Plug-in-Hybrid
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Hyundai Santa Fe – Entspannter Begleiter

Der Santa Fe 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid ist die stärkste Version des koreanischen SUV. Mit einer Systemleistung von 265 PS scheint er angemessen motorisiert. Allerdings schöpft er seine Kraft aus nur 1,6 Liter Hubraum mit 180 PS und einem 91-PS-E-Motor, ob das reicht?

Veröffentlicht am 07.03.2022

Der Santa Fe dient als Exempel, wie ein relativ grossvolumiges SUV durch Hybridisierung auf erträgliche CO2-Werte gebracht wird. Dazu ist der Energievorrat nicht nur aus fossiler Quelle angebracht, sondern auch aus der Steckdose. Je weiter das Auto nur mit der Kraft der Batterie fahren kann, desto günstiger werden die Verbrauchswerte. Entscheidend für die Verbrauchsangabe sind vor allem die ersten 100 Kilometer Fahrstrecke! Hyundai nennt für den Stecker-Santa-Fe nur 1,8 Liter, führt aber ganz offiziell in den technischen Daten der Verkaufsunterlagen den elektrischen Energieverbrauch von 18,1 kW/h mit auf – und das als einer der wenigen Hersteller. Das sind, auf Benzin umgerechnet knapp zwei zusätzliche Liter pro 100 Kilometer. Nun denn, 3,8 Liter sind immer noch unglaublich wenig.

Ab an die Steckdose: Wer die Akkus regel-mässig lädt, spart. Unser Exemplar genehmigte sich 19,5 kWh/100 km.

 


Voller Elan

Nun, 265 PS, das will man spüren, selbst wenn einem klar sein muss, dass etwas unter 2,2 Tonnen in Relation zu dieser Leistung keine Wunder erwarten lässt. Und tatsächlich, das Wunder bleibt aus. Der Santa Fe mit elektrischem Zusatzschub macht sich wohl wacker von dannen, wenn ihm eine solche Aufgabe mittels Gaspedalimpuls aufgetragen wird. Dabei produziert er aber entsprechende Geräusche – die eines relativ kleinen Vierzylinders in einem relativ grossen Auto. Bricht man recht bald – und nach der Erkenntnis, dass die persönliche Vorstellungskraft und die Realität in seltenen Fällen deckungsgleich sind – den Versuch ab, sich den Antriebsstrang des Santa Fe mit souveräner Leistungsentfaltung vorzustellen, dann bringt eine andere Strategie weit mehr. Ruhiges Fahren und möglichst oft mit Batterieenergie sowie regeneratives Verzögern sorgen für ähnlich flottes Vorankommen. Dann wird der Santa Fe Plug-in-Hybrid zum angenehmen, ordentlich motorisierten Reisewagen. Nein, das Gesicht schläft einem dann nicht ein. 

Wer wirklich kräftigen Durchzug aus dem Drehzahlkeller sucht, wird beim immer noch lieferbaren 2,2-
Liter-Diesel mit 202 PS/440 Nm fündig. Mit der Möglichkeit des Plug-in-Hybrids zu urbaner Schleichfahrt aber hilft der Teilzeitstromer einem dabei, ein reines Gewissen zu behalten.

Stiller Begleiter: Im Normalbetrieb entpuppt sich der Santa Fe als ruhiger Vertreter. Wird er jedoch gefordert, kann es schon mal rau zugehen.


Digitale und andere Vernunft

Wie anderswo bei Hyundai hält sich auch im Santa Fe der Einsatz des Touchscreens in Grenzen. Für wesentliche Bedienfunktionen wie die gesamte Klimaregelung oder die Audioanlage gibt es Knöpfe und Tasten. Das mag zunächst nicht ganz so sexy wirken, hilft aber der zielgerichteten und fehlerfreien Bedienung. Es sitzt sich generell bestens im Santa Fe. Das gilt auch für die Hinterbänkler, die im Spitzenmodell Vertex auf den beiden äusseren Plätzen sogar den Komfort einer Sitzheizung geniessen. Ein SUV als erhöhter Kommandoposten im Verkehrsfluss? Der Koreaner wird dieser Vorstellung gerecht.

Alles im Überblick: Das digitale Energie-management hält alle Energiedaten über-sichtlich parat.

Der Preis dafür ist ein SUV-typisches  Fahrverhalten. Heisst, ein gerütteltes Mass an Trägheit bei der Kurvenfahrt, dafür im Abrollkomfort geschmeidig, aber zwecks Milderung allzu wilder Aufbaubewegungen weit weniger soft gefedert, als man wünschen würde. Andere machen das genauso oder vertrauen auf ein aufwendiges, adaptives Fahrwerk oder Luftfederung. Der Santa Fe bietet mit McPherson-Federbeinen vorne und Mehrlenkerachse hinten guten Klassenstandard.

Sicherheitstechnisch gibt es das volle Paket an Assistenten und Warnern. Als Besonderheit wird beim Spurwechsel und Abbiegen das Kamerabild mit Sicht nach hinten direkt ins Display eingespielt. Ein nützliches Feature besonders in der Stadt. 

Einfach zu verstehen: Die teils analoge Bedienung über Schalter und Hebel macht die Handhabung im Cockpit denkbar einfach.


Markentypisch

Das Paket liest sich eindrücklich. Der Santa Fe, trotz vordergründig bescheidenem Motor, bringt eine Fülle an Features und wirkt in sich konsistent. Als Plug-in-Hybrid verlangt er zwar nach etwas mehr Aufmerksamkeit als beispielsweise sein Hybrid-Bruder ohne Lademöglichkeit. Aber entgegen der ersten Befürchtung wirkt der grosse Koreaner nicht wie ein fauler Kompromiss. Die an sich ungünstigen Rahmenbedingungen des Benzinmotors, wie etwa sein nicht gerade berauschendes Drehmoment, macht der Elektromotor erfolgreich wett. Abgesehen davon beweist auch die wesentlich kostspieligere Konkurrenz, dass so eine Combo ganz passabel funktionieren kann, siehe beispielsweise
Volvo. Nicht wie Volvo gibt sich hingegen das Preisgefüge des Santa Fe Plug-in-Hybrids. Es gibt ihn in den zwei Ausstattungsvarianten Amplia und Vertex, für 59 900 und 67 900 Franken. Für das Topmodell beschränken sich die Optionen auf eine Einparkhilfe, dritte Sitzreihe, Metalliclack oder Nappaleder. Dazu gibt es verschiedene Räderoptionen oder ein Winterpaket – das war es dann schon. 

Der Santa Fe als Plug-in-Hybrid funktioniert also – und das sogar recht gut. Der um 20 Liter kleinere Tank – 47 statt 67 Liter – lässt sich da gut verschmerzen. Allerdings: Wer mit seinem SUV einen Anhänger ziehen will, sollte in alter Manier dem Diesel den Vorzug geben. Der zieht mit 2,5 Tonnen ordentlich was weg. Dem Hybriden muten die Koreaner dagegen nur 1350 Kilogramm zu.

Text: Martin Sigrist
Fotos: Vesa Eskola

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