BMW 750Li xDrive

GRIFF NACH DEN STERNEN

Der 7er ist der Vorreiter bei BMW und soll das in der sechsten Generation bleiben. Er setzt nicht nur hausinterne Massstäbe, sondern soll Dauerkonkurrent Mercedes unter Druck setzen.

In der Luxusklasse zeigt man, was man hat. Innovationen sind Trumpf. Beim 7er setzte BMW 1979 erstmals auf elektronische Motorsteuerung, was heute omnipräsent ist. 1991 debütierte das Xenonlicht in der Oberklasselimousine, was mittlerweile selbst den Kompaktwagen den Weg leuchtet. 2001 wurden die Münchner für den neuartigen Dreh-Drück-Knopf für sämtliche Fahrzeugfunktionen kritisiert, heute drehen und drücken wir auch andernorts.

Mit dem neuen 7er ist es also wieder Zeit für grosse Neuerfindungen. Denn: Eine Neuerung reicht längst nicht mehr aus, schliesslich wollen die Münchner mit dem übermächtigen Luxus- Mitbewerber aus Stuttgart mehr als nur mithalten.

Abgespeckt und intelligent

Erst mal hat BMW aber den Gürtel enger geschnallt. Der 7er musste, wie viele andere auch, radikal abspecken. Die Bayern nutzen das mit i3 und i8 erarbeitete Wissen im Umgang mit Karbon und bauen das neue Flaggschiff mit leichtem Material. Die Rohkarosse wird mit Kohlefasereinlagen verstärkt. Nebst konventionellem Stahl kommen viel Aluminium und stellenweise gar Magnesium zum Einsatz. Galt bisher die Zweitonnenmarke für die üppig ausgestatteten Business-Gleiter als Gesetz, beginnt der Luxus beim 730d schon knapp 150 kg früher. Das soll nicht nur beim Verbrauch – BMW rechnet mit 4,5 l/100 km für den Einstiegsdiesel –, sondern selbst die von BMW hochgelobte Freude am Fahren unterstützen.

Natürlich kann man den Grossen dank intelligentem Wankausgleich und verstellbarer Luftfederung flott bewegen. Nur die Lenkung dürfte im Sportmodus etwas weniger leichtgängig sein. Sei’s drum, die wahre Domäne des 7ers ist das gediegene Gleiten, wo der Bayer vor allem mit sehr tiefem Geräuschpegel glänzt. Vorzugsweise geniesst man den hinten rechts in der Langversion. Reichlich Platz, elektrische Sitze, Unterhaltungssystem und ein Tabletcomputer für die volle Kontrolle. Schliesslich soll es dem VIP im Fond an nichts fehlen. Bei Mercedes geht das Verwöhnprogramm bis hin zur Hot-Stone- Massage. Auf die verzichtet BMW bewusst, es muss schon eine eigene Erfindung her. Die nennt sich active Work-out, ein kleines Fitnessprogramm, das den Reisenden durch Fitnessübungen fit halten soll. Wie viele Führungskräfte wohl mit Freude ihren Rücken in die Sitzlehne drücken, um Sterne zu verdienen?

Freude am Selbstfahren

Der 7er möchte aber mehr sein als nur ein Arbeitsgerät für die Führungsetage. Er soll vielmehr zum Selbstfahren am Wochenende einladen. Dabei geht es nicht primär um die reine Freude am Fahren, auch wenn der souveräne V8 Bi-Turbo mit 450 PS gute Anlagen dafür mitbringt. Es zählt vor allem die Freude am Erfahren der Technologie. Radartempomat und automatische Spurhaltefunktion gehören in dieser Klasse schon fast zum Normalpogramm, mit dem sich ein Luxusverwöhnter kaum mehr beeindrucken lässt. Da kann das aufpreispflichtige Laserlicht schon eher punkten.

Völlig neue Wege geht BMW bei der Bedienung. Neu lässt sich das in den Grundzügen bekannte System auch per Touchscreen oder per Gesten steuern. Mit dem Finger in der Luft kreisen, und die Musik wird leiser. Mit zwei Fingern ziehen und die Rundumkamera kann aufwendig und beeindruckend 3-D-animiert ums Auto fliegen. Wer das als Spielerei abtut, steuert konventionell per Drehknopf oder per Spracheingabe. BMW hat aus der Vergangenheit gelernt. Man zwingt dem Kunden die neuen Möglichkeiten nicht auf, man bietet sie nur an.

Wie beim Schlüssel, der auf Wunsch mit Touchscreen ausgeliefert wird. Das Teil mutiert zwar vom handlichen Schlüssel zur ausgewachsenen Fernbedienung, hat dafür aber einiges auf dem Kasten. Es kann nicht nur eine Flut an Informationen über das Fahrzeug anzeigen, sondern, den richtigen Haken in der Aufpreisliste vorausgesetzt, den 7er per Fernbedienung einparken. Neben dem Auto stehen und den Wagen mit laufendem Motor selbstständig ein- oder ausparken lassen – besser lässt sich ab Ende Oktober wohl kaum zeigen, was man hat.

BMW 750Li xDrive V8-Bi-Turbo

Preis ab ab 140'700 Fr.
Hubraum 4,4 Liter
Leistung 330 kW/450 PS
Drehmoment 650 Nm
Getriebe/Antrieb 8-Stufen-Automatik, Allradantrieb
0 bis 100 km/h 4,5 s
Spitze 250 km/h
Norm-Mix Ø 8,1 l/100 km
CO₂/Effizienzkat. 192 g/km CO2
Energie-Effizienz F
Leergewicht 1990 kg
Ladevolumen 515 l

Philipp Aeberli sagt:

"Ein überaus intelligentes Auto, der 7er. In den klassischen Tugenden einer Luxuslimousine glänzt er durchwegs. Neue Leichtbautechnologien dürfen als echte Innovation gesehen werden. Bei der Bedienung bleibt sich BMW mit dem iDrive System treu und ergänzt es mit Neuem wie Touchscreen und Gestensteuerung. Die funktioniert zwar einwandfrei, ob er die Spielerei auch nutzt, entscheidet aber der Fahrer."

19 Okt 2015