Opel Corsa OPC

SCHLUSS MIT NIEDLICH

Man nehme eine gehörige Portion Leistung, stecke sie in ein kleines Auto und garniere das Ganze mit sportlichem Flair und feinen Zutaten aus dem Motorsport. Fertig ist das Gourmet-Menü für Fahrspass-Feinschmecker.

Slow food, fast car. So das Motto bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Mini John Cooper Works. 231 Gramm Fleisch symbolisieren ebenso viele Pferde unter der Haube. Vier Stück Speck für vier griffige Reifen garniert mit feinem Gemüse für das Gewissen und die Augen, quasi die sportlichen Anbauteile. Fertig ist der fette, aber bekömmliche Burger. Passt ein derartiger Batzen zum stärksten Mini aller Zeiten? Von «deftig» ist der freilich weit entfernt, was das Datenblatt mit einem Leergewicht von gut 1200 Kilogramm belegt. Aber gross ist er halt schon geworden, der kleine Mini. Das Raumgefühl mit dem langen Instrumententräger und der weit nach vorne gezogenen Dachlinie verstärkt dieses Gefühl. Aber: Es steht eben auch «John Cooper Works» drauf. Und das Kopfkino spielt sofort wild um die Kurve hetzende Minis auf den Sonderprüfungen der Rallye Monte Carlo in den 1960ern ein.

Auf einen derartigen Legendenstatus kann der neue Kraftzwerg aus Rüsselsheim nicht bauen. Der Corsa OPC wird vielleicht von Fans und Kennern geliebt, doch eine Legende wie der schnelle Mini ist er nicht. Oder vielleicht: Noch nicht. Fast zeitgleich zum neuen Sport-Mini lanciert Opel den neuen Über-Corsa. Mit nur gerade knapp 1300 kg und 207 PS dank 1,6-Liter-Turbo gibt er sich alles andere als bescheiden. Da wird das optionale Performance- Paket für 3300 Franken schon fast zur Pflicht – 18-Zoll-Felgen mit Michelin-Sportreifen, verstärkte Bremsanlage von Brembo und eine mechanische Sperre an der Vorderachse. Auf zur Kurvenhatz!

Scharf und schärfer

Auf den ersten Metern muss der Corsa erstmal klein beigeben. Denn der Mini rollt mit optionalem Automatikgetriebe für die erste Testrunde an den Start. Das macht ihn im Sprint nochmals zwei Zehntel schneller, nur 6,1 Sekunden vergehen bis 100 km/h. Der Sechsgänger ist ein konventioneller Wandlerautomat. Das mag in diesem Umfeld nicht besonders sexy wirken, erfüllt seinen Zweck aber einwandfrei. Für flotte Kurvenstrecken empfiehlt sich der manuelle Modus. Er schaltet schnell und sauber hoch und mit etwas gar dezenten Zwischengasstösschen wieder runter. Für Puristen dürfte die Handschaltung im kleinen Sportler aber erste Wahl bleiben. Der Corsa bietet in dieser Hinsicht nur eine Option: Manuelle Sechsgangschaltung. Die Schaltwege sind kurz und knackig und die Pedalen liegen eng beieinander, was sportliches Herunterschalten mit Zwischengas erleichtert. Es sind eben die Details, in denen man wahre Sportler erkennt. Deren zwei trüben das Erlebnis allerdings auch ein wenig: Zwischen zweitem und drittem Gang dürfte der Schalthebel etwas exakter geführt sein. Der Schaltknauf an sich liegt ebenfalls nicht ganz optimal in der Hand.

Kleinigkeiten, an die man sich schnell gewöhnt hat. Was wirklich zählt in den kleinen Spassmaschinen, ist doch eh nur die nächste Kurve. Beim Anbremsen beissen beide kräftig zu. Das überrascht beim Corsa noch mehr als beim Mini, denn das Bremspedal fühlt sich anfänglich etwas gar weich an. Welche Kraft es aber in sich birgt, lernt man schnell. Empfindet man die Lenkung des kleinen Blitzes anfänglich noch als fast schon nervös, so schätzt man sie bereits in der ersten Biegung als extrem direkt. Schon ab dem ersten Millimeter Lenkeinschlag scheint sie den blauen Renner förmlich in die Kurve zu reissen. Unterstützt man mit beherztem Einlenken auch per Bremse, so schwingt der Corsa sein Heck leichtfüssig um die Kurve. Dann sind zwar wache Reflexe gefragt, doch genau so gehört sich das für einen kompromisslos sportlichen Fronttriebler. Reicht das, um der Legende Paroli zu bieten? Es reicht, denn der Mini folgt einem anderen Konzept.

