

Ferrari Luce – 4 Türen, 5 Sitze, 1050 PS
Ferrari hat es tatsächlich getan. Der Luce ist der erste vollelektrische Ferrari. Vier Türen, fünf Sitze, vier Elektromotoren und 1050 PS. Gezeichnet wurde das schnellste WLAN der Welt von Ex-Apple-Designchef Sir Jonathan Ive.
Hören Sie das Rumpeln? Es kommt von Enzo Ferrari, der sich gerade im Grab umdreht. Der erste vollelektrische Ferrari heisst «Luce» – italienisch für Licht. Allerdings handelt es sich nicht um einen emissionsfreien Roma oder einen elektrischen SF90, sondern um ein Hyper-GT mit vier Türen und fünf Sitzen.

Vier Elektromotoren sorgen für 1050 PS Systemleistung und 11’500 Nm Drehmoment an den Rädern. Den Sprint von 0–100 km/h schafft der E-Ferrari beinahe in Lichtgeschwindigkeit – in 2,5 Sekunden. Spitze? Über 310 km/h. Und trotzdem spricht Ferrari beim Luce lieber über Komfort, Ruhe und Raumgefühl.
Ferrari erfindet den Ferrari neu

Der Luce ist erst der zweite Viertürer der Marke – und der erste Ferrari mit fünf Sitzen. Möglich macht das die vollelektrische Plattform. Kein Mitteltunnel, keine Transaxle-Konstruktion: Stattdessen eine eigens entwickelte 800-Volt-Architektur mit 122-kWh-Batterie und vier unabhängigen Elektromotoren – je einer pro Rad.

Ferrari spricht bewusst von einem «neuen Ferrari-Typ». Denn niemand träumt seit Kindheitstagen von einem lautlosen Ferrari. Deshalb versucht Ferrari gar nicht erst, einen V12 künstlich zu simulieren. Stattdessen entwickelte man ein eigenes Klangkonzept. Der Luce nimmt reale Geräusche der Elektromotoren und Achsen auf, verstärkt sie wie bei einem Gitarrenverstärker und spielt sie innen wie aussen wieder aus. Wir sind gespannt, ob sich das nach Ferrari anhört – oder nach einer elektrischen Küchenmaschine aus Maranello.
Jony Ive statt Pininfarina
Auch optisch bedeutet der Luce einen Bruch mit der Tradition. Verantwortlich dafür ist nicht Flavio Manzoni allein, sondern das Kreativkollektiv LoveFrom rund um Sir Jony Ive und Marc Newson – also jene Leute, die einst iPhone, Apple Watch und vieles andere designten. Und das sieht man.

Der Luce wirkt weniger wie ein klassischer Ferrari und mehr wie ein Ferrari, der in Cupertino aufgewachsen ist. Glatte Flächen, kaum Kanten, transparente Leuchten, riesige Glasflächen und ein schalenartiger Aufbau.

Besonders absurd sind die Räder: 23 Zoll vorne, 24 Zoll hinten. Das sind keine Felgen mehr, sondern Satellitenschüsseln mit Pirelli-Bereifung. Ferrari behauptet trotzdem, den niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert seiner Geschichte erreicht zu haben. Möglich machen das aktive Aero-Elemente, bewegliche Kühlluftgitter und ein Fahrwerk, das die Front bei hohem Tempo um zehn Millimeter absenkt.
Digital mit analoger Seele

Nur weil der Luce aussieht wie ein fahrendes WLAN, bedeutet das nicht, dass auch der Innenraum ein einziges Tablet ist. Ferrari kombiniert mechanische Kippschalter, Aluminium-Drehregler und echte Bedienelemente mit OLED-Displays von Samsung. Das Cockpit bewegt sich sogar mit dem Lenkrad mit – als würde der Ferrari den Fahrer permanent im Fokus behalten. Dazu kommen 21 Lautsprecher mit 3000 Watt Leistung, individuell optimierte Klangprofile und ein Fahrzeugschlüssel mit E-Ink-Display aus Gorilla Glass. Ja, selbst der Schlüssel ist ein Gadget.
Strom mit Scuderia-DNA

Das Gewicht von 2260 Kilogramm klingt zwar nach einer kleinen Eigentumswohnung, liegt für ein Elektroauto dieser Leistungsklasse aber relativ tief. Ferrari erreicht das unter anderem mit einem strukturell integrierten Batteriepaket und konsequentem Leichtbau aus recyceltem Aluminium.

Entscheidend ist jedoch, wie sich das Ganze fährt. Ferrari verspricht ein Handling, das sich eher nach einem 400 Kilogramm leichteren Auto anfühlen soll. Torque Vectoring, aktive Federung, Allradlenkung und eine neue Vehicle Control Unit koordinieren sämtliche Systeme 200 Mal pro Sekunde.

Die Reichweite liegt bei über 530 Kilometern, geladen wird mit bis zu 350 kW. In 20 Minuten sollen 70 kWh nachgeladen werden können.
Der wichtigste Ferrari?
Der Ferrari Luce ist viel mehr als nur ein neues Modell. Er ist vermutlich der wichtigste Ferrari seit Einführung des Mittelmotor-Supersportwagens. Denn zum ersten Mal definiert sich Ferrari nicht mehr über Zylinder, Hubraum oder Auspuffrohre – sondern über Software, Architektur und Fahrgefühl.

Die internationalen Reaktionen fallen entsprechend extrem aus. Einige Medien feiern den Luce bereits als mutigsten Ferrari seit dem F40. Andere sprechen vom «Anti-Ferrari». Was ist Ihre Meinung?
Bilder: Ferrari


