

Kleiner Akku, kleiner Preis
Wofür braucht ein Kleinwagen einen grossen Akku? Eben. Der neue Dacia Spring kommt trotzdem bis 250 Kilometer weit. Und kostet weniger als viele kleine Verbrenner. Beim neuen Dacia Spring ist weniger tatsächlich mehr.
800 Volt, 600 Kilometer Reichweite und zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h brauchen nicht alle. Dacia findet: 27,5 kWh, 250 Kilometer und 50 kW Ladeleistung reichen für den Alltag. Weil die Distanz zum Einkaufen, zum Hobby und zur Arbeit meist kürzer ist, als man denkt.

Laut Dacia fahren die meisten Spring-Fahrer gemäss Connected-Daten durchschnittlich 34 Kilometer am Tag – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ebenfalls 34 km/h. Drei Viertel laden zu Hause. Wozu also einen 70-kWh-Akku spazieren fahren?

Dacia belässt es beim neuen Spring bei 27,5 kWh nutzbarer Kapazität. Die LFP-Batterie soll bis zu 250 Kilometer nach WLTP ermöglichen. Der Elektromotor leistet überschaubare 60 kW/80 PS und 175 Nm. Von null auf 100 km/h vergehen 12,1 Sekunden, bei 130 km/h ist Schluss. Der interessante Wert steht woanders: bis zu 12,7 kWh/100 Kilometer WLTP-Verbrauch. Auch beim Laden gibt sich Dacia demonstrativ unspektakulär. Serienmässig sind 6,6 kW AC vorgesehen. An der Haushaltssteckdose dauert der Sprung von 15 auf 80 Prozent neun Stunden. Wer nachts schläft, dürfte damit leben können.
Mehr Auto fürs Geld

Seit 2021 wurden über 210’000 Dacia Spring in mehr als vierzig Ländern verkauft. Jetzt folgt Generation zwei. Ausser dem Namen ist praktisch nichts geblieben. Der neue Spring steht auf der neuen RG-EV-Small-Plattform der Renault Group und läuft im slowenischen Novo Mesto vom Band. Statt eines etwas hochbeinigen elektrischen Bonsai-SUVs steht da ein ziemlich erwachsen wirkender Kleinwagen. Mit 3,85 Metern bleibt er stadtfreundlich, wurde gegenüber seinem Vorgänger aber 15 Zentimeter länger und satte 18 Zentimeter breiter. Dazu kommen kurze Überhänge, kräftige Radkästen und viel schwarzer Kunststoff. Letzterer ist übrigens durchgefärbt. Kratzer auf dem Parkplatz sollen deshalb weniger auffallen.

Beim Innenraum hat Dacia dagegen erstaunlich wenig gespart. Digitales 7-Zoll-Kombiinstrument, Smartphone-Anbindung und Klimaanlage sind vorhanden. In der höheren Journey-Version gibt es einen 10,1-Zoll-Touchscreen samt Navigation, Apple CarPlay und Android Auto.

Vor allem beim Platz macht der Neue einen gewaltigen Sprung. 337 Liter fasst der Kofferraum, bei umgelegter Rückbank sind es 1283 Liter. Optional gibt es vorne sogar einen 18-Liter-Frunk fürs Ladekabel. Für ein Auto mit 3,85 Metern Länge ist das beachtlich.

Typisch Dacia sind die kleinen pragmatischen Lösungen. Die YouClip-Aufnahmen nehmen Getränkehalter, Smartphone-Zubehör, Taschenhaken oder Taschenlampe auf.
Der E-Volkswagen?
Die entscheidende Zahl bleibt deshalb 16’790 Franken. Dafür gibt es den Spring Expression. Der besser ausgestattete Journey kostet 18’790 Franken. Selbst mit dem Schnellladepaket bleibt er deutlich unter 20’000 Franken.

Natürlich sind 250 Kilometer Reichweite wenig, 80 PS keine Offenbarung und 50 kW DC-Ladeleistung alles andere als spektakulär. Wer jeden Freitagabend von Zürich nach Hamburg fährt, sollte sich etwas anderes kaufen. Wer dagegen täglich 34 Kilometer zur Arbeit, zum Einkaufen und zurückfährt, transportiert mit einem riesigen Akku hauptsächlich ungenutzte Kilowattstunden durch die Gegend. Und wer braucht das schon?
Bilder: Dacia


