

Slate Truck – günstig, spartanisch, bunt
Der Slate Truck kommt! Und er ist noch verrückter geworden, als erwartet. Der Anti-Cybertruck fährt spartanisch vor, aber so individuell wie man selbst. Die Philosophie dahinter ist brillant: Nicht der Hersteller entscheidet, wie das Auto aussieht. Sondern der Besitzer.
Als wir den Slate Truck erstmals vorgestellt haben, hielten ihn viele für eine dieser verrückten Start-up-Ideen von Jeff Bezos, die irgendwann sang- und klanglos wieder verschwinden. Doch jetzt ist klar: Der Slate Truck kommt tatsächlich. Ende 2026 sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. Und der Amerikaner ist spektakulär spartanisch geblieben. Mehr noch: Er ist bunter, individueller und radikaler geworden, als wir erwartet hatten.

Der elektrische Pick-up verzichtet auf fast alles, was moderne Autos heute selbstverständlich mitbringen. Keine luxuriösen Materialien. Kein riesiges Infotainment. Keine elektrischen Fensterheber. Stattdessen Handkurbeln, robuste Kunststoff-Karosserieteile und ein Cockpit, das so aufgeräumt wirkt wie seit Jahrzehnten kein Neuwagen mehr.
Einfacher E-Heckmotor
Der Hecktriebler setzt auf einen einzelnen Elektromotor mit 150 kW beziehungsweise 201 PS. Sportwagenwerte sind das nicht – der Sprint auf Tempo 100 dürfte rund acht Sekunden dauern. Dafür bleibt der Slate seiner Philosophie treu: lieber einfach als übermotorisiert.

Bei der Batterie stehen zwei Grössen zur Wahl. Bereits die Standardbatterie mit 52,7 kWh soll rund 240 Kilometer Reichweite ermöglichen. Wer mehr möchte, bestellt die 84,3-kWh-Batterie, die auf knapp 390 Kilometer kommen soll. Geladen wird mit bis zu 11 kW AC beziehungsweise 120 kW DC. Das genügt für den Alltag – mehr will Slate gar nicht versprechen. Der Fokus liegt nicht auf Beschleunigung oder maximaler Reichweite, sondern auf Einfachheit, Robustheit und einem möglichst günstigen Einstiegspreis.
Lego für Erwachsene

Das eigentlich Revolutionäre ist aber nicht der Elektromotor. Der Slate Truck ist im Grunde Lego für Erwachsene. Man kauft kein fertiges Auto, sondern eine Basis, die sich praktisch beliebig individualisieren lässt. Slate spricht von über 100 Zubehörteilen. Der Kunde entscheidet selbst, was sein Auto können soll – und was nicht. Mittelkonsole? Nachrüsten. Elektrische Fensterheber? Nachrüsten. Dachträger? Nachrüsten. Andere Felgen? Kein Problem. Neue Folierung? Jederzeit.

Sogar der Umbau vom Pick-up zum fünfsitzigen SUV soll später möglich sein. Genau das meint Slate mit seinem Slogan: «We built it. You make it.» Der Besitzer entscheidet, wie das Auto aussieht. Nicht der Hersteller.
Bunt statt langweilig
Besonders überraschend ist, wie verspielt Slate das Thema Individualisierung angeht. Knallige Farben, unterschiedliche Dekore, Folierungen, Zubehörpakete und unzählige Kombinationsmöglichkeiten machen praktisch jeden Truck zu einem Einzelstück.

Die ungefärbten Kunststoff-Karosserieteile sind dabei kein Sparprogramm, sondern Teil der Philosophie. Wer Lust auf einen Farbwechsel hat, muss das Auto nicht neu lackieren lassen, sondern kann es einfach neu folieren. Kratzer verlieren damit ihren Schrecken.
Weniger ist mehr
Auch im Innenraum bleibt Slate konsequent. Statt eines Infotainment-Displays übernimmt das Smartphone Navigation und Unterhaltung. Statt teurer Elektronik setzt man auf einfache, langlebige Lösungen. Weniger Bauteile bedeuten tiefere Kosten, weniger Gewicht und einfachere Reparaturen. Fast fühlt sich der Slate an wie eine moderne Interpretation des Citroën 2CV oder des ersten Fiat Panda. Autos, die einfach ihren Job erledigen.
Kommt er nach Europa?

Die Produktion soll Ende 2026 im US-Bundesstaat Indiana anlaufen. Amerikanische Kunden können den Slate bereits reservieren. Slate konzentriert sich zunächst vollständig auf den US-Markt. Ganz ausschliessen lässt sich ein Europa-Start aber nicht. Sollte das Konzept in den USA einschlagen, dürfte das Interesse auch diesseits des Atlantiks gross sein.
Bilder: Slate


