Stromer und doch Benziner?

Ausblick Alpine A110

Die Zukunft der Alpine A110 schien eigentlich längst entschieden. Die nächste Generation des französischen Kultsportwagens sollte rein elektrisch werden – so die offizielle Linie aus Dieppe. Doch ganz so klar ist die Sache nun nicht mehr. Denn die neue Plattform der kommenden A110 kann auch Benzin.

Veröffentlicht am 14.03.2026

Die beste Nachricht für Puristen kam kürzlich von Alpine-Chef Philippe Krief persönlich: «Ja, die Plattform wurde so entworfen, dass auch ein Verbrennungsmotor hineinpasst.» Eine kleine Aussage mit grosser Sprengkraft. Denn sie lässt eine Hintertür offen – für den Fall, dass sich die Franzosen doch noch nicht vollständig vom Benzin verabschieden wollen.

Aber bleiben wir vorerst auf dem Boden der Realität. Und die steht unter Strom. Technologisches Herzstück der nächsten Sportwagen-Generation ist die neu entwickelte Alpine Performance Platform (APP). Die modulare Aluminiumarchitektur wurde primär für leichte Elektro-Sportwagen entwickelt. Moderne Klebe- und Niettechnologien sorgen für hohe strukturelle Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht. Denn ein Grundsatz gilt bei Alpine seit den Tagen von Jean Rédélé: Ein Sportwagen muss vor allem leicht sein.

Balance wie beim Klassiker

Trotz Batterie soll die neue A110 ihre typische Balance behalten. Zwei Batteriemodule werden tief in die Struktur integriert, um den Schwerpunkt niedrig zu halten. Ziel ist eine Gewichtsverteilung von rund 40 zu 60 zwischen Vorder- und Hinterachse – ein Layout, das an klassische Mittelmotor-Sportwagen erinnert.

Gleichzeitig bleibt die Silhouette kompakt und flach. Auch die Proportionen sollen der aktuellen A110 treu bleiben – ein wichtiges Detail, denn gerade diese Leichtfüssigkeit ist ein zentraler Teil der Alpine-DNA.

Technologisch macht die Marke dabei einen grossen Schritt nach vorne. Erwartet werden Batterien mit 800-Volt-Architektur und Cell-to-Pack-Technologie, was Ladezeiten verkürzen und Gewicht sparen soll. Beim Antrieb setzt Alpine auf mehrere Elektromotoren mit aktivem Torque Vectoring. Das System kann die Kräfte zwischen den Rädern extrem präzise verteilen – schneller, als es jedes mechanische Differenzial könnte.

Elektronisches Gehirn

Eine zentrale Rolle spielt dabei das neue Steuerzentrum der Plattform: das Alpine Dynamic Management. Dieses elektronische Nervensystem koordiniert praktisch alle fahrdynamischen Funktionen – vom Batteriemanagement über Motorsteuerung bis hin zu Bremsen, Lenkung und aktiver Aerodynamik. Das Ziel ist klar: Trotz Elektrifizierung soll sich die neue A110 so leichtfüssig und präzise anfühlen wie ihre Vorgängerin.

Auch im Cockpit rückt der Fahrer wieder ins Zentrum. Die Sitzposition orientiert sich stark am Motorsport: tief, kompakt und mit einem beinahe vertikal stehenden Lenkrad – fast wie im Formelwagen.

Erfolg verpflichtet

Dass Alpine diesen Aufwand betreibt, hat einen guten Grund. Seit ihrer Wiedergeburt im Jahr 2017 entwickelte sich die aktuelle A110 zu einem der beliebtesten puristischen Sportwagen Europas. Leicht, analog, fahraktiv – ein Gegenentwurf zu immer schwereren Hochleistungsmaschinen.

Die kommende Generation soll diese DNA bewahren – auch im Elektrozeitalter. Gleichzeitig plant Alpine eine deutlich breitere Modellpalette. Neben dem klassischen Coupé könnten künftig auch ein offener Spider sowie eine 2+2-Version folgen.

Produziert wird die neue A110 weiterhin dort, wo schon die Legende entstand: in der Manufacture Alpine Dieppe Jean Rédélé in der Normandie. Das Werk gilt als Herz der Marke – und verbindet Vergangenheit und Zukunft. 

Und doch bleibt eine spannende Frage offen. Denn falls die Welt der Sportwagen noch nicht ganz bereit ist, den Klang eines Motors aufzugeben, könnte unter der Haube der nächsten A110 eines Tages wieder etwas anderes arbeiten als nur Elektromagnete. Die Plattform wäre bereit. 

Bilder: Alpine

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