Singer x Louis Vuitton

Haute Couture auf Rädern

Louis Vuitton baute bereits Luxuskoffer fürs Reisen, als Ferdinand Porsche noch nicht einmal geboren war. Singer wiederum macht aus alten Porsche 911 automobile Haute Couture. Nun treffen die beiden Welten aufeinander. Das Ergebnis sind zwei Einzelstücke, bei denen selbst die Armaturen Schmuckstücke sind. Angefangen hat alles mit einer kleinen Uhr, bevor es eskalierte.

Veröffentlicht am 17.08.2026

Warum bloss eine Louis-Vuitton-Tasche kaufen, wenn man einen ganzen Louis-Vuitton-Porsche haben kann? Singer Vehicle Design und Louis Vuitton haben anlässlich der Monterey Car Week zwei Porsche 911 Reimagined by Singer präsentiert: einen Classic als Coupé und einen Classic Turbo als Cabriolet. Zwei Einzelstücke, die irgendwo zwischen Sportwagen, Haute Couture und Kunstobjekt einzuordnen sind.

Beide basieren auf dem Porsche 911 der Baureihe 964, beide sind Einzelstücke und beide dürften ungefähr so viel kosten wie eine prächtige Finca mit Pool auf Ibiza. Preise nennen Singer und Louis Vuitton zwar nicht. Oder nur jenen, die es sich leisten können.

Schuld ist eine Uhr

Angefangen hat alles eigentlich mit einer einfachen Frage. Singer fragte bei Louis Vuitton lediglich wegen einer mechanischen Uhr fürs Armaturenbrett an. Die Uhr wurde von La Fabrique du Temps Louis Vuitton in der Schweiz entwickelt und orientiert sich an der Tambour-Armbanduhr. Das mechanische Kunstwerk lässt sich aus dem Armaturenbrett nehmen und als Tischuhr verwenden. Rund um die Lünette stehen zwölf polierte und gravierte Buchstaben: LOUIS VUITTON. Damit hätte die Geschichte enden können.

Tat sie aber nicht. Denn plötzlich wirkten neben der neuen Uhr die normalen Porsche-Instrumente offenbar etwas profan. Also wurden Tacho, Drehzahlmesser und Zusatzinstrumente ebenfalls neu gestaltet. Allein daran arbeitete man rund ein Jahr. Danach erschienen Schalter und Knöpfe zu gewöhnlich. Also wurden sie ebenfalls überarbeitet. Und irgendwann dürfte jemand festgestellt haben, dass nun eigentlich nur noch das restliche Auto fehlt. Aus einer Armaturenbrett-Uhr wurden schliesslich zwei Porsche 911 Reimagined by Singer. Das ist ungefähr so, als würde man wegen einer neuen Kaffeemaschine ein ganzes Quartier renovieren.

Louis Vuitton auf Rädern

Der Porsche 911 Reimagined by Singer trägt Safran, Kobaltblau und Gelb. Ein rollender Louis-Vuitton-Reisekoffer, nur mit Sechszylinder-Boxermotor. Unter der Mode steckt kein Chichi, sondern ernsthafte, moderne Technik. Singer verwendet als Ausgangspunkt einen Porsche 964 und kleidet ihn mit einer leichten Karbon-Karosserie ein. Im Heck arbeitet ein luftgekühlter Vierliter-Sechszylinder-Saugmotor. Rund 420 PS treffen auf Hinterradantrieb, Sechsgang-Handschaltung und Karbon-Keramik-Bremsen.

Innere Werte

Bei diesem Porsche 911 Reimagined by Singer geht es aber um die inneren Werte. Louis Vuitton hat naturfarbenes Leder, gelbe Kontrastnähte und die berühmte Malletage-Steppung verarbeitet, die von den gepolsterten Innenauskleidungen historischer Reisekoffer inspiriert ist. Selbst die Öffnungen der Sitze greifen die Monogram-Blüten auf. Metallteile werden wie Komponenten einer Luxusuhr behandelt, rhodiniert und von Hand vollendet.

Art of Travel

Auf dem Dach thront ein eigens designter Gepäckträger. Darauf kann man wahlweise einen Louis-Vuitton-Koffer, französische Ski oder ein Surfbrett aus Eiche und Walnuss transportieren. Louis Vuitton nennt das «Art of Travel».

Fast noch verrückter ist das zweite Auto: der Porsche 911 Reimagined by Singer – Classic Turbo Cabriolet. Louis-Vuitton-Designer Nicolas Ghesquière gab ihm den Charakter einer Mischung aus Porsche 930, Luxusjacht und französischem Ferienhaus. Die Lackfarbe «Calcaire Lutétien» erinnert an den hellen Kalkstein typischer Pariser Gebäude. Dazu kommen lackiertes Holz, goldfarbene Details und ein Heckdeckel, der an ein klassisches Motorboot erinnert.

Sogar der Schalthebelsack wurde zur Handtasche: Er wird mit einem Zugband geschlossen, das von Louis Vuittons berühmter Noé-Tasche inspiriert ist. Fehlt eigentlich nur noch, dass beim Öffnen des Handschuhfachs ein Sommelier herauskommt. Als wäre das nicht verrückt genug: Unter dem Holzdeck arbeitet Singers luftgekühlter 3,8-Liter-Biturbo-Sechszylinder – eine Hommage an den Porsche 930.

Anziehen zum Autofahren

Natürlich gibt es das passende Reiseuniversum dazu. Massgefertigte Koffer, Lederjacken, Handschuhe, Sonnenbrillen, Schuhe und Helme gehören zur Inszenierung. Für das Turbo Cabriolet entstand sogar ein massgeschneiderter Fahreranzug aus Fallschirmseide. Zur herausnehmbaren Tambour-Uhr im Auto gibt es eine passende 40-Millimeter-Tambour-Automatic fürs Handgelenk.

Man muss sich das vorstellen: Man zieht den Louis-Vuitton-Fahreranzug an, schnallt die Louis-Vuitton-Uhr ums Handgelenk, verstaut den Louis-Vuitton-Koffer im Louis-Vuitton-Singer und fährt anschliessend zum Strand, um das Louis-Vuitton-Surfbrett vom Dach zu nehmen.

Louis Vuitton begann 1854 mit Reisekoffern. Singer beschäftigt sich seit 2009 damit, den luftgekühlten Porsche 911 neu zu interpretieren. Der eine perfektioniert seit Generationen das Gepäck für die Reise, der andere das Auto dafür. Der Singer x Louis Vuitton ist ein Gesamtkunstwerk über das Reisen – hemmungslos luxuriös, handwerklich wahnsinnig und vollkommen unnötig.

Bilder: Singer Vehicle Design/Louis Vuitton

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