Test Citroën C3 Aircross Hybrid 136 ë-DCS6

Das Alpaka

Endlich mal ein Testwagen, der nicht aussieht, als würde er Kindervelos fressen. Der Citroën C3 Aircross wirkt von vorne bis hinten sympathisch, robust und praktisch. Wie ein Alpaka – liebenswürdig und trotzig zugleich.

Veröffentlicht am 21.07.2026

Zuerst mal herzliche Gratulation zum «Best Users’ Car» bei den AUTOBEST Awards 2026, den der Citroën C3 Aircross im Frühling 2026 gewonnen hat. Es wird nicht der letzte Preis sein, den der frische Franzose noch einheimsen wird. Der Citroën C3 Aircross sieht – insbesondere mit dem optional weissen Dach – sehr gelungen aus.

Natürlich kann man sich über die schwulstige Stossstangenlippe vorne lustig machen. Oder das faltige Heck, das je nach Winkel aussieht, als hätte es ein Geländer touchiert. Aber was verstehe ich schon von Design! Bei der Zielgruppe kommt er gut an. «Ach, der ist ja herzig», meinte eine Passantin, als ich den Testwagen fotografierte. «Wie ein Alpaka», fügte sie hinzu. Ein Alpaka? Vielleicht trifft sie damit den Nagel auf den Kopf.

Anti-Stress-Mobil

Alpakas haben nicht nur lustige Frisuren, sondern strahlen auch eine Ruhe aus, die sogar in Therapien eingesetzt wird. Sie wirken stressreduzierend, freundlich und beruhigend. Das macht auch der Citroën C3 Aircross. Er ist Anti-Stress auf vier Rädern. Erstens, weil schnelle Starts nicht drin sind. Bis sich der C3 Aircross Hybrid am Rotlicht zwischen Elektro- und Verbrennerantrieb entschieden hat, vergeht eine «Frère-Jacques»-Gedenksekunde. Dann geht es in rund neun Sekunden von null auf 100 km/h – das passt schon.

Angetrieben wird der Citroën C3 Aircross Hybrid von einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, der zusammen mit einem 21-kW/28-PS-Elektromotor eine Systemleistung von 136 PS liefert. Der Elektromotor sitzt im neuen sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe (ë-DCS6) und erlaubt kurze elektrische Fahrphasen im Stadtverkehr. 

Oui! Non! 

Der Tango zwischen Verbrenner und Elektromotor kann allerdings ganz schön nerven. Vor allem beim Parkieren, wenn der Motor an und aus geht wie Louis de Funès: Oui! Non! Oui! Non! Auch der Parksensor hat eine eigene Meinung, wann der Parkvorgang abgeschlossen ist – und ist dann plötzlich still wie ein Kaninchen. Und genauso hoppeln wir uns in die Parklücke und machen dabei eine wenig galante Figur. Anders als der Designer habe ich es aber noch gemerkt und konnte bremsen. Muss wohl am Bordsystem des Testwagens liegen, das leider ab und zu einen Neustart brauchte – nach dem Neustart. Aber egal. Auch von Alpakas heisst es, dass sie störrisch sind. Und ihren eigenen Willen haben.

Flegelhafter Ausflug

Haben Sie gewusst, dass Alpakas bis zu 56 km/h rennen können? Nicht so schnell wie ein Jaguar (80 km/h) oder ein Mustang (70 km/h), aber schneller als eine Cobra (19 km/h). Der C3 Aircross Hybrid schafft angeblich über 190 km/h. Wie sich das anfühlt, kann ich leider nicht sagen.

So wohlerzogen und elektrifiziert ruhiggestellt der Kleine vor dem Rotlicht wirkt, so flegelhaft finde ich ihn auf der Landstrasse. Der Testwagen nagelt wie ein Diesel und wird unfreundlich laut, wenn er mal härter ranmuss. Fast schon trotzig gibt er dem Wunsch nach, die erlaubte Geschwindigkeit zu fahren. Da hätte ich mir mehr Freundschaft zwischen uns gewünscht. Aber auch das sei verziehen, denn die Federung mit progressiven hydraulischen Anschlägen bügelt die Vorwürfe wieder aus.

