Digitaler Direktvertrieb

Volvo nur elektrisch, nur online, nur zu Festpreisen

Volvo hat heute eine neue Vertriebsstrategie angekündigt, die auf benzin- oder dieselbetriebene Autos verzichtet. Der Kauf erfolgt nur noch online und ausschliesslich zu Festpreisen. So soll die "Komplexität im Produktangebot" reduziert und mit "transparenten und festgelegten Preismodellen" gearbeitet werden. Die Volvo-Vertreter sollen aber nicht überflüssig werden. Sie bieten weiterhin Beratungen und Probefahrten an und kümmern sich um Auslieferung, Wartung und Reparaturen. Doch Volvo lässt eine Hintertür offen: Partner Geely entwickelt und baut weiterhin Verbrennungsmotoren.

Veröffentlicht am 02.03.2021

Volvo, der schwedische Traditionshersteller unter chinesischen Fittichen, hat heute eine radikale Abkehr von der bisherigen Strategie verkündigt, die unter dem Credo "elektrisch, online und Wachstum" steht:

- Der komplette Vertrieb wird ab sofort ins Internet verlagert und soll ausschliesslich online stattfinden.
- Händer sollen "stärkere Kundenbeziehungen" aufbauen und Beratung und Probefahrten anbieten und nach dem Kauf für Auslieferung, Wartung, Reparaturen oder Rüchnahme des Altfahrzeugs zur Verfügung stehen
- Die Modelle werden nur noch vorkonfiguriert und mit festen Ausstattungspaketen zu festgelegten Preisen angeboten.
- Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren – offensichtlich auch Hybride – kommen in der neuen Entwicklungsstrategie nicht mehr vor. Man konzentriert sich allein auf reine Eletroautos. Volvo sagt, dass man sich nur noch auf das am schnellsten wachsende Segment der Premium-Elektrofahrzeuge konzentrieren will. 
- Ausgebaut wird auch "Care by Volvo". Es umfasst nebst Fahrzeug-Abos auch Service, Garantie, Pannenhilfe, Versicherung und, sofern verfügbar, Ladeoptionen für Zuhause.

 

Kommentar: intelligent oder gefährlich?

Die Volvo-Strategie darf und muss kritisch hinterfragen werden. Haben die Händler Lust, nur noch Kundenbetreuung zu betreiben ohne Vertrieb? Werden sie künftig reine Occasionen-Händler? Wie reagieren konservative Kunden darauf, dass sie jetzt online bestellen müssen? Oder macht der Händler das für sie?

Auch die Versteifung auf reinen Elektroantrieb ist ein grosses Wagnis, weil die aktuelle Euphorie sehr schnell zu Ende sein kann. Spätestens, wenn die öffentliche Hand sich die grosszügige Elektroförderung nicht mehr leisten kann oder will, wird der Boom sich stark verlangsamen. Kommt dazu, dass Volvo mit XC40 und C40 Recharge erst zwei reine E-Mobile im Portfolio hat.

Branchenexperten warnen, dass sich solchermassen festgelegte Unternehmen von künftigen Lösungen wie E-Fuels oder sparsamen Diesel- und Benzinmotoren ausschliessen.

Volvo prescht ohne Not vor – wie schon bei der selbstauferlegten Geschwindigkeitsbeschränkung auf 180 km/h. Es wäre schlauer, die Entwicklungen abzuwarten und die Strategie zeitnah anzupassen.

Allerdings ist Volvo für Strategiewechsel bekannt. So hat man vor zwei Wochen ganz überraschend die Fusionspläne mit der chinesischen Marke Geely begraben und in eine vermehrte Zusammenarbeit umgewandelt. Und dort lässt sich eine Hintertüre erkennen: Die Entwicklung und Produktion von Verbrennungsmotoren gibt das Unternehmen an Geely ab. Für Volvo wäre diese Technik also auch weiterhin zugänglich – wenn auch nur "made in China". Die Hoffnungen, dass Volvo seinen gewagten Elektrokurs eines Tages überdenkt, bleiben also erhalten. 

Text: Stefan Fritschi
Fotos: Volvo

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