Test Porsche Cayenne Coupé E-Hybrid

Elektrifiziert der sportliche Alleskönner?

Porsche liefert den Cayenne auch als Plug-in-Hybriden mit sportlichem Coupé-Heck. Passt diese Kombination? Um das rauszufinden sind wir fast 1000 Kilometer gefahren und haben natürlich den Porsche in vollen Zügen genossen. Aber weil es ja ein Öko-Auto sein soll, wurde auch der Strom- und Spritverbrauch gemessen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Aus den prognostizierten 4,0 bis 4,8 Litern ist nichts geworden. Aber daran sind die Messmethoden schuld, nicht Porsche. Wir haben genau nachgerechnet.

Veröffentlicht am 14.05.2020

Als der Porsche Cayenne als Coupé präsentiert wurde, waren wir des Lobes voll, denn genau so hätte ein Porsche-SUV bereits 2003 aussehen sollen – mit eigenständigem und markentypischen Coupé-Heck anstatt Touareg-Abklatsch. Aber jetzt stimmt fast alles. Das aktuelle Topmodells Cayenne Coupé Turbo mit dickem V8 ist natürlich unser Favorit. Daher wurde er hier ausgiebig getestet.

Wir müssen uns beim PHEV also nicht um Kleinigkeiten kümmern, sondern gehen schnurstracks auf den Antrieb los. Der drei Liter grosse V6 leistet 340 PS und ist uns bereits aus früheren Tests sehr positiv aufgefallen, weil er als "Basismotorisierung" mit seinen 450 Nm bereits ab 1350/min sehr gut aufgestellt ist. Beim E-Hybrid ist er mit dem 100 kW/136 PS leistenden E-Motor kombiniert. Das Gesamtsystem kommt auf eine Leistung von 462 PS und 700 Nm.

Beeindruckende Leistungsdaten, aber ...

Das ist beeidruckend, muss aber sehr schnell relativiert werden. Das Hybridsystem hinterlässt stets einen etwas gehemmten Eindruck, der auf wesentlich weniger Leistung schliessen lässt. Die Leistungsentfaltung ist nicht so direkt wie beim reinen Benziner. Das Hauptproblem ist aber das Gewicht. Unser Testwagen bringt ein Leergewicht von sehr üppigen 2435 Kilogramm auf die Waage. Um ein solches Ungetüm ökologisch gesund zu rechnen, greift der Gesetzgeber (nicht Porsche!) tief in die Trickkiste und verhilft dem E-Hybrid zu einem WLTP-Normverbrauch von 4,0 bis 4,8 Liter/100 km. Das ist natürlich barer Unsinn, wie unser Test belegt.

Wir erreichten mit voll geladener Batterie auf ebener Landstrasse den kleinsten Benzinverbrauch von 6,86 l/100 km. Wird die leere Batterie über die angewählte Ladefunktion im Hybrid-Modus mittels Verbrennungsmotor getankt und das Auto dabei über die Hügel des Mittellands gescheucht, entstand ein Verbrauch von 11,07 l/100 km. Das ist ein gewaltiger Unterschied, auch wenn der Verbrauch dann immer noch nicht riesig ist angesichts der Fahrleistungen und der Grösse des Cayenne Coupé.

Restreichweite ist höher als angegeben

Während der gesamten Teststrecke von 971 Kilometern verbrauchten wir 94,06 Liter Benzin und tankten 59,0 kWh Strom an unserer redaktionseigenen Ladestation. Der Benzinverbrauch beträgt somit 9,69 l/100 km, der Stromverbrauch 6,08 kWh/100 km. Rechnet man den Strom in Benzinequivalent um, ergibt sich ein gesamt Gesamtverbrauch über die ganze Testdistanz von 10,36 l/100 km. Wie gesagt, der Wert geht in Ordnung, ist aber halt meilenweit von der Normvorgabe entfernt.

Wir hatten nach jeder Vollladung an der Ladestation eine rein elektrische Reichweite von 44 Kilometer angezeigt bekommen. Lädt man die Batterie über den Motor, erreicht man rund 42 Kilometer, weil die Batterie offensichtlich in diesem Modus nicht vollständig geladen wird. Die rein elektrische Reichweite wird auf dem Navi mit einem grünen Bereich um den aktuellen Standort herum gekennzeichnet. Man kann sieht also, ob man rein elektrisch bis ans Ziel kommt oder nicht.

Dabei gibt es allerdings gewisse Ungenauigkeiten zu berücksichtigen. In unserem Fall zeigte die Restreichweite 25 Kilometer, die Distanz bis zum Ziel ebenfalls. Auf dem Bildschirm lag das Ziel allerdings ausserhalb des elektrisch erreichbaren Bereichs. Wir sind einfach elektrisch weiter gefahren, und als etwa zwei Kilometer vor dem Zielort die Reichweite auf Null gefallen war, rechneten wir mit dem Zuschalten des Benzinmotors. Aber nichts geschah, der E-Hybrid fuhr elektrisch weiter bis zum Ziel. Die Restwertanzeige scheint also eher pessimistisch zu sein. Letztendlich ist das ja aber besser als wenn sie etwas vorgaukeln würde, das nicht stimmt.

