Nichols N1A

Analoger Mittelfinger einer Legende

Was wäre, wenn ein Formel-1-Ingenieur, Bruce McLaren, Ayrton Senna und ein V8-Motor gemeinsam in einen Pub gingen und nach dem fünften Bier beschlossen, der Moderne noch einmal kräftig den Mittelfinger zu zeigen? Das Resultat ist der Nichols N1A – das neue "Haben Muss" für echte Petrolheads.

Veröffentlicht am 23.06.2026

Während moderne Sportwagen darum ringen, welches der schnellste Computer der Welt ist, gibt es in England eine Werkstatt, in der die Zeit stehen geblieben ist. Dort wurde ein Auto entwickelt, das sich komplett der neuen Welt verweigert.

Der neue Nichols N1A ist leicht, laut, handgeschaltet und wird von einem frei saugenden V8 angetrieben. Kurz gesagt: Er ist wie eine Vinylplatte auf Rädern. Und genau das wollen immer mehr Leute haben.

Der Nichols N1A wiegt weniger als 900 Kilogramm und leistet bis zu 710 PS. Damit erreicht er ein Leistungsgewicht, das selbst viele Hypercars nervös werden lässt. Von null auf 100 km/h soll er in rund 3,5 Sekunden beschleunigen. Zahlen, die beeindruckend sind. Noch beeindruckender ist allerdings die Art und Weise, wie er das tut.

Vater des MP4/4

Hinter dem Projekt steht eine Legende: Steve Nichols. Der amerikanische Ingenieur war einst verantwortlich für den legendären McLaren MP4/4, jenen Formel-1-Rennwagen, mit dem Ayrton Senna und Alain Prost 1988 die Konkurrenz demütigten. 15 Siege in 16 Rennen. Bis heute gilt der MP4/4 als eines der erfolgreichsten Formel-1-Autos aller Zeiten.

Nach Stationen bei Ferrari, Jaguar, Sauber und Jordan erfüllte sich Nichols einen lang gehegten Traum: einen kompromisslosen Sportwagen zu bauen, der sich wieder wie ein Rennwagen anfühlt. Nicht auf dem Bildschirm. Sondern auf der Strasse.

Bruce McLaren lässt grüssen

Optisch orientiert sich der N1A am legendären McLaren M1A, dem ersten Rennwagen aus der Werkstatt von Bruce McLaren. Die flache Nase, die ausgestellten Radhäuser und die offenen Proportionen erinnern an die wilden Can-Am-Renner der sechziger Jahre. Damals, als Leistung wichtiger war als Aerodynamik. Leider verunglückte Bruce McLaren in einem Can-Am-Fahrzeug tödlich. 

Dass eines klar ist: Der N1A ist kein Retro-Nachbau. Unter der Hat steckt moderne Technik. Das Chassis besteht aus Aluminium und Karbon, die Karrosserie vollständig aus Karbon. Doppelquerlenker rundum, einstellbare Dämpfer und Michelin Pilot Sport Cup 2 sorgen dafür, dass der Fahrer nicht nur schnell aussieht, sondern es auch ist.

Acht Zylinder für 710 PS

Als Herz seines Kunstwerks wählte Nichols einen frei saugenden Chevrolet-V8. Bereits die Basisversion liefert rund 482 PS. Darüber folgen stärkere Ausbaustufen mit über 520 PS. Das Topmodell erhält einen handgefertigten Siebenliter-V8 mit bis zu 710 PS und 813 Nm Drehmoment. Geschaltet wird selbstverständlich von Hand über ein Sechsganggetriebe. Eine Automatik? Gibt es nicht. Wer danach fragt, wird ausgelacht.

Exklusiver als ein Einhorn

Auch im Innenraum herrscht Analogismus statt Algorithmus. Rundinstrumente, gefräste Aluminiumteile und ein minimalistisches Cockpit ersetzen Touchscreens und Menüstrukturen. Die Sitzposition orientiert sich an Formel-1-Fahrzeugen.

Haben wollen? Billig wird dieser Traum allerdings nicht. Die Preise beginnen bei rund 450 000 Pfund. Geplant sind je nach Ausführung Kleinserien von rund 100 bis 150 Exemplaren. Die ersten Fahrzeuge werden aktuell gebaut und sollen noch 2026 ausgeliefert werden. 

Bilder: Nichols N1A

<< Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren:



Anzeige