

VW ist dreifacher Weltmeister
Mit nur 135 PS gleich drei Weltrekorde? Volkswagen zeigt mit dem Mission Efficiency, wie weit man kommen könnte, wenn man vernünftig wäre. 6,89 kWh/100 Kilometer Realverbrauch und ein cW-Wert von 0,158 sind eine Kampfansage.
Weltrekorde funktionieren normalerweise nach dem Prinzip schneller, stärker, weiter. Volkswagen dreht den Spiess um. Der Mission Efficiency stellt gleich drei Weltrekorde auf, indem er von allem möglichst wenig braucht. Wenig Strom, wenig Luftwiderstand und erstaunlich wenig Leistung.

99 kW/135 PS. 54,9 kWh Batterie. Frontantrieb. Das klingt erst einmal so aufregend wie ein elektrischer Rasenmäher. Doch dann kommen die Zahlen: cW 0,158. Idealverbrauch 6,48 kWh/100 Kilometer. Realverbrauch 6,89 kWh/100 Kilometer. Dreimal Weltrekord.
Aerodynamik-Weltrekord

Der Mission Efficiency erreicht einen cW-Wert von 0,158 und setzt damit laut Volkswagen und Rekord-Institut für Deutschland eine neue Bestmarke in der Kategorie seriennaher, alltagstauglicher Viersitzer-Elektrofahrzeuge. Dafür wurde praktisch alles dem Luftstrom untergeordnet: Tropfenform, kleine Stirnfläche von 2,08 Quadratmetern, aktive Kühlluftklappen, verkleidete Hinterräder, vollständig geschlossener Unterboden und versenkte Türgriffe. Selbst die Räder bekamen patentierte Felgendeflektoren. Kein unwichtiges Detail: Laut VW sind Räder für 25 bis 30 Prozent des aerodynamischen Widerstands verantwortlich.

Verbrauchsweltmeister
Noch beeindruckender klingt der Idealverbrauch: 6,48 kWh/100 Kilometer. Allerdings muss man bei Weltrekorden immer das Kleingedruckte lesen. Gefahren wurde konstant mit 68 km/h, ohne Steigungen und mit ausgeschalteten Nebenverbrauchern wie der Klimaanlage.

Doch dann wollte Volkswagen wissen, was davon auf der Strasse übrig bleibt. Der Mission Efficiency fuhr 1278,36 Kilometer vom Entwicklungszentrum in Wolfsburg über Pozna? und Olmütz nach Wien. Durchschnittsgeschwindigkeit: 67,72 km/h. Höchstgeschwindigkeit: 138 km/h. Verbrauch: 6,89 kWh/100 Kilometer ohne Ladeverluste beziehungsweise 7,51 kWh inklusive Ladeverluste.
Kein rollendes Labor

Volkswagen hat nicht einfach ein sündhaft teures Rekordauto mit Mondfahrtechnologie gebaut. Der Mission Efficiency basiert auf dem MEB+ mit Frontantrieb und übernimmt wesentliche Komponenten des kommenden ID. Polo. Selbst die 99 kW/135 PS starke E-Maschine stammt aus der Grossserie. Natürlich wird trotzdem kräftig getrickst. Die Batterie wurde softwareseitig von den serienmässig nutzbaren 52 auf 54,9 kWh freigegeben. Das würde VW bei einem Kundenauto aus Gründen der Haltbarkeit nicht machen.
Der elektrische XL1

Wer bei der Silhouette ein Déjà-vu erlebt, liegt richtig. Volkswagen selbst nennt den legendären XL1 als geistigen Vorfahren. Der 2013 präsentierte Plug-in-Hybrid wurde mit ähnlicher Konsequenz auf minimalen Verbrauch getrimmt.

Und weil man schon beim Sparen war, bekam der Mission Efficiency gleich noch ein Solardach. Photovoltaikmodule mit 370 Watt Leistung sitzen in Glasdach und Heckklappe und versorgen das Bordnetz. Je nach Wetter, Jahreszeit und Region sollen damit bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag drinliegen.

Selbst im Innenraum wird gespart. Eine Bluetooth-Box ersetzt die Stereoanlage, Smartphone oder Tablet übernehmen das Infotainment. Früher hätte man dazu «spartanisch» gesagt, heute heisst es «Bring your own device».
Wann kommt er?
Gar nicht. Der Mission Efficiency besitzt zwar eine EU-Strassenzulassung und erfüllt entsprechende Crash-, Schutz- und Festigkeitsanforderungen. Trotzdem bleibt er ein Konzeptfahrzeug. Volkswagen sagt ausdrücklich, dass das Auto nicht zum Verkauf angeboten wird.
Bilder: Volkswagen


