Subaru XV eBoxer

Wohin des Weges?

Subaru, das war stets der Japaner, der eigene Wege gegangen ist. Bei der Hybridisierung etwa hat sich der Hersteller viel Zeit gegönnt. Ist der Rückstand überhaupt noch aufzuholen? Test des Subaru XV e-Boxer.

Veröffentlicht am 28.09.2020

Fertig mit Bauernromatik: «Urbaner Stil, überall im Element», so heisst Subaru einen auf der Website des XV willkommen. Der Crossover biegt dabei gerade um eine Hausecke mit einem Handmade-Store. Mhh, jetzt aber, heisst das schnell weg von solchem oder hat der Fahrer gerade einen Parkplatz in der Innenstadt gesucht mit dem Hybridauto? Fakt ist, als Mildhybrid wird der e-Boxer im XV kaum zwei Runden um den Block elektrisch bestreiten – etwa 1,3 Kilometer nennt der Hersteller. Das Rangieren jedoch klappt meistens geräuschfrei.

Leichter, besser

Für den Zweiliter des XV gibt es nur noch ein CVT. Die heisst im Subaru-Jargon Linear-Tronic. Was gemeinhin die Autotester nicht zu Begeisterungsstürmen veranlasst –die Japaner scheinen sich darüber weit weniger aufzuregen –, funktioniert im e-Hybriden recht passabel. Besonders fällt auf, dass die Dynamik dadurch nicht dermassen kompromittiert wird wie im Subaru Forester. Er hat den identischen Antriebsstrang. Wirkliche Fahrfreude kommt zwar auch nicht auf, aber vielleicht ist es ja gar nicht das, was man im XV sucht. Mit seinen 150 PS ist der Zweiliter-Boxer keine Rakete. Aber die Leistungsentfaltung vom 16,7-PS-Elektromotor, der direkt zwischen Verbrenner und Getriebe im Antriebsstrang sitzt, ist linear und damit so, wie man es von einem Saugmotor auch erwarten kann.

Diesseitige Qualitäten

Werfen wir die Brille des sportlich orientierten Autofahrers über Bord und wenden wir uns der Alltagsrealität jener zu, die sich mit dem Subaru als Fortbewegungsmittel und Alltagswerkzeug auseinandersetzen wollen, dann treten die Qualitäten des XV deutlicher zutage. Er ist bequem, nicht allzu ausladend und seine Bedienung verlangt nicht sofort nach dem Studium eines Computer-Manuals. Selbst der Umgang mit dem Hybrid-System wirft keine besonderen Fragen auf. Als Mildhybrid gibt es auch keine Lademöglichkeit und somit keinerlei Abweichung vom Alltag gegenüber eines herkömmlichen Verbrenners. Was den Alltag etwas einschränkt, ist das gegenüber dem 1,6-Liter ohne Hybrid der von 63 auf 48 Liter verkleinerte Tank und das von 385 auf 340 Liter reduzierte Kofferraumvolumen. Schuld ist die über der Hinterachse sitzende 13,5-kW-Batterie mit einer Spannung von 118,4 Volt und einer Kapazität von 4,8 Ah.

Das Cockpit des e-XV ist dreiteilig. Erstens gibt es analoge Instrumente. Sie sind übersichtlich und – ja – auch etwas altmodisch. Andererseits informiert ein kleiner Bildschirm über den Energiefluss. Darunter dann, im dritten Display, spielt sich das Infotainment mit seiner Palette von Sound bis Navigation ab. Das darf man so auch erwarten heutzutage.

Für die Klimaanlage wiederum, genauso wie die Regler für die Soundanlage, sorgen herkömmliche Drehräder und Tasten für die beruhigende Gewissheit, relativ rasch sich blind durch deren punktgenaue Bedienung hangeln zu können. Was ebenso altmodisch scheint, hat irgendwie noch immer seine Berechtigung und ist in diesem Fall definitiv kein Grund für einen Punkteabzug.

Die Boxer-Ballade

Unter Last singt der Boxermotor sein typisch knurrendes Lied. Die Tonlage ist indes in Relation zu verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten etwas ungewohnt. Ansonsten bleibt es im Japaner dezent ruhig. Der Qualitätseindruck ist derweil geprägt von wenig Firlefanz und viel robuster Sachlichkeit. Da steht ein Auto wie ein handliches Werkzeug. Diese werden mittlerweile auch durch eine Designabteilung geschickt und in etwa so fühlt sich der Aufenthalt im XV an. Damit kommt der Subaru recht weit, steckt aber irgendwann fest. Schliesslich schränkt Charakter auch ein, da ist nicht einer, der es mit allen können will. Entweder man mag den Kerl, oder er bleibt aussen vor.

Technische Daten:

1'995  cm³ 4-Zylinder-Boxer-Saugmotor
150 PS/110 kW bei 5600 - 6000/min, 194 Nm bei 4000/min
E-Motor (Permanentmagnet-Asynchron-Wechselstrom): 16.7 PS/12,3 kW, 66 Nm
Getriebe: CVT (Schubgliederband) 7-Gang virtuell.
Vmax 193 km/h, 0-100 km/h 10,7 s

Dimensionen L x B x H: 4465 mm x 1800 mm x 1595 mm
Leergewicht: 1651 kg
Zuladung: 419 kg
Zul. Gesamtgewicht: 2070 kg
Tankinhalt: 48 l
Kofferraum: 340 l - 1193 l

Verbrauch (Werk): Kombiniert 7,9 l/100 km, 
Testverbrauch Benzin: 7,7 l/100 km: 
Emission: 180 g CO2/100 km
Effizienzklasse: D

Preis: ab 35'450.– Franken (Advantage)
Testwagen: 40'950.– Franken (Luxury)

 

Fazit:

Als Hybrid scheint der Subaru sich etwas näher hin zu den Buffets grosser Partys bewegen zu wollen. Ein Partylöwe ist er aber definitiv nicht geworden. Er macht lieber seinen Job irgendwo da draussen in der realen Autowelt. Ob das im urbanen Umfeld sein wird, lassen wir dabei offen.

Text: Martin Sigrist

Fotos: Nils Desparade

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