Bergrennen Hemberg 2026

Das kleine grosse Rennspektakel

Wenn im Toggenburg die Motoren aufheulen, wird es Sommer. Das Bergrennen Hemberg eröffnet traditionell die Schweizer Bergmeisterschaft und gehört zu den beliebtesten Motorsportveranstaltungen der Schweiz. Am 6. und 7. Juni fällt der Startschuss zur neuen Saison.

Veröffentlicht am 04.06.2026

Zwischen 1968 und 1990 wurde das Bergrennen Hemberg auf der legendären Strecke St. Peterzell–Hemberg ausgetragen. Es war ein Tanz auf dem Vulkan. 3,2 Kilometer lang, gespickt mit engen Kurven und schnellen Vollgaspassagen, bot sie Motorsport vom Feinsten. Wegen ihrer mäandrierenden Linienführung konnte man grosse Teile der Strecke gleichzeitig überblicken. Ein Spektakel für die Zuschauer – aber leider ereigneten sich auch zu viele schwere Unfälle. Schliesslich verschwand das Rennen in den 1990er Jahren von der Bildfläche.

Dass das Bergrennen heute wieder existiert, ist der Initiative vieler Einheimischer zu verdanken. Seit 2012 findet der Anlass wieder statt – allerdings auf einer neuen Strecke ab Bächli (Schwandsbrugg). Mit einer Länge von 1758 Metern ist sie deutlich kürzer als das historische Original. Die Höhendifferenz beträgt 157 Meter, die durchschnittliche Steigung knapp neun Prozent. Früher diente dieser Abschnitt lediglich als Rückweg ins Fahrerlager.

Jedes Jahr lockt das Bergrennen Hemberg rund 8000 Zuschauerinnen und Zuschauer an die Strecke. Organisiert von rund 350 Helferinnen und Helfern aus der Region, eröffnet der Anlass traditionell die Schweizer Bergmeisterschaft. Mehr als 200 Fahrerinnen und Fahrer aus dem In- und Ausland nehmen die Strecke jedes Jahr in Angriff. Gefahren wird nach dem Reglement von Autosport Schweiz sowie der FIA.

Besonders gespannt blickt man jeweils auf die Schweizer Bergelite. In den vergangenen Jahren dominierte vor allem Marcel Steiner das Geschehen. 2023 stellte er mit 51,7 Sekunden einen bis heute gültigen Streckenrekord auf. Eine Zeit, die eindrücklich zeigt, wie schnell die Spezialfahrzeuge auf den knapp zwei Kilometern unterwegs sind.

Lokal verwurzelt, weltweit bekannt

Obwohl das Bergrennen Hemberg ein regionaler Anlass geblieben ist, kennt man den Namen heute weit über die Landesgrenzen hinaus. Verantwortlich dafür sind drei Engländer, die 2017 mit ihrem neuen TV-Format «The Grand Tour» ins Toggenburg kamen.

Besonders Richard Hammond sorgte damals für Schlagzeilen. Nach der Zieleinfahrt verlor er die Kontrolle über einen Rimac Concept One und verunfallte schwer. Der Elektro-Supersportwagen fing Feuer. Nur dank des mutigen Einsatzes der lokalen Rettungskräfte konnte Hammond rechtzeitig aus dem brennenden Fahrzeug geborgen werden.

Der Unfall machte weltweit Schlagzeilen. Millionen Zuschauer erfuhren dadurch erstmals von Hemberg. Die unerwartete Aufmerksamkeit hatte allerdings auch Schattenseiten. Für die Organisatoren folgten rechtliche und finanzielle Konsequenzen. Zeitweise stand die Zukunft des Rennens erneut auf der Kippe. Doch die Solidarität in der Region war stärker. Das Bergrennen überlebte – und entwickelte sich weiter.

Mehr als nur Motorsport

Wer glaubt, in Hemberg gehe es ausschliesslich um Stoppuhren und Streckenrekorde, irrt. Das Bergrennen ist längst zu einem Volksfest geworden. Neben den Rennläufen sorgen Showeinlagen für Unterhaltung. Vor und nach den Rennen verwandelt sich das Dorf in eine einzige Festmeile. Festwirtschaften, Konzerte, Partys und Begegnungen zwischen Fahrern und Fans machen den besonderen Charakter des Anlasses aus.

Das Bergrennen Hemberg ist klein genug, um familiär zu bleiben – und gross genug, um Motorsportgeschichte zu schreiben.

Bilder: Bergrennen Hemberg

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