Kia Niro

Öko-Raumfahrt

An Kia geht das ökonomische Zeitalter nicht vorbei. Auf der technischen Basis von Konzernbruder Hyundai Ionic realisieren die Koreaner mit dem Niro einen geräumigen Hybrid-Gleiter mit Komplettausstattung.

Kia positioniert seinen 4,36 Meter langen und 1,55 Meter hohen Hybrid Niro exakt zwischen dem kompakten Cee’d und dem SUV Sportage. Allerdings steht der sehr gelungene Sportage dem Niro in Sachen Design etwas vor der Sonne. So ist die «Tigernase» in eine billig wirkende schwarze Umrandung gepackt und das Heck etwas einfallslos geraten. Das macht den Niro mehr zur Vernunftsentscheidung, denn er bietet auf kleinem Grundriss ungewöhnlich viel Lebensraum, ohne dem ökologischen Anspruch unanständig viel Stirnfäche entgegenzuhalten.
Zum ausgezeichneten Raumgefühl tragen zudem das schlichte, gradlinige, aber leider wenig Pfiff verströmende Cockpit sowie die trotz hoher Gürtellinie grosszügigen Scheiben ächen bei. Im Fond finden Grossgewachsene viel Kopf- und Beinfreiheit. Das Lithium-Ionen-Batteriepaket sitzt unauffällig unter der Rücksitzbank. Der fast ebene Kofferraum lässt sich dank asymmetrisch umlegbarer Rückbank von 427 auf ausreichende 1425 Liter vergrössern.

Viel Hightech fürs Geld

Der 105 PS starke 1,6-Liter-Benziner liefert im Verbund mit dem 32 kW (44 PS) leistenden, am Getriebe sitzenden Elektromotor eine Systemleistung von 141 PS über ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder – ganz ohne Gummibandeffekt. Allrad ist nicht geplant, ein Plug-in Hybrid kommt 2017.
Mit seinen 1566 Kilogramm Leergewicht hat der Hybridantrieb in Sachen Vorwärtsschub keine Probleme. Werden jedoch alle fünf Plätze und der Laderaum genutzt, dürfte schnell der Wunsch nach mehr Leistung entstehen, erst recht in den Schweizer Bergen, wo auch die 3,8 Liter Normverbrauch schnell Makulatur sind.
Ist die Sparfahrt im Navi einprogrammiert, wird sie vom ÖkoInformationssystem mit Tipps darin unterstützt, wann in welchem Tempo gefahren und gebremst werden soll, weil Steigungen, Gefälle oder Kreuzungen vorhergesehen werden. Ein Fahrstil-Feedback sagt, ob man ökologisch, normal oder aggressiv unterwegs war. Wir haben es übrigens dank beherzter Fahrweise im Sport-Modus auf einen Split von 15/30/55 Prozent gebracht. Schliesslich sollten die Grenzen des Fahrwerks ausgelotet werden. Dass dieses komfortabel und fahrsicher, aber wenig sportlich ausgelegt ist, dürfte keine Überraschung sein. Ambitionierte Kurvenfresser kommen als Niro Kunden sowieso kaum infrage.

Alles Inklusive

Allen anderen bietet er enorm viel Auto. In der Schweiz gibt es ab Ende September nur den Style, der für 36'400 Franken voll ausgestattet ist, beispielsweise mit Querpark-, Totwinkel und Notbremsassistent mit Fussgängererkennung, Glasschiebedach, Bi-Xenon-Scheinwerfern, 8-Zoll-Navi, Rückfahrkamera, 320-Watt-Soundsystem mit acht Lautsprechern oder sieben Jahren Garantiepaket inklusive Batterien und Navi-Update. Optional sind nur die Metallisé-Farbe und 18-Zoll-Felgen. Später folgt ein Anhängerpaket bis 1300 kg Zuglast. Die Frage bleibt, ob sich der vernünftige und emotionslose Niro etabliert. Möglicherweise will er zu viel auf einmal und setzt sich zwischen die Stühle. Aber Hybridfahrer ticken bekanntlich anders.

Stefan Fritschi sagt: «Der Kia Niro ist ein geräumiger, preisgünstiger und top ausgestatteter Hybrid. Einzig die Formsprache und Fahrdynamik sind etwas emotionslos. »

Bilder: Kia

Technische Daten

Preis ab 36'400 Franken
Hubraum 1580 cm3
Leistung 104 kW/141 PS
Drehmoment 265 Nm bei 1000-2400/ min
Getriebe/Antrieb 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe, Vorderrad
0 bis 100 km/h 3,8 l/100 km
Spitze 162 km/h
Norm-Mix 3,8 l/100 km
CO₂ Emissionen 88 g/km CO2
Energieeffizienz A
Länge/Breite/Höhe 4355/1805/1534 mm
Leergewicht 1566
Ladevolumen 427 bis 1425 l
20 Aug 2016