Opel Manta GSe ElektroMOD

Opel Manta GSe ElektroMOD – Erste Probefahrt in der Schweiz

Diese Gelegenheit darf man sich nicht entgehen lassen. Kurz bevor der Opel Manta GSe ElektroMOD an die Auto-Zürich ins Rampenlicht gestellt wird, konnte ihm die auto-illustrierte bei einem Ausritt ins Repischtal um Uitikon auf den Zahn fühlen. Wobei wir mit dem teuren Einzelstück sehr vorsichtig umgesprungen sind. Sogar die Polizei interessierte sich für ihn ...

Veröffentlicht am 01.11.2021

Opel hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen um auf die Elektro-Strategie bei den Serienautos hinzuweisen. Man nehme einen Opel Manta aus dem Jahr 1973 und ersetze seinen Technik durch einen E-Antrieb. Das Ganze wird noch etwas modern aufgepeppt mit (für damalige Vehältnisse) riesigen 17-Zoll-Rädern, Digitalcockpit, Bildschirm statt Kühlergrill und LED-Heckleuchten. Ob man nun die Idee mag, einen Klassiker zum E-Mobil umzubauen oder nicht, sei dahingestellt. Aber der Opel Manta GSe ElektroMOD, wie er mit vollem Namen heisst, ist eine ehrliche Haut und will niemandem etwas vorgaukeln, was nicht ist.

Wir durften ihn uns nach der offiziellen Präsentation für Journalisten und Händler ausleihen und auf öffentlicher Strasse probefahren. Er ist ganz offiziell zugelassen und hat die deutschen Plaketten und ein Nummernschild aus dem Landkreis Gross-Gerau. Dort liegt bekanntlich Rüsselsheim. Ja, vielleicht hat das dortige Strassenverkehrsamt ein paar Augen zugedrückt. Schliesslich ist Opel der grösste Arbeitgeber weit und breit. Jedenfalls kam bei den Fotoaufnahmen eine zivile Polizeistreife vorbei und machte uns in schlechtem Hochdeutsch darauf aufmerksam, dass "diese Tagfahrleuchten in der Schweiz im Fall nicht zugelassen sind". Bevor wir eine Erklärung abgeben konnten, fuhren die Beamten weiter. Sie wollten sich wohl nicht in einen grenzüberschreitenden Rechtsfall verwickeln ... 

Die Manta-Basis ist komplett original übernommen worden. Der Vierzylinder wurde durch eine 108 kW oder 147 PS starke Synchronmaschine mit 255 Nm Drehmoment ersetzt. Der Antrieb hat nichts mit Mokka-e und Co. zu tun, sondern er stammt – wie auch der 31 kWh grosse Li-Ion-Akku – von einer Firma, die sich auf Elektrifizierung spezialisiert hat. Die Reichweite beträgt gut 200 Kilometer, geladen wird am DC-Lader mit maximal 9 kW.

Leider dürfen wir keine Fotos vom Kofferraum, wo Batterie und Regelelektronik sitzen und vom Motorraum mit dem E-Motor zeigen. Die Technik hat aber wie gesagt nichts mit Opel zu tun und sollen lediglich die Möglichkeiten aufzeigen, die ein solches Projekt birgt.

Das Viergang-Getriebe, die alte Kupplung, die Antriebswelle, die die Kraft auf die hintere Starrachse legt: alles original und fast 50 Jahre alt. Nur die hinteren Trommelbremsen wurden durch Scheiben ersetzt. Man dreht den Zündschlüssel, tritt auf die Kupplung, legt den ersten oder einen anderen Gang ein – im Flachland ist eh genug Drehmoment da – und nichts passiert. Erst wenn man auf das Strompedal drückt, geht es los. Im ersten Gang drehen Getriebe und E-Motor ziemlich hoch, darum wird schnell in den zweiten oder dritten Gang geschaltet. Leider geschieht das etwas holprig, weil man nicht gleichzeitig einkuppeln und Gas geben darf. Das hohe Drehmoment des E-Motors würde das halbe Jahrhundert alte Kombinat aus Kupplung und Getriebe schnell dahinraffen. Wir bleiben für die Fahrt im dritten Gang. Man kann auch anhalten ohne den Gang zu wechseln.

Ansonsten ist alles unspektakulär – typisch E-Auto eben. Der Opel Manta GSe ElektroMOD kann rekuperieren und beschleunigt ausgezeichnet. Ab und zu meldet sich eine Hydraulikpumpe zu Diensten, die die ganzen Systeme von 'anno dazumal' am Leben erhält. Bei einem richtigen E-Auto würde man die Technik natürlich komplett ersetzen. Strassenlage, Fahrgefühl und Bremsleistung sind prima, aber wir wollen den Grenzbereich mit dem sündhaft teuren Einzelstück nicht ausloten. 


Auch die Sitzposition ist sehr gut, die aus dem Opel Adam S entliehenen Sitze bieten optimalen Seitenhalt. Das Cockpit ist sehr informativ und umfassend, weil es aus der aktuellen Serie stammt. Es gibt sogar eine Heizung, was bei Showcars nicht unbedingt selbstverständlich ist. Weil es hinten keine Sicherheitsgurten gibt, dürfen leider nur zwei Personen mitfahren.

Bei soviel attraktiver Optik und alltagstauglicher Technik drängt sich die Frage nach einer möglichen Serienfertigung auf. Aber leider sind zweitürige Coupés bei Herstellern wie Opel klinisch tot. Der Manta-Nachfolger Calibra verstarb 1997 ohne Nachfolger. Daher wäre es vielleicht keine schlechte Idee, den Manta wieder aufleben zu lassen. Nicht als Retroauto, sondern als Neuauflage. Der Manta würde sicher viele optische Anreize bieten für einen zukünftigen Opel-Sportwagen. 


Text: Stefan Fritschi
Fotos: Dario Fontana

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