Klimavorstoss

FDP-Politiker fordert einheitliche Klimaziele

FDP-Politiker Damian Müller fordert in einem Vorstoss, dass auch Nischenhersteller die CO2-Grenze von 95 Gramm pro Kilometer einhalten.

Veröffentlicht am 06.05.2020

Die Schweiz hat punkto Klimaziele für Neuwagen die EU-Regelung übernommen. Doch die EU behandelt Nischenhersteller nicht gleich wie Volumenhersteller. Im Sinne einer Schutzklausel für kleinere Hersteller hat die EU für Produzenten und Importeure mit weniger als 10'000 verkauften Autos pro Jahr eine Ausnahmeregelung vorgesehen – selbst wenn dabei der CO2-Grenzwert um ein Vielfaches höher liegt als die normalen Grenzwerte. Zu den Nischenherstellern gehören natürlich Luxussportwagen-Hersteller und Oberklasse-Hersteller wie beispielsweise Ferrari, Maserati oder Aston Martin – aber auch Hersteller im preissensiblen Markt wie Suzuki und Subaru!

Gleiches Recht für alle?

Um Sonderregelungen zu vermeiden, hat die Schweiz die CO2-Grenzwerte direkt von der EU übernommen. Dass ausgerechnet ein FDP-Politiker damit Schluss machen will, ist doch verwunderlich. Ebenfalls mag aus Schweizer Sicht verwundern, dass die hierzulande omnipräsenten Japaner Suzuki und Subaru als Nischenhersteller gelten, doch ennet der Schweizer Grenze schwindet das Interesse an den Allradspezialisten stark.

Der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller fordert nun eine Vereinheitlichung des Grenzwerts für sämtliche importierte Marken und übersieht dabei, dass er nicht gleiches Recht für alle, sondern das Gegenteil davon erreicht. Denn Grosskonzerne können sich eine Kompensationszahlung mit einem starken E-Auto-Partner leisten, so praktiziert es etwa FCA mit Tesla. Oder aber sie gleichen sich innerhalb des gesamten Modellspektrums mit viel Aufwand aus, um auf eine ausgewogene Bilanz hinzuarbeiten. Als bestes Beispiel sei hier der Volkswagen-Konzern mit seiner Elektrifizierungsstrategie genannt, der gleichzeitig auch Marken wie Bentley oder Lamborghini unter demselben Dach fahren lässt. Diese Möglichkeit ist den kleinen Spezialisten verwehrt.

Es drohen hohe Bussen

Sollte Müllers Vorstoss umgesetzt werden, würde das weitreichende finanzielle Folgen haben. Aufgrund des hohen CO2-Ausstosses würde der Preisaufschlag für einen Luxus-Sportwagen rund 15'000 Franken betragen. Diesen müsste der Importeur entweder auf den Kunden abwälzen oder aber eine Emissionsgemeinschaft mit einem anderen Importeur gründen, der viele Elektrofahrzeuge einführt, um die Flotte auf ein CO2-konformes Niveau zu bringen. Der Partner-Importeur müsste dann aber auch entschädigt werden. Im obersten Preissegment mögen solche Spielereien womöglich dank der sehr zahlungskräftigen Klientel noch funktionieren, doch für die Schweizer Importeure von Suzuki und Subaru würde das unter Umständen das wirtschaftliche Ende bedeuten.

Kein Augenmass

Was der Vorstoss ebenfalls völlig ausser Acht lässt, ist die Tatsache, dass die «CO2-Schleudern» nicht nur eine sehr geringe Stückzahl aufweisen, sondern obendrein auch nur selten bewegt werden. Die paar Tausend Supersport- und Luxuswagen, die wenige Kilometer im Jahr zurücklegen, belasten das Klima unter dem Strich weniger als ein Auto, das den Grenzwert von 95 Gramm zwar einhält, aber zu Zehntausenden tagtäglich auf den Strassen verkehrt.

Diversität fördern statt behindern

Es sind eben nicht nur vermeintliche Luxusmarken – dank besserer Margen übrigens oft auch selbst Leistungs- und Versuchsträger für neue Technologien welche später Widerhall in der Grossserie finden – welche in einem Nischenmarkt operieren. Und eine liberale, wirtschaftsfreundliche Politik sollte die Diversität fördern, nicht behindern. Dass ausgerechnet aus der Wirtschaftsfraktion ein FDP-Ständerat eine solche Motion einreicht, befremdet deshalb umso mehr und zeugt von Kurzsichtigkeit und einem aktionistischen Profilierungsbedürfnis.

Text: Martin Sigrist / Koray Adigüzel

Bilder: Damian Müller / Hersteller

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