Test Drive

Porsche Taycan Turbo GT: Elektrorasierer

Mit dem neuen Taycan reagiert Porsche auf den Leistungsdruck bei den Elektroautos. Porsche will mit dem Taycan Turbo GT den Gipfel der Elektromobilität erklimmen.

Veröffentlicht am 04.07.2024

Elektrofahrzeuge beeindrucken mit ihrer Leistung und technischen Innovationen. Vielen Enthusiasten fehlen jedoch die Emotionen, der Klang und das mechanische Feedback traditioneller Verbrennungsmotoren. Während einige Hersteller wie Hyundai mit dem Ioniq 5 N und Abarth mit dem 500e versuchen, diese Lücke zu füllen, bleibt die breite Akzeptanz solcher Lösungen fraglich. Ein Sound macht noch keinen Rennwagen. Doch Rennwagen kämpfen gegen die Uhr – und die lügt bekanntlich nie. 

Elektro-Turbo?

Ein Elektroauto, das Turbo heisst? Klingt komisch, ist aber so, wie schon Peter Lustig sagte. Lustig ist auch die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 2,2 Sekunden. Mit einer Durchzugskraft, die den Nacken trainiert, übertrifft der Turbo GT das Tesla Model S Plaid in Sachen Intensität, Fahrgefühl und Performance. Wenn Porsche schon Turbo draufsteht, muss es auch turbomässig abgehen. Die 200-km/h-Schallmauer erreicht der Turbo GT in 6,4 Sekunden und bietet eine maximale Leistung von 815 kW (1108 PS) während der Overboost-Phasen. 

Ein Gang hätte gereicht

Dies wird durch verschiedene Modifikationen am Antriebsstrang ermöglicht, darunter eine neue Elektromaschine hinten und ein verbessertes Zweigang-Hinterachsgetriebe. Ein Gang hätte laut den Porsche-Ingenieuren auch gereicht, aber die Untersetzung verbessert die Beschleunigung enorm.

Präzise Rasur 

Der Turbo GT zeichnet sich besonders durch seine Fähigkeit aus, Kurvenscheitelpunkte mit unnachahmlicher Präzision zu rasieren. Dies wird durch eine optimale Gewichtsverteilung und den niedrigen Masseschwerpunkt erreicht. Der oft erwähnte kalifornische Plaid kommt an dieses Fahrer-Feedback definitiv nicht heran. Auf der Rennstrecke erweist sich der Turbo GT als stiller Killer. Auf der Nordschleife brummte er dem Tesla Plaid ganze 17 Sekunden auf. Beweis? Bitte schön.

Stabilität de Luxe 

In Weissach hat man auch den Ausdruck "Brett" neu definiert. Das Wunderfahrwerk Active Ride Control wurde für die Taycan-Modelle angepasst. Das Resultat ist aussergewöhnliche Stabilität, da es den Fahrzeugaufbau horizontal hält und Nick- sowie Wankbewegungen überkompensiert. Der 2,2-Tonnen-Bomber muss aber auch seine Geschwindigkeiten wieder abbauen können. Hierfür wurden Karbon-Keramik-Bremsen eingesetzt. Auch die Rekuperationstufen wurden so erhöht, dass der Tritt aufs linke Pedal oft gespart werden kann. 

 

Speziell entwickelte P Zero R-Reifen von Pirelli sorgen für optimale Bodenhaftung. Trotz seiner Pfunde vermittelt der Taycan Turbo GT ein beeindruckendes Vertrauen und Neutralität in Kurven, vergleichbar mit traditionellen Sportwagen. Das Bremsgefühl ist exzellent, und der Übergang vom rekuperativen zum mechanischen Bremsen ist Benchmark.

Reichweite von über 500 Kilometer

Obwohl die Einstiegspreise für den Taycan hoch sind (ab 113’900 Franken für die nackige Basisversion), bietet das Fahrzeug eine ordentliche Reichweite von über 500 Kilometern und eine ausgezeichnete Schnellladefähigkeit. Innen wurde der Taycan mit dem Facelift in vielen Bereichen modernisiert. Übersichtlichkeit, Infotainment und Lademanagement wurden deutlich verbessert. Die Nachfrage nach dem Taycan Turbo GT ist hoch. Porsche nennt 400 verkaufte Einheiten alleine in der ersten Woche. 

Fazit: Wer einen Taycan Turbo GT bestellt, erhält eine wahnwitzige Fahrmaschine. Wer einen Taycan Turbo GT bestellt, erhält auch ein hervorragendes Alltagsauto. Und sowieso: Wer sich einen Taycan Turbo GT bestellen kann, hat meistens so viel Kohle im Keller, dass er in seiner Garage noch einen Porsche 911 für die Emotionen stellen kann. Wenn da nicht schon einer steht ...

Text: Redaktion auto-illustrierte 

Bilder: Porsche 

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