zwei drehzahlbedürftige Turbobenziner mit 200 oder 240 PS, wobei Letzterer für ab 45 200 Franken nicht schlecht ins Konzept passt. Hinzu kommen zwei 2,0-Liter-Turbodiesel aus der neuen Ingenium-Motorenfamilie mit 163 oder 180 PS und 3,8 oder 4,2 l/100 km Werksverbrauch.

Noch ingeniöser als diese knurrigen, gut gedämmten und drehmomentstarken Aggregate wirkt das mitgelieferte manuelle Sechsganggetriebe; Jaguars erstes seit ewig: Kurze Schaltwege, Präzision, tolle Abstufung. Man könnte die Diesel aber auch mit Achtgang-Automatik ordern. Die portioniert im Topmodell S die 340 PS eines Kompressor-V6. Der beherrscht von Schnurren bis Kreischen den vollen Frequenzgang und harmoniert perfekt mit dem übrigen Setup.

Leichtes Chassis, saubere Mechanik und präzise Radführung statt Elektronik: Wie die Hinterräder das Auto auf der ersten Testrunde durch die Kurvenschwünge baskischer Strassen drückten, konnte süchtig machen. So man die neue elektromechanische Lenkung im Sportprogramm betreibt.

Allradantrieb kommt zum Jahresende. Nein, ein Kombi eher nicht, sagt Hallmark. Dessen Rolle soll das SUV F-Pace spielen. Dafür warten aber V8-Versionen als XER mit bis zu 550 PS in der Pipeline. Richtig fette Katzen, sozusagen.

Jaguar XE Benziner | Turbo-diesel

Preis ab 40'800 Fr.
Leistung 147 kW/200 PS bis 250 kW/340 PS | 125 kW/163 PS bis 132 kW/180 PS
0 bis 100 km/h 7,7 bis 5,1 s | 8,2 bis 7,8 s
Spitze 237 bis 250 km/h | 227 bis 230 km/h
Norm-Mix 7,5 bis 8,1 l/100 km | 3,9 bis 4,2 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 179 bis 194 g/km CO2 | 99 bis 109 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4672/1850/1416 mm
Leergewicht 1474 kg
Ladevolumen 450 l

Andreas Faust sagt:

"Mit dem XE zündet Jaguar die zweite Stufe: Nach dem frischen Design des ersten XF folgt nun im Mittelklasse-Modell der technologische Umbruch mit einer neuen Plattform, Alu-Leichtbau-Karosserie und neuen Vierzylinder-Turbodieseln. Der richtige Weg – wenn Jaguar bei allen Neuerungen nicht die Tradition der Marke vergisst."

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24 Jul 2015