Er ist nicht auf die letzte Hundertstelssekunde aus, dafür folgt vermutlich wie beim Vorgänger eine GP-Variante. Natürlich wedelt auch er scharf um die Kurven, das haben sie ja schon serienmässig im Mini angelegt. Doch im direkten Vergleich gibt er viel eher den erwachsenen Grantourismo, der bei Bedarf auch die Zähne zeigen kann. Ein dreistufiger Fahrmodus-Schalter macht ihn entweder einigermassen vernünftig oder sportlich hart und kurvengierig. Die Lenkung spricht um die Mittellage ebenfalls sehr direkt an, setzt dies aber nicht ganz so konsequent fort wie der OPC, was dafür den Geradeauslauf auf der Autobahn verbessert. Und auch beim Fahrwerk geht er weniger radikal zu Werke. Natürlich, auch er erlaubt kaum Seitenneigung, baut aber aufgrund der schmaleren und alltagstauglicheren Reifen weniger Grip auf, zeigt sein Limit aber auch zahmer an. Komfortabler und ruhiger, sicherer und erwachsener. Ausgerechnet der Mini.

Passend statt schnell

Während der Corsa OPC eher die nimmersatte Sportskanone spielt, die den Fahrer ständig herausfordert, ist der Mini eher ein Fall für genüssliche Sportfahrer. Er verleitet nicht, das Limit auszuloten; er fordert dazu auf, den Vortrieb zu geniessen. Was völlig in Ordnung geht, weil das Konzept wunderbar konsequent umgesetzt wurde. Die optionale Automatik passt dazu genauso, wie der Zweiliter-Turbo, der vor allem mit sattem Schub aus dem Drehzahlkeller verwöhnt. Damit man seine 320 Nm ungestört nutzen kann, spendiert Mini dem JCW ein elektronisches Sperrdifferenzial, das Antriebseinflüsse in der Lenkung fast gänzlich eliminiert und für gute Traktion sorgt. Die mechanische Sperre im Corsa wirkt deutlich rauer. Auch hier klar verteilte Rollen.

Volkssport oder Adelsspielzeug?

Das Preis-/Leistungsverhältnis ist zweifellos bei beiden gut, doch günstig sind sie deswegen nicht. Beim Corsa OPC beginnt der Spass bei 30 450 Franken, hinzu kommen 3300 Franken für das eigentlich unverzichtbare Performance-Paket. Beim Mini John Cooper Works steigt man ab 37 900 Franken ein; wer automatisch schalten lassen will, legt nochmal 2200 Franken drauf. Viel Geld für einen Kleinwagen, aber noch angemessen für den hohen Fahrspass, den beide auf ihre Art bieten. Schliesslich haben auch kleine Delikatessen ihren Preis. Ob Frankfurter oder Weisswurst, das bleibt eine reine Geschmackssache.

Opel Corsa OPC R4-Turbobenziner

Preis ab 30'450 Fr.
Hubraum 1598 cm3
Leistung 152 kW/207 PS
Drehmoment 245 Nm bei 1900/min
Getriebe/Antrieb 6-Gang manuell, Vorderrad
0 bis 100 km/h 6,8 s
Spitze 230 km/h
Norm-Mix 7,5 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 174 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4021/1746/1479 mm
Leergewicht 1293 kg
Ladevolumen 285 bis 1090 l

Philip Aeberli sagt:

"Die beiden Neulinge beweisen, dass kompakte Sportler inzwischen weit mehr sind als blosse Ausstattungsvarianten. Beide muss man auf ihre Art als Sportgeräte ernst nehmen: Der Mini ist das Strassenauto; einer rasanten Pässefahrt nie abgeneigt, im Alltag aber ohne Zicken zu nutzen. Der Corsa OPC fordert mehr Toleranz von seinem Eigner, zielt dafür aber deutlicher in Richtung Rennstrecke. Eine Wahlqual."

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22 Jul 2015