

Heiligs Blechle!
Der Papst fährt Mercedes. Und das seit fast 100 Jahren. Was 1930 mit einer luxuriösen Staatslimousine begann, entwickelte sich zum wohl berühmtesten Dienstwagen der Welt: dem Papamobil. Eine Ausstellung im Vatikan zeigt jetzt die himmlische Automobilgeschichte.
Alles begann mit einem Stern. Ein Stern führte die Heiligen Drei Könige nach Bethlehem, wo sie dem neugeborenen Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe überreichten. 1930 Jahre später bekam Papst Pius XI. ebenfalls ein königliches Geschenk: einen Mercedes-Benz Nürburg 460. Mit acht Zylindern, 80 PS und einem Stern auf der Kühlerhaube. Die Pullman-Limousine wurde mit edlen Hölzern, Seidenbrokat und einem eigens angefertigten Thronsessel ausgestattet.

Vom Thronsaal zum Glashaus

In den folgenden Jahrzehnten wurde der päpstliche Fuhrpark immer luxuriöser. 1960 erhielt Johannes XXIII. einen Mercedes-Benz 300 d Pullman-Landaulet mit verlängertem Radstand, elektrisch verstellbarem Papstsitz und automatisch ausfahrenden Trittstufen. 1965 folgte für Paul VI. ein Mercedes-Benz 600 Pullman-Landaulet. Ein Fahrzeug, das damals zur automobilen Königsklasse gehörte. Schliesslich sollte es dem Stellvertreter Gottes auf Erden an nichts fehlen.

Die eigentliche Revolution kam 1980. Für den Deutschlandbesuch von Johannes Paul II. entwickelte Mercedes-Benz auf Basis der damals brandneuen G-Klasse ein völlig neues Papstfahrzeug. Statt hinter getönten Scheiben zu verschwinden, sass der Pontifex nun gut sichtbar unter einer transparenten Kuppel. Perlmuttweisser Lack, goldfarbene Zierelemente, weisses Interieur – der Mercedes 230 G sah aus, als hätte jemand einen Geländewagen für die Fahrt ins Himmelreich vorbereitet.

Damit war das moderne Papamobil geboren. Und die G-Klasse wurde vom robusten Arbeitstier zum rollenden päpstlichen Hochsitz.
Segen mit Stern

Es folgten weitere Spezialanfertigungen. 1997 ein S 500 Landaulet, 2002 ein ML 430 und 2012 ein ML 500. Die Fahrzeuge wurden immer ausgeklügelter, die Glaskuppeln grösser, die Sicherheitsvorkehrungen aufwendiger. Nur eines blieb gleich: Der Papst sass hinten, der Chauffeur vorne. Und der Stern auf der Haube.

Seit 2024 ist sogar der Heilige Geist elektrisch unterwegs. Mercedes-Benz übergab dem Vatikan einen vollelektrischen G 580 als Papamobil. Damit kann der Pontifex seine Runden lokal emissionsfrei drehen. Ob der Strom aus der Steckdose oder von ganz oben kommt, sei dahingestellt.
Himmlische Ausstellung

Unter dem Titel «Mercedes-Benz: A Century of Popemobiles» zeigt der Vatikan nun acht historische Mercedes-Benz-Fahrzeuge aus fast einem Jahrhundert päpstlicher Automobilgeschichte. Vom Nürburg 460 über den majestätischen 600 Pullman bis zu den legendären Papamobilen auf Basis der G- und M-Klasse.

Zwei weitere Fahrzeuge schlagen den Bogen zur allgemeinen Automobilgeschichte: ein Benz Patent-Motorwagen von 1886 und eine aktuelle Mercedes-Benz S-Klasse. Schliesslich feiert Mercedes-Benz 2026 auch 140 Jahre Automobilgeschichte.
Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2027 in einem Glaspavillon nahe der Pinakothek im Vatikan zu sehen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für gläubige Mercedes-Fans. Denn nirgendwo sonst lässt sich so schön beobachten, wie aus einem luxuriösen Dienstwagen ein weltberühmtes Symbol wurde.
Und wer weiss: Vielleicht fährt der nächste Papst eines Tages autonom durch den Petersplatz. Den Segen gibt's dann per Sprachsteuerung. «Hey Mercedes, Urbi et Orbi!»
Bilder: Mercedes-Benz


