Lamborghini Aventador

JENSEITS DES UNIVERSUMS

Lamborghini selbst bezeichnet ihn als «reinste Essenz». Dahinter steckt ein auf 600 Einheiten limitierter Testosteron- Bolide – ein Männertraum und das stärkste und schnellste Modell der Marke aller Zeiten.

Herzrasen. Gänsehaut. Wer Benzin im Blut hat, den lässt so ein Auto nicht unberührt. Ein fahrender Superlativ. Das stärkste und schnellste Modell, das je in Sant’Agata Bolognese gefertigt wurde, zumindest als Serienfahrzeug mit Strassenzulassung: Aventador LP 750-4 Superveloce. Das LP steht für den längs eingebauten 6,5-Liter-V12-Mittelmotor. Die 750 – man wird es ahnen – gibt den Hinweis auf die Leistung, «4» bedeutet Allradantrieb. Und dann das Wort «Superveloce» (superschnell). Lambo-Freaks sagen nur kurz SV. Das Kürzel gilt als so eine Art Ritterschlag für einige wenige High-Performance-Lamborghini. Schon 1971 gab es einen Miura SV. Dann einen Diabolo SV; später einen Murciélago SV. Und nun das Topmodell Aventador SV.

Böser, böser Lambo

Rein optisch könnte dieses Auto auch die Hauptrolle in einem Science-Fiction-Film spielen. Aber eine gewisse Grundaggressivität schon im Stand braucht es wohl in diesem Segment. Der Superveloce schaut nicht gerade sozialverträglich aus. Sagen wir es so: Es gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und exhibitionistische Veranlagung dazu, vor Publikum aus solch einem Gefährt auszusteigen. Öko- Aktivisten würden diesem Rambo- Lambo vermutlich am liebsten die Reifen zerstechen. Zur Beruhigung sei gesagt: Mehr als 600 Exemplare wird es davon auf der Welt nicht geben. Über die Hälfte ist bereits verkauft – zum Stückpreis von rund 410 000 Franken. Wer jetzt einen Superveloce ordert, hat ihn nicht vor Herbst 2016 in der Garage stehen.

Dort dürften ohnehin die meisten ihr Dasein fristen. Sammler fahren wenig. Doch wenn man ihn einmal hervorholt, wird es zu einem unvergesslichen Erlebnis, das mit dem gewöhnlichen Gebrauch eines Autos nichts mehr gemeinsam hat. Vielleicht auch ein Grund, warum Lamborghini den Superveloce auf einer Rennstrecke präsentiert, genauer: auf dem Formel-1-Kurs in Barcelona. Denn bis auf die Höchstgeschwindigkeit – auf der Start- und Ziel- Geraden gehen nur kurzzeitig knapp 300 km/h – lässt sich hier das Potenzial des Leichtbau-Lambos am besten ausloten.

Schon die Werksdaten sprengen die Vorstellungskraft eines «normalen» Mittelklassekombi- Fahrers. 2,8 Sekunden von null auf 100 km/h. Nach 8,6 Sekunden sind 200, nach 24 Sekunden schon 300 km/h erreicht. Aus 100 km/h steht der SV nach nur 30 Metern, ein Spitzenwert. Als Höchsttempo werden «über 350 km/h» angegeben, und die Nordschleife des Nürburgrings umrundet die italienische Flunder in 6:59 Minuten. Kenner der Szene wissen, was dies heisst: Ein Porsche 918 Spyder ist zwar zwei Sekunden schneller. Doch Lamborghini hatte, wie Entwicklungschef Maurizio Reggiani erzählt, «nur ein einziges Mal» die Möglichkeit der Zeitnahme gehabt. Ein Volltreffer im ersten Anlauf also.

Es ist schier unglaublich, wie verdammt schnell und präzise sich Lamborghinis Topmodell um den Kurs treiben lässt. Selbst bis weit in den Grenzbereich hinein bleibt der Bolide gutmütig und kündigt seine Reaktionen brav an. Und nicht zuletzt liefert der kernige Sound des V12 Adrenalin bis ins Knochenmark, besonders bei Drehzahlen um die 7000/min. Mehr Rennfeeling ist mit einem Strassenauto kaum zu erreichen.

Das soll dem Kunden natürlich auch im Stand demonstriert werden. Im Superveloce hat man das Hightech-Material Karbon an Türen, Einstieg und Mittelkonsole sichtbar gemacht. Teppiche fehlen, die Dämmung zum Teil ebenfalls. Auch die übliche Navigationseinheit ist nicht an Bord. «Kostet Gewicht», schmunzelt Maurizio Reggiani auf Nachfrage. Und auf Rundstrecken findet man den Weg auch ohne. Doch wer unbedingt will, so der Chefentwickler, kann sich das Teil einbauen lassen – selbstverständlich ohne Mehrpreis.

Lamborghini Aventador LP 750-4 Superveloce V12-Benziner

Preis ab 410'000 Fr. (netto)
Hubraum 6498 cm3
Leistung 552 kW/750 PS
Drehmoment 690 Nm bei 5500/min
Getriebe/Antrieb 7-Gang, automatisiertes Schaltgetriebe, Allradantrieb
0 bis 100 km/h 2,8 s
0 bis 200 km/h 8,6 s
0 bis 300 km/h 24,0 s
Spitze über 350 km/h
Leistungsgewicht 2,03 kg/PS
Norm-Mix 16,0 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 370 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4835/2030/1136 mm
Leergewicht ab 1525 kg
Gewichtsverteilung v/h 43:57 Prozent
Ladevolumen unwesentlich

Michael Specht sagt:

"Welch ein Erlebnis! Wie sich der Über-Aventador über die Rennstrecke treiben lässt, wird man nie vergessen, wenn man einmal die Gelegenheit dazu hatte. Zumal er dort am besten aufgehoben scheint, weil er kompromisslos auf maximale Performance ausgelegt wurde. Allerdings erfordert er eine gewisse Charakterfestigkeit – man muss die Reaktionen auf dieses Auto auch ertragen können."

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07 Aug 2015