Schon gefahren

Ford Bronco – Ein makelloser SUV

Nach 24 Jahren baut die Ford Motor Company wieder einen Bronco; eigentlich sind es gleich drei. Man sieht sie selten und bekommt nur schwierig einen, wie fährt sich denn der Ami?

Veröffentlicht am 12.04.2022

Der einst auch in der Schweiz angebotene Bronco II mit drei Türen wurde 1991 durch den fünftürigen Explorer abgelöst, und der grössere – dreitürige – Original-Bronco (seit 1966) 1996 eingestellt. Jetzt hat Ford das populäre Label aufgeweckt – und will es offensichtlich als Submarke etablieren.

 

 

Ein paar erste Worte zum Ford Bronco

Im Lenkrad und auf den Teppichen prangt das Fohlen anstatt der Ford-Pflaume. Dabei übernimmt das Fünftürer-Modell Sport die Rolle des familientauglichen Kompakt-SUV, und der mächtigere Bronco mit drei oder fünf Portalen wird auf den legendären Wrangler von Jeep angesetzt; er offeriert ähnliche Freiluft- und Geländequalitäten. Ob «Bronco» nach dem Muster der BMW-Marke Mini noch weiter gedehnt werden soll bzw. kann, wird man sehen. Auch, ob es der reanimierte Markenname offiziell überhaupt nach Europa schafft. Stand heute ist Bronco ennet des grossen Teichs ein absoluter Hype; es werden Überpreise bezahlt, wie im Jahr 2000 für den P/T Cruiser von Chrysler (oder regelmässig für die Shelby). Die ersten neuen Bronco haben die Schweiz in der Ausführung Sport erreicht. An den Direktimport des «Grossen» ist gemäss Markus Niffeler, unserem Testwagenlieferanten, momentan nicht zu denken; viel zu teuer.

 

Bronco Sport

Wir reiten den Kompakten, bestückt mit einem 4-Zylinder-Zweiliter mit Turbolader und Achtstufen-Automatik. 248 PS im Einklang mit 373 Nm Drehmoment sorgen für flotten Vortrieb, knapp über Leerlaufdrehzahl taut die Maschine auf und dreht ohne spürbare Vibrationen. Den V8-Sound vermisst man in einem solchen Auto kaum. Das Erscheinungsbild ist gefällig und fällt dem einen oder anderen Passanten sogar auf. Die Front mit dem mächtigen Bronco-Schriftzug scheint dafür besorgt zu sein. Auch das Ende wird mit den grossen Buchstaben geziert; diskret ganz unten links klebt die blaue Pflaume.

Ausser den etwas pomadigen Vordersitzen gefällt das Innenleben; die Raumausnutzung ist – Überraschung, wir sitzen in einem Amerikaner – aussergewöhnlich gut, das Ablageangebot exzellent, die Machart routiniert, die Bedienung unkompliziert und die Performance mit einer Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in rund sechs Sekunden braucht keinen Vergleich mit ähnlich gestrickten Baumustern zu scheuen. 

 

Gelände und Langstrecke

Mit sieben verschiedenen Fahrmodi, dirigiert über einen mittigen Schalter, dürfte der Allradler auch in schwierigem Gelände, auf sandigem Untergrund, auf Schotter oder Schnee wenig anbrennen lassen. Wichtiger bei dieser Autogattung ist – anders als beim Wrangler-Konkurrenten – der Langstreckenkomfort. Auch da kann der Ford im Vergleich mit den europäischen oder fernöstlichen Marken bestens mithalten. Es fehlt etwas an Subtilität beim Anfedern von groben Unebenheiten auf Langsamfahrt. Es fehlt aber auch eine lange Optionenliste. Alles ist drin, was man glaubt, irgendwann einmal in Anspruch nehmen zu müssen.

 

Sehr guter Preis – nur Genesis kann da mithalten

Selbst mit aktuellen Überpreisen in den Vereinigten Staaten gelingt es den Direktimporteuren, den knapp über 60 000 Franken teuren Bronco Sport zu Preisen anzubieten, welche die Konkurrenz alt aussehen lassen. Und weil man über dieses Auto nicht so häufig stolpern wird wie über ein Volumenmodell von Audi über BMW bis Volvo, reitet man sogar exklusiver. Lediglich der Genesis GV70 Sport bewegt sich auf diesem Preisniveau – andere vergleichbare Wagen sind immer teurer.

Text: Jürg Wick
Fotos: Jürg Wick

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Fazit:
«Fahren, was nicht alle fahren; ausser der sehr grossen Fahrzeugbreite handelt man sich mit dem Bronco Sport kaum Nachteile ein.»
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