

Audi GT50: Lehrstück mit Ladedruck
Welches Auto würden Lernende bauen, wenn man sie einfach machen liesse? Vierzehn Auszubildende aus dem Audi-Ausbildungszentrum Neckarsulm haben genau das getan – und innerhalb von sechs Monaten ein Konzeptfahrzeug geschaffen, das gleichzeitig Hommage und Kampfansage ist: das GT50 Concept.
Manchmal kommt die Zukunft nicht aus dem Vorstandsbüro, sondern aus der Lehrwerkstatt. Zum 50-Jahr-Jubiläum des legendären Fünfzylinder-Reihenmotors entwickelten die Auszubildenden ein Einzelstück, das wirkt wie ein Donnerhall aus der Vergangenheit – mit klarer Botschaft für die Gegenwart.

Der Fünfzylinder gehört zu Audi wie die vier Ringe. Während andere Hersteller diese Bauart längst aufgegeben haben, hält Audi seit fünf Jahrzehnten daran fest. Genau hier setzt das GT50 Concept Car an: Es ist eine rollende Hommage an den Audi 90 quattro IMSA GTO und den Audi 200 quattro Trans-Am – jene Fahrzeuge, mit denen Audi Ende der 1980er-Jahre den US-Motorsport aufmischte.

Besonders der Trans-Am-Titel 1988 mit Hurley Haywood am Steuer sorgte für Aufsehen. Der Vorteil des quattro-Allradantriebs war so deutlich, dass die Konkurrenz erfolgreich dafür lobbyierte, Allradantrieb ab der Saison 1989 aus der Serie zu verbannen. Audis Antwort fiel alles andere als leise aus: Der Wechsel in die IMSA-GTO-Klasse folgte prompt – mit dem 90 quattro gewann Audi dort sieben von dreizehn Rennen und festigte seinen Ruf auf amerikanischem Asphalt nachhaltig.

Rennsport-Ästhetik
Optisch übersetzt der GT50 diese Ära konsequent in die Gegenwart. Basis des Concept Cars ist ein RS3, doch davon ist kaum etwas zu sehen. Das Dach stammt vom Audi 80, die Karosserie besteht aus geformten GFK-Teilen, die Kotflügel stehen breit wie in den Achtzigern. Turbofan-Räder, seitliche Auspuffrohre und ein massiver Heckspoiler zitieren kompromisslos den Look von IMSA und Trans-Am. Innen herrscht Rennsport-Reduktion: leergeräumt, roh, mit sichtbarem Überrollkäfig. Kein Lifestyle, kein Alibi-Komfort.

Unter der Haube arbeitet der bekannte 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor mit 394 PS – exakt jener Antrieb, der die Fünfzylinder-Tradition bis heute am Leben hält. In einer zunehmend uniformen Branche wirkt dieses Aggregat wie ein letzter Rebell.

Sechs Monate lang arbeiteten die vierzehn Auszubildenden an diesem Einzelstück – von der Karosserie aus GFK bis zum massgefertigten Überrollkäfig. Der GT50 reiht sich damit in eine Tradition spektakulärer Lehrlingsprojekte ein, zu denen unter anderem die RS6 GTO Studie gehört. Serienreif ist das Konzept nicht. Noch nicht. Doch die Resonanz der Fans ist so gross, dass Audi für 2026 offenbar über eine besonders radikale RS3-Sonderedition nachdenkt.

Bilder: Audi


