Mercedes V 250

GEH DOCH SPIELEN!

Mit einer allradgetriebenen V-Klasse unterwegs in einem portugiesischen Sandkasten. Und wie man dort wieder herauskommt.

Auf den ersten Kilometern ist ja noch alles wie immer. Seit der Neulancierung im letzten Jahr fährt sich solch eine achtplätzige V-Klasse ja quasi wie eine normale Mercedes- Limousine. Gasgeben, der 2,1-Liter-Turbodiesel tritt an, die Siebenstufen-Automatik klickt durch die Gänge. Man meint ihn ein wenig zu spüren, den optionalen Allradantrieb des V 250 mit Allradantrieb. Ein wenig schaukeliger scheint das Auto auszufedern; das mag am Mehrgewicht von genau 200 Kilogramm durch die zusätzliche Antriebsmimik für die Vorderachse liegen. Oder an den Strassen entlang der Atlantikküste südlich von Lissabon, deren sandiger Untergrund den Strassenlängsschnitt zur Sinuskurve aufwölben lässt. Rauf und runter und manchmal federt der V gerade dann ein, wenn er den Scheitel einer Welle erklimmt und dann rummst es gehörig.

Aber eben – es fährt, und das komfortabel. Bis unser Instruktor im führenden Fahrzeug der Kolonne unvermittelt nach rechts abbiegt, auf einen Feldweg, der schnurgerade in ein Pinienwäldchen führt. Was der Unimog mit XXL-Stollenpneu und fetten Winden an Front und Heck soll, der an der Einmündung wartet? Keine Ahnung. Aber aus dem Schotterweg wird nach wenigen Dutzend Metern ein ebenso schnurgerader Sandkasten, der sich auf und ab durch die Dünen zieht.

«Nicht bremsen, rollen lassen und raus aus den Furchen des Vordermanns.» Hat gut reden, die Instruktorenstimme im Funkgerät, die noch ein paar letzte Tipps ins Cockpit ruft. Würde man ja gerne. Aber dann hält der Vordermann auf dem Scheitel der nächsten Düne und wir müssen eben doch bremsen und plötzlich ist richtig viel Gas nötig, um den Benz sich aus dem Sand ausgraben zu lassen. Er ruckt an, die Elektronik regelt und schon zerrt die Vorderachse uns auf die Kuppe. Offroad-Parcours, oder was?

So etwas ähnliches. Weil jeder Fahrer jetzt begriffen hat, dass Tempo die allerbeste Methode ist zum Weiterkommen im tiefen Sand, gehen wir die nächsten Dünen eher im Dakar- als im Schleichgang an.

Neben dem Topdiesel im VProgramm liessen sich auch die schwächeren Versionen gleichen Hubraums, aber mit nur 136 oder 163 PS, mit dem Allradantrieb ausrüsten. Gegenüber dem Vorgänger baut der 4x4 deutlich flacher; damit steht die V-Klasse eben auch nicht mehr so hochbeinig- staksig auf den Rädern. Bei nur 1,88 Metern Gesamthöhe passt sie ausserdem ohne Fahrerzittern und Nachmessen in die allermeisten Parkhäuser – endlich.

Bergab schieben Allradler ja meist tüchtig über die Vorderräder und das wäre auf Asphalt auch bei der V-Klasse so – zumal das höhere Gewicht von PW-gewohnten Fahrern mehr und früheren Einsatz auf der Bremse braucht. Diesmal erledigt das aber der tiefe Sand; zum Ende der Gefälle ist sogar ein Gasstoss nötig, um die Fuhre am Rollen zu halten. Nach gut 15 Kilometern rollen wir auf einem Schotterfeld aus. Den seltsamen Unimog hat niemand bemühen müssen. Gar nicht übel für solch einen Kleinbus.

Mercedes V 250 d 4Matic Turbodiesel

Preis ab 65'880 Fr.
Hubraum 2143 cm3
Leistung 140 kW/190 PS
Drehmoment 440 Nm bei 1400–2400/min
Getriebe/Antrieb 7-Stufen-Automatik, Allradantrieb
0 bis 100 km/h 9,1 s
Spitze 206 km/h
Norm-Mix 6,7 l/100 km (Benzinäquivalent 7,5 l/100 km)
CO₂/Effizienzkat. 177 g/km CO2
Länge/Breite/Höhe 4895/1928/1880 mm (Langversion: 5140 mm)
Leergewicht 2320 kg
Ladevolumen 610 l (Langversion: 1030 l)

Erstaunlich, wo man mit einer 4x4-V-Klasse noch durchkommt.

03 Aug 2015