Erster Elektro Bentley

Bentley Torcal: Der Elefant im Raum

Bentley präsentiert mit dem Torcal sein erstes Elektroauto – während die Briten ihre Elektrostrategie zurückfahren. Der fast 900 PS starke Luxus-Stromer soll zeigen, ob Bentley-Kunden überhaupt bereit sind für eine Welt ohne Achtzylinder.

Veröffentlicht am 05.10.2026

Eigentlich wollte Bentley bis 2030 komplett auf Strom umgestellt sein. Inzwischen ist davon keine Rede mehr. Plug-in-Hybride bleiben länger, die Elektropläne wurden gestreckt. Und ausgerechnet jetzt kommt der Torcal.

Der Torcal ist kein Bentayga mit Batterie, sondern die vierte eigenständige Bentley-Baureihe neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga. Technisch steht er allerdings auf bekanntem Boden: Unter dem britischen Massanzug steckt die PPE-Architektur, die ebenfalls den Porsche Cayenne Electric trägt. Aber natürlich wäre es kein Bentley, wenn der Torcal nicht bis in die hinterste Naht luxuriös ist. Und motorisiert, als müsste er ein kleines Land abschleppen. Bereits der normale Torcal leistet rund 604 kW/821 PS und 1194 Nm.

Der Torcal S legt mit 653 kW/888 PS und 1350 Nm noch einen drauf. Damit ist er der stärkste Serien-Bentley aller Zeiten. Von null auf 100 km/h geht es mit Launch Control in 2,9 Sekunden. Was bei einem Auto mit knapp 2,8 Tonnen Leergewicht umso spektakulärer ist. Oder mit anderen Worten: Der schnellste Elefant der Welt.

Sir Dynamic 

Bentley bekämpft die Physik mit Technik. Ein vollaktives Fahrwerk kontrolliert jedes Rad einzeln, dazu kommen Hinterachslenkung und auf Wunsch Karbon-Keramikbremsen mit gewaltigen 440-Millimeter-Scheiben vorne. Bentley bezeichnet den Torcal sogar als dynamischsten Viertürer der Markengeschichte.

Technisch beeindruckend ist der Stromer ohnehin. Die 113,2-kWh-Batterie soll für bis zu 600 Kilometer Reichweite reichen. Dank 800-Volt-Technik sind bis zu 400 kW Ladeleistung möglich. Unter Idealbedingungen soll der Akku in rund 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen sein.

Ein fahrendes Orchester

Das vielleicht Verrückteste am Torcal ist aber sein Sound. Bentley wollte dem Elektroauto nicht einfach irgendein synthetisches V8-Gebrüll aus den Lautsprechern verpassen. Stattdessen analysierten die Entwickler den Rhythmus eines Bentley-V8 und liessen Musiker diesen mit echten Instrumenten und Percussion nachspielen. Das Ergebnis nennt sich «Dynamic Symphony». Je stärker man beschleunigt, desto intensiver wird das Konzert. Beim Cruisen herrscht dagegen Ruhe. Wer überhaupt nichts davon hören möchte, kann das Orchester ganz ausschalten.

Detox-Modus

Auch innen verweigert sich Bentley dem Elektro-Klischee. Keine riesige Displaywand, kein Raumschiff-Cockpit, kein Beifahrerbildschirm. Stattdessen Leder, Holz, Metall und Merinowolle – kombiniert mit echten Schaltern und Drehreglern. Besonders sympathisch ist die sogenannte «Digital Detox»-Einstellung im Comfort-Modus. Auf Knopfdruck werden die digitalen Anzeigen auf das Wesentliche reduziert. Und das in einem Elektroauto!

Bild: Bentley

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