Der Plug-in-Hybrid raubt Spass und Emotionen

Was man insbesondere bei einem Porsche viel gravierender empfindet, ist das Übergewicht. Die 2,4 Tonnen bedeuten ein Mehrgewicht von über 300 Kilogramm zum normalen V6. Das hier die Entwicklung in eine falsche Richtung läuft, dürfte jedem klar sein, denn das hat auch Auswirkungen auf die Fahrdynamik. Zwar ist unser Testexemplar mit luftgefedertem Adaptivfahrwerk über alle Zweifel erhaben, kann schnell durch Kurven gefahren werden, bleibt dabei komfortabel und sicher. Aber die Masse, die nach aussen zieht und die nach jeder Haarnadelkurve wieder in Schwung gebracht werden will, ist enorm und raubt Spass und Emotionen. 

Alles andere ist typisch Porsche Cayenne, quasi das alltagstaugliche Sport-SUV mit typischem Cockpit, viel Platz und grossem Kofferraum – auch wenn das Coupé etwas weniger Raum bietet als die Basiskarosserie und das Hybridsystem weitere fast 100 Liter schluckt. Leider ist auch die teilweise gewöhnungsbedürftige, etwas überdigitalisierte Bedienung mit rückmeldungsfreien Schaltern auf der riesigen Mittelkonsole dabei, und auch gewisse Funktionen wie etwa die Einstllung der Klimaanlage erfordern Gewöhnung. Mercedes kann das eindeutig besser und intuitiver.

Aufpreis kann man besser investieren

Und dann ist da noch die Preispolitik. Den Cayenne Coupé E-Hybrid gibt es ab 126'500 Franken. Unser Testwagen hatte aber aufpreispflichtige Goodies im Wert von 27'930 Franken an Bord und landete bei 154'430 Franken. Das ist happig! Ab 101'200 Franken gibt es den hybridlosen Sechszylinder im normalen Cayenne, ab 109'700 Franken im Coupé. Der E-Hybrid kostet im Cayenne 20'000, im Coupé 15'000 Franken mehr.

Ein Plug-in-Hybrid lohnt sich nur, wenn man zuhause und am Arbeitsplatz billigen Strom tanken und über weite Strecken elektrisch fahren kann. Und auch dann muss man sehr lange damit fahren, damit man den Anschaffungs-Mehrpreis herein holt. Natürlich will Porsche die von Amtes wegen gesundgerechneten PHEV-Antriebe – wie auch die Elektroautos – unter das Volk bringen um Strafzahlungen zu verhindern. Aber das soll nicht das Problem des Endkunden sein. Wir würden uns daher das Geld sparen oder es dann gleich in ein 400 PS starkes S-Modell investieren. So bekommt man mehr Porsche als im PHEV!

Text: Stefan Fritschi
Fotos: Vesa Eskola

 

Porsche Cayenne E-Hybrid Coupé
2'995  cm³ V6-Turbobenziner
340 PS/250 kW bei 5300 - 6400/min, 450 Nm bei 1340 - 5300/min
E-Motor: 136 PS/100 kW, 400 Nm
Systemleistung: 462 PS/340 kW, 700 Nm
8-Gang Tiptronic S (Wandler, ZF)
Vmax 253 km/h (elektrisch: 135 km/h), 0-100 km/h 5,1 s, 0 - 160 km/h 11,7 s,

Dimensionen L x B x H: 4939 mm x 1989 mm x 1653 mm
Leergewicht: 2435 kg
Zuladung: 625 kg
Zul. Gesamtgewicht: 3055 kg
Tankinhalt: 75 l
Kofferraum: 500 l - 1364 l

Verbrauch (Werk): Kombiniert 4,0 bis 4,7 l/100 km, Strom: 35.5 bis 36,9 kWh/100 km
Testverbrauch Benzin: 9,7 l/100 km: Strom: 6,1 kWh/100 km
Gesamttestverbrauch (Benzinequivalent): 10,4 l/100 km
Emission: 91-108 g CO2/100 km
Effizienzklasse: F

Preis: ab 126'500.– Franken (Cayenne E-Hybrid Coupé)
Extras: 27'930.–
Testwagen: 154'430.–

 

Porsche Cayenne Coupé in der E-Hybrid-Ausführung (Plug-in-Hybrid)

Porsche Cayenne Coupé in der E-Hybrid-Ausführung (Plug-in-Hybrid)

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Porsche Cayenne Coupé in der E-Hybrid-Ausführung (Plug-in-Hybrid)

Porsche Cayenne Coupé in der E-Hybrid-Ausführung (Plug-in-Hybrid)

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Porsche Cayenne Coupé in der E-Hybrid-Ausführung (Plug-in-Hybrid)

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