Auch ein Siebensitzer

Alpakas sind zäh. Viel zäher, als sie aussehen. Genau wie der C3 Aircross. Obwohl er 4,39 Meter lang ist, bietet er optional Platz für bis zu sieben Personen – einzigartig in dieser Klasse. Aber dann wird es schon eng in der Hütte. Fünf Passagiere sitzen bequem in den neuen Citroën Advanced Comfort Sitzen. Und könnten sogar noch einen Zylinder sowie Schlittschuhe tragen – so viel Kopf- und Beinfreiheit lässt der Radstand von 2,67 Metern zu. Wer keine sechs Freunde zum Rumfahren hat, dafür einen vollen Keller: Der Kofferraum fasst mit heruntergelassenen Sitzen bis zu rund 1600 Liter. Hier hätte nicht nur mein neuer Gartentisch reingepasst, sondern eine ganze Rattan-Lounge. Wie das Alpaka ist also auch der Citroën C3 Aircross Hybrid ein echter Lastenträger.

Smart-Car-Plattform

Je mehr man sich mit Alpakas auseinandersetzt, umso interessanter werden diese Tiere. Anders als der Citroën C3 Aircross sind Alpakas keine Hybridtiere, sondern eine eigene Kamelart. Also etwa ähnlich wie der C3 Aircross innerhalb der Stellantis-Familie, wo er sich die Smart-Car-Plattform mit Modellen wie dem Opel Frontera und dem Peugeot 2008 teilt.

Alpakas sind ständig aufmerksam, erkennen Gefahren früh und reagieren schnell. Genau das macht auch der C3 Aircross. Jeder Tempowechsel quittiert der Franzose mit einem fröhlichen Piep und hält so den Fahrer wach. Es braucht also kein Fahreraufmerksamkeits-Dingsbums, sondern nur einen kleinen Tempo-Gendarm. Auch der Spurhalteassistent verlangt meine Aufmerksamkeit mehr als ein rennender Dreijähriger mit einer Schere in der Hand – und funktioniert am besten, wenn man ihn ausschaltet.

C-Zen-Lounge

Das Cockpit-Layout ist Citroën-typisch anders als bei den Konzerngeschwistern. Das irritiert zwar nur den verwirrten Testfahrer, der sich zuerst daran gewöhnen muss, wieder einen Schlüssel zu drehen. Die Infos sitzen ungewöhnlich hoch – direkt unter der Frontscheibe. C-Zen-Lounge nennt sich das. Eigentlich alles hübsch und aufgeräumt – bis auf den 10,25-Zoll-Touchscreen. Der wirkt etwas aufgesetzt, als hätten die Interieur-Designer erst am Schluss bemerkt, dass man im Jahr 2026 ja noch ein Display verbauen könnte. 

Das und so manches andere verzeiht man dem frechen Franzosen, weil er ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Die Basis bekommt man schon ab rund 19.000 Franken und mehr Auto und Lifestyle kriegt man im Mitbewerberfeld nicht. 

Fun Fact: Alpakas nutzen übrigens alle dieselbe Toilette.

Plus/Minus

Plus

  • Sehr komfortable Federung – echte Citroën-DNA
  • Viel Platz, optional sieben Sitze
  • Sympathisches, eigenständiges Design
  • Sparsam im Alltag (rund 5–5,5 l/100 km realistisch)

Minus

  • Antrieb tanzt oft im Dreisiebenachteltakt
  • Infotainment und Elektronik mit Aussetzern
  • Laut unter Last
  • Assistenzsysteme teilweise nervig

Fazit AI-Test-Team

Der Citroën C3 Aircross Hybrid ist bequem, praktisch und sympathisch – ein rollendes Anti-Stress-Programm. Kein Sprinter, kein Kurvenräuber, kein Technikwunder. Aber ein ehrlicher Alltagsbegleiter mit Charakter. Oder anders gesagt: Kein Jaguar. Kein Mustang. Ein Alpaka. 

Technische Daten

Citroën C3 Aircross Hybrid 136 ë-DCS6

Motor und Antrieb
Dreizylinder-Turbobenziner, 1199 cm³
Elektromotor: 21 kW/28 PS
Systemleistung: 100 kW/136 PS
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: sechsstufiges Doppelkupplungsgetriebe (ë-DCS6)
Hybridart: Hybrid (48-Volt)

Fahrleistungen
0–100 km/h: rund 8,8–9,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h

Verbrauch
WLTP: rund 5,2 l/100 km
CO?-Emission: rund 118 g/km

Masse und Gewichte
Länge: 4390 mm
Breite: 1795 mm
Höhe: 1660 mm
Radstand: 2670 mm
Kofferraum: 460–1600 l
Sitzplätze: 5–7
Leergewicht: 1454 kg

Preis Schweiz
ab rund 18.990 Franken
Testwagen: 26.140 Franken

Text und Bilder: Jürg Zentner

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