

Il Maestro di Torino
Battista «Pinin» Farina war der Michelangelo des Autodesigns. «Er hat Linien gezeichnet, die sich nicht verbessern lassen», sagte Enzo Ferrari über den italienischen Designer. Pininfarina starb am 4. April 1966. Sein letzter Wurf: der Alfa Romeo Spider.
Pininfarina gehört zu den bekanntesten Autodesignern überhaupt. Von A wie Alfa bis V wie Volvo – man schätzt, dass über tausend Fahrzeugdesigns aus dem Hause Pininfarina kommen. Gegründet wurde Carrozzeria Pinin Farina 1930 von Battista Farina. Als der «Il Maestro di Torino» vor 60 Jahren starb, hinterliess er nicht nur ein Designstudio, sondern eine ganze Ästhetik. Eine, die den Begriff «italienisches Design» überhaupt erst definiert hat. Pininfarina wurde zum Synonym für Stil – wie Armani für Mode.

Vom Blechschmied zum Stilpapst
Geboren wurde Battista Farina 1893 in Turin – mitten im Herzen der italienischen Autoindustrie. Als zehntes von elf Kindern bekam er früh einen Spitznamen: «Pinin», piemontesisch für «der Kleine». Der Name blieb. Und wurde später zur Marke. 1961 wurde aus Battista Farina offiziell Battista Pininfarina – sogar per Dekret des italienischen Präsidenten.

Schon als Teenager arbeitete er im Karosseriebau seines Bruders. Doch Battista wollte mehr als nur Bleche formen – er wollte Linien schaffen, die Emotionen auslösen. 1930 gründete er sein eigenes Unternehmen: Carrozzeria Pinin Farina (heute Pininfarina S.p.A). Sein Ansatz war revolutionär: weg vom opulenten Zierrat, hin zu klaren, fliessenden Formen. Eleganz statt Ornament.
Ferrari, Alfa & Co. – Die grosse Bühne

Der Durchbruch kam nach dem Zweiten Weltkrieg – und mit ihm eine Partnerschaft, die Automobilgeschichte schrieb: die Zusammenarbeit mit Ferrari. Im Mai 1951 trafen sich Enzo Ferrari und Battista Pininfarina zum ersten Mal persönlich – und zwar auf halbem Weg zwischen ihren Firmensitzen, weil beide Männer zu stolz waren, um zum anderen zu reisen. Ort des Treffens: ein Restaurant in Tortona, ziemlich genau zwischen Turin (Pininfarina) und Modena (Ferrari). Kurz nach diesem Treffen entstand der erste Ferrari mit Pininfarina-Design: der Ferrari 212 Inter. Es war der erste Gran-Turismo-Strassenwagen, den Ferrari von 1951 bis 1952 produzierte. Er markierte Ferraris Übergang von reinen Rennsportwagen zu eleganten, strassentauglichen Luxus-GTs. Damit war der Startschuss gefallen für eine Partnerschaft, die über Jahrzehnte praktisch synonym mit Ferrari-Design wurde.
Legendäre Pininfarina-Ikonen
- Ferrari 250 GT Lusso – Eleganz in Reinform, oft als schönster Ferrari aller Zeiten bezeichnet
- Ferrari 275 GTB – lang, flach, perfekt proportioniert
- Ferrari 365 GTB/4 Daytona – aggressiv, ikonisch, ein Design für die Ewigkeit
Kurz bevor «Il Maestro» starb, hinterliess er ein letztes Werk: der Alfa Romeo Spider. Er ist so etwas wie Pininfarinas Abschiedsbrief auf vier Rädern. Fast drei Jahrzehnte lang wurde der Spider gebaut.
Design als Haltung
Pininfarina verstand Autos als bewegte Architektur. Jede Linie hatte eine Funktion – und eine Wirkung. Seine Prinzipien: Proportion schlägt Dekoration, Schönheit entsteht aus Funktion. Und ganz wichtig: Ein Auto muss auch im Stand schnell aussehen. Battista Pininfarina hat Autos nicht einfach gestaltet – er hat ihnen Seele gegeben.

Als Pininfarina am 4. April 1966 starb, war sein Einfluss längst unsterblich. Sein Sohn Sergio führte das Unternehmen weiter – doch die Handschrift blieb dieselbe: klar, elegant, zeitlos.
Das Erbe
Nach dem Tod von Battista Pininfarina im Jahr 1966 war eines klar: Die Handschrift war unsterblich – aber jemand musste sie weiterführen. Diese Aufgabe übernahm sein Sohn Sergio Pininfarina. Er bewahrte die DNA – und entwickelte sie weiter.

Unter Sergio wurde Pininfarina zur globalen Design Macht. Die Zusammenarbeit mit Ferrari wurde intensiviert und brachte weitere Ikonen hervor. Doch auch Design-Legenden sind nicht immun gegen wirtschaftliche Realitäten. In den 2000er-Jahren geriet das Unternehmen finanziell unter Druck. Die klassische Karosseriebau-Ära war vorbei, Auftragsfertigung lohnte sich immer weniger. 2015 kam die Wende: Der indische Konzern Mahindra Group übernahm Pininfarina.
Pininfarina heute

Heute lebt der Name weiter – moderner, elektrischer und vielleicht sogar mutiger als je zuvor. Mit der Marke Automobili Pininfarina baut das Unternehmen nun auch eigene Fahrzeuge. Der Pininfarina Battista ist mit rund 1900 PS eines der stärksten Strassenautos der Welt. Der Mann, der Schönheit in Geschwindigkeit übersetzte, bekommt Jahrzehnte später ein Elektro-Hypercar als Denkmal.
Bilder: Pininfarina


