Belles Routes

Die schönsten Strassen der Schweiz

Zu Hause ist es immer noch am schönsten. In der Schweiz gibt es mitunter die schönsten Strassen überhaupt. Die folgenden Routen sind der perfekte Spielplatz für Erwachsene, die noch Auto fahren können und wollen. Neben den Evergreens haben wir auch noch ein paar Geheimtipps für Sie. Viel Spass!

Veröffentlicht am 11.10.2026

Graubünden: Highways to Heaven

Wann der Albulapass aus dem Winterschlaf erwacht, hängt von der Schneelage ab. Doch das Warten lohnt sich. Von Tiefencastel schraubt sich der Albulapass in engen Kehren langsam nach oben, immer weiter, bis man sich in einer Mondlandschaft wiederfindet. Unser Geheimtipp: In Bergün den kleinen Abzweiger Richtung Latsch nehmen. Wenige Kilometer nur – aber Aussicht und Ruhe wirken wie Graubünden in konzentrierter Form. In La Punt öffnet sich das Engadin. Weit, ruhig, fast meditativ. Wer hier nach Zernez weiterrollt und den Ofenpass anhängt, fährt insgesamt rund 120 Kilometer durch drei völlig unterschiedliche Welten: Kurvenarbeit, Hochplateau, Nationalpark. Weniger dramatischer ist die Route über den Julierpass und kombiniert diesen mit dem Berninapass. Rund 130 Kilometer, Gletscherblick inklusive. 

San Bernardino und Splügen-Pass 

Und was ist mit dem San Bernardino und dem Splügenpass? Haben wir natürlich nicht vergessen. Die Viamala-Schlucht ist das erste von vielen Highlights der Route Thusis–Bellinzona. 

Der San Bernardino Pass ist die Alternative zum Tunnel und rund 17 Kilometer lang. Der kurze Umweg lohnt sich. Highlights: Moesola-See, lange Kurven, wenig Verkehr. Der ultimative Flow-Pass – perfekt für moderne E-Autos. Der Splügenpass nach Chiavenna ist der rauere Bruder: enger, wilder, italienischer im Charakter. Länge: rund 39 Kilometer. Wer Kurven zählen will, ist hier richtig.

Zentralschweiz: Sechs-Pässe-Spass

Andermatt ist das Epizentrum für alles, was Spass macht. Von hier startet die wohl berühmteste Runde der Schweiz: Furka, Grimsel, Susten. Rund 120 Kilometer, drei Pässe, einer unterschiedlicher als der andere.

Der Furka liefert Postkarten-Kehren, der Grimsel die herbe Berglandschaft und der Susten die perfekten Instagram-Bilder. Der Sustenpass wurde übrigens gezielt als moderne Alpenstrasse gebaut – breit, mit Galerien, Tunneln, Wasserfällen und bewusst inszenierten Blickachsen. Wie im Europapark, einfach mit natürlichen Materialien. Wer noch nicht genug hat, hängt einfach den Klausenpass von Altdorf nach Linthal an – weitere rund 45 Kilometer, Motorsportgeschichte inklusive.

Gotthard-Lukmanier-Oberalp

Weniger spektakulär, aber umso entspannter ist die Kombination aus Gotthard und Lukmanier. Erst die historische Tremola mit ihren rund 13 Kilometern Kopfsteinpflaster, dann das weite, ruhige Gleiten über den Lukmanier. Das sind rund 140 Kilometer Kontrastprogramm. Und wer dann immer noch nicht genug hat, nimmt zum Dessert ab Disentis den Oberalppass. Und endet dort, wo der Spass angefangen hat – in Andermatt.

Unser Spezialtipp: die Kombination Ibergeregg–Sattelegg. Weniger berühmt als die grossen Alpenpässe, aber fahrerisch ein kleines Kurvenparadies.

Tessin: Berg- und Talfahrt

Das Tessin beginnt erst, wenn man die Hauptstrasse verlässt. Das Verzascatal ist der perfekte Einstieg: 25 Kilometer von Gordola bis Sonogno, begleitet von einem türkisfarbenen Fluss, der fast unwirklich wirkt. Enge Kurven, pittoreske Dörfer, alte Steinbrücken und eine Landschaft, die so schön ist, dass sie zum Social-Media-Hotspot wurde. Leider hat sich das international herumgesprochen – es droht Verkehrschaos. 

Lost in Onsernone

Noch wilder wird die Landschaft im Onsernone-Tal. Locarno – Intragna – Onsernone – Spruga: rund 35 Kilometer schmale Strasse, Steindörfer und ständig das Gefühl, irgendwo falsch abgebogen zu sein. Dann sind Sie genau richtig. Hier gibt es echtes «Lost in Switzerland»-Gefühl.

Sopra und Sotto Ceneri

Im Tessin zieht es alle an den See. Nutzen Sie dieses Wissen und weichen Sie über die Bergroute über den Monte Ceneri aus. Damit bleibt man oberhalb der grossen Verkehrsachsen – mit Blick auf Lago Maggiore und Luganersee. Rund 60 Kilometer lang ist die Route von Rivera über Monte Ceneri, Mugena, Arosio, Miglieglia nach Ponte Tresa. Highlights: Hügelstrassen mit Aussicht, enge Kurven, wenig Verkehr, mediterrane Stimmung.

45 Kilometer Postkarten-Trail

Hier noch ein Geheimtipp, der eigentlich keiner bleiben sollte. Start der Route ist Lugano. Entlang des Luganersees geht es nach Morcote, einem der schönsten Dörfer der Schweiz. Weiter nach Melide, dann rauf nach Carona, über den Collina d’Oro – dem magischen Hügel, der schon Hermann Hesse inspirierte – nach Agno und wieder zurück nach Lugano. Rund 45 Kilometer Dolce Vita auf Asphalt.

Unser Spezialtipp: das Valle di Muggio. Noch stiller, noch ursprünglicher – und voller Strassen, die aussehen, als hätte sie seit den 1970ern niemand verändert.

Romandie: der milde Westen

Die bekannteste Belleroute ist natürlich die Seestrasse von Lausanne nach Montreux, die durch die wunderschönen Lavaux-Weinberge führt, die schon Prince zu einem Song inspirierte. Rund 60 Kilometer, die man beliebig verlängern kann, wenn man sich durch die alten Weindörfer treiben lässt. Je langsamer, umso schöner.

Col-lection von Aigle nach Les Diablerets

Schon mal über den Col des Mosses und den Col de la Croix von Aigle nach Les Diablerets gefahren? Wenn nicht, schreiben Sie es auf Ihre Bucketlist. Rund 70 Kilometer, sanfte Alpenstrassen statt herbe Bergstrecken, lange Kurven statt enge Kehren. Perfekt für einen GT.

Jaunpass: Genuss und Dynamik

Wenn der Col des Mosses die blaue Piste ist, dann ist der Jaunpass die rote Piste: Er verbindet das Saanenland mit Gruyères und führt durch das Pays-d’Enhaut. Rund 100 Kilometer perfekte Mischung aus Genuss und Dynamik. Und darum so beliebt bei Oldtimerfahrern. Und ja: Fondue als Boxenstopp ist Pflicht.

Ein Hurra auf den Jura

Ein echter Geheimtipp ist die Jura-Kammstrasse. Von Neuenburg geht es rund 100 Kilometer über die Höhenstrasse nach Vallorbe. Highlight unterwegs: der Creux du Van. Von Vallorbe weiter Richtung Lac de Joux, einmal um den See und durch das Vallée de Joux. Man fährt hier in eine andere Zