Falsche Denkmuster

Treibstoffe spielen geringe Rolle

3%! Nur gerade drei Prozent betrage der Anteil der Kraftstoffe am gesamten Lebenszyklus eines Automobils. Das zumindest behauptete der 2019 verstorbene Friederich Schmidt-Bleek, auch bekannt als «Doyen des deutschen Umweltschutzes» und «Vater der Dematerialisierung». Das gibt unseren «Klassikern» einen noch höheren Stellenwert, doch sollte unbedingt auch bei der Anschaffung eines neuen Automobils beachtet werden.

Veröffentlicht am 27.01.2022

Interessante Gedankengänge: Nur gerade 3% betrage der Anteil der Kraftstoffe am gesamten Lebenszyklus eines Automobils. Das zumindest behauptete der 2019 verstorbene Friederich Schmidt-Bleek, auch bekannt als «Doyen des deutschen Umweltschutzes» und «Vater der Dematerialisierung». Der streitbare Kernchemiker und Umweltforscher hatte ein grundlegendes Mass für die Bewertung von Umweltbelastungen von Produkten entwickelt – genannt MIPS (Material-Input pro Serviceeinheit). Er berechnete dafür einen «ökologischen Rucksack», das heisst: den gesamten Materialbedarf und Energie-Input von der Produktion der ersten Schraube über den «point of sale» sowie den tatsächlichen Betrieb bis hin zum Recycling. Für ein Mittelklasseauto berechnete Schmidt-Bleek allein in der Produktion einen Wert von 40 Tonnen «Natur», dies bei einem Verbrauch von 0,006 Tonnen Treibstoff pro 100 Kilometer. Nimmmt man dann noch sämtliche weiteren Faktoren dazu, die Fabrik, die Transporte, den Verkauf, das Recycling etc. dazurechnet, dann können die etwa 12 Tonnen Kraftstoff, die ein Automobil während seiner durchschnittlichen Lebensdauer verbraucht, tatsächlich beinahe vernachlässigt werden.

Es geht hier gar nicht darum, ob Friederich Schmidt-Bleek mit seinen 3% recht hat. Es ist aber ein interessanter Ansatz, über den sich diskutieren lässt. Und denkt man das weiter, dann kann man – vielleicht? – zum Schluss kommen, dass die ewigen Diskussionen, ob Verbrenner oder Stromer, sich erübrigen. Auch, weil wirklich professionelle und sinnvolle Zahlen zum «lifecycle», zu «well-to-wheel», über «cradle to grave» fehlen. Die wohl wichtigste Lehre, die wir von Schmidt-Bleek ziehen können: Je länger wir das gleiche Auto fahren, desto mehr helfen wir der Umwelt. Das gibt unseren «Klassikern» einen noch höheren Stellenwert, doch sollte unbedingt auch bei der Anschaffung eines neuen Automobils beachtet werden.

 

Text: Peter Ruch
Fotos: Vesa Eskola 

 

Der Toyota Corolla von 1974 inmitten seiner aktuellen Namenskollegen auf dem Parkplatz der Toyota AG in Safenwil.

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