Strategische Weichenstellung

Mini baut E-Autos künftig in China

Die BMW-Submarke Mini sendet schon seit einiger Zeit konfuse Zukunftssignale. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Great Wall galt 2018 als besiegelt, 2019 drangen Unstimmigkeiten in die Öffentlichkeit und jetzt soll doch wieder alles gut sein. Die neu gegründete Spotlight Automotive Limited soll sowohl für Mini und Great Wall in China Elektroautos produzieren. Mini würde dadurch faktisch zum chinesischen Elektro-Hersteller.

Veröffentlicht am 06.11.2020

Mini hatte seit seiner Neugründung als Eigenmarke unter BMW-Fittichen im Jahr 2001 viele Ups und Downs. So war die Neulancierung der Marke insgesamt erfolgreich, auch in der Schweiz. Doch es gab Flops wie etwa den Paceman oder das Coupé, bei denen die Kunden nie so richtig wussten, warum sie sie kaufen sollten. 

Dann wiederum sprach man von einer Ausweitung der Produktpalette zum Fast-Vollanbieter, später sah man sich als reine Elektro-Marke analog zum Smart-Vorbild. Doch letztere scheiterten, denn Smart wird bekanntlich seine Werke in Frankreich und Slowenien schliessen und die Produktion ganz nach China verlagern.

Schon seit längerer Zeit zieht es auch Mini nach China. Zwar werden dort Minis verkauft. Als mit hohen Zöllen belegte Importmarke sind die Fahrzeuge dort jedoch zu teuer, eine lokale Produktion muss also her. Bereits vor zwei Jahren wurde das Joint Venture mit Great Wall unter dem gemeinsamen Dach namens "Spotlight" angedacht. Dieses soll jetzt nach einigen Turbulenzen in trockenen Tüchern sein. 

Spotlight wird zukünftig sowohl für Great Wall als auch für Mini Elektroautos prodzuieren. „Neben der Elektromobilität wird auch die Erschliessung neuer Zielgruppen und Absatzmärkte für die Zukunft von Mini von entscheidender Bedeutung sein“, sagte Mini-Chef Bernd Körber. Mini hat dazu einen Elektro-Crossover angekündigt, der unterhalb des Countryman positioniert sein wird. 

In den Werken Cowley in Oxford und bei Magna-Steyr sollen nur noch benzin- oder dieselgetriebene, allenfalls elektrifizierte Fahrzeuge entstehen. Im Werk Born, Holland, wird hingegen die Produktion des Mini Countryman Ende 2024 eingestellt. Wer also einen E-Mini will, muss ab 2023 wohl oder übel einen Chinesen kaufen. 

 

Benzin, Diesel oder elektrisch? Die Kunden haben die Wahl

Das Konzept der freien Antriebswahl segelt unter dem Oberbegriff „Power of Choice“, denn auch bei BMW-Mini macht sich langsam aber sicher die Erkenntnis breit, dass es viel zu riskant ist, allein auf Elektrifizierung oder gar rein elektrisch betriebene Fahrzeuge zu setzen, da deren Erfolg stark von staatlicher Unterstützung und Regulierung abhängig ist. Benzin- und Diesel werden auch weiterhin die dominierenden Treibstoffe sein – angesichts leerer Kassen bei der öffentlichen Hand erst recht. Kommt dazu, dass bei Mini die gewinnträchtigen John-Cooper-Works-Modelle sehr beliebt sind und rund fünf Prozent des Gesamtabsatzes von Mini ausmachen. Und die sind nun mal als Elektriker schwer darstellbar ...

 

Text: Stefan Fritschi
Fotos: Mini

 

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