Opel Astra

TARNEN, TÄUSCHEN, TURBO

Im September wird Opels neue Astra-Generation an der IAA präsentiert. Fahren durften wir jetzt schon. Und spürten deutliche Fortschritte bei Fahrdynamik und Komfort.

Tarnfolie soll – tarnen. Das ist ihre Aufgabe. Hier macht sie es so gut, dass Passanten keine Chance haben zu erkennen, was drunter steckt. Ein neuer Kia? Ein Fiat? Alles falsch. Die Lösung heisst Astra. Opels wichtigstes Modell dreht letzte Testrunden. Im September wird der kompakte Fünftürer auf der IAA in Frankfurt der Öffentlichkeit gezeigt. Und zum Händler rollt er wenige Wochen später. Kein Modell ist wichtiger für die Marke mit dem Blitz. Entsprechend hoch ist das Ziel der Entwickler: Der Astra, intern Generation K genannt, muss ein Volltreffer werden; leichter, effizienter, dynamischer.

Nicht verbergen kann das Tarnkleid die Abmessungen. Der Astra ist geschrumpft, misst mit 4,37 Metern fünf Zentimeter weniger als zuvor. Löblich, denn normalerweise lassen die Autohersteller ihre Modelle mit jeder neuen Generation wachsen. Opel drehte nun den Spiess um. «Wir haben jede Schraube angefasst», sagt Chefingenieur Marc Schmidt. Lohn der Mühe: Je nach Motorisierung wiegt der Astra bis zu 200 Kilogramm weniger. Im Minimum sind es 120 Kilo. Die spürt man schon auf den ersten Kilometern, denn Opel erlaubte uns, einige Astra im letzten Prototypenstadium zu bewegen.

Klasse am Gas hängt der brandneue 1,4-Liter-Turbobenziner mit 145 PS. Für ihn werden sich sicher die meisten Kunden entscheiden. Ein guter Tipp ist auch die neue Einstiegsversion mit drei Zylindern. Wer denkt, das reicht doch nie und nimmer, irrt: Das Einlitermotörchen mit 105 PS kommt mit dem Astra bestens zurecht. Dank Ausgleichswelle läuft der Dreizylinder fast vibrationsfrei und erfreut die Ohren mit einem angenehm kernigen Klang. Sinn des kleinen Motors ist neben weniger Gewicht auf der Vorderachse natürlich auch der geringere Verbrauch. Opel gibt als Normwert 4,8 Liter je 100 Kilometer an. Toptriebwerk wird ein 1,6-Liter- Turbobenziner mit 200 PS. Die jüngst schon eingeführten Diesel starten bei 1,6 Litern und 95 PS.

Eine überzeugende Vorstellung liefert der Astra auch im Fahrverhalten ab. Nie fuhr sich Opels Kompakter handlicher. Die Lenkung spricht direkt an, die Abrollgeräusche sind minimal und der Komfort ausgewogen. Den können auch die Passagiere auf der Rücksitzbank geniessen. Trotz der kürzeren Aussenabmessungen wuchs die Beinfreiheit im Fond. Es sitzt sich gemütlich dort.

Und der Kofferraum? Genauere Angaben als «ähnlich wie der Vorgänger» wollte Opel noch nicht machen. Buchstäblich bedeckt hält man sich auch beim Cockpit. Schwarze Tücher über der Mittelkonsole schirmen neugierige Blicke ab. Aber soviel sei verraten: Der «Krieg der Knöpfe» hat bei Opel endlich ein Ende, alles wirkt aufgeräumt und reduziert. Hinterm Lenkrad bleibt es bei klassischen Rundinstrumenten. Dazwischen liegt erneut ein kleines Display, das in modernem Weiss und nicht mehr in billigem Rot leuchtet.

Apropos leuchten: Der Astra erhält optional LED-Matrix- Scheinwerfer. Damit ist diese Technik erstmals im Volumensegment mit hohen Stückzahlen angekommen. Opel nennt sie Intellilux.

Michael Specht sagt:

"Bei einem neuen Modell sollte es ja nicht verwundern, aber: Die neue Astra-Generation überzeugt mit handlichem Fahrverhalten und der beinahe komplett neuen Motorenpalette. Vor allem überrascht aber, wie viel mehr Innenraum und damit Sitz- und Fahrkomfort trotz gekürzter Länge geschaffen werden konnte. Aber zugegeben: Vom Kofferraum haben wir ja noch nichts gesehen."

19 Jul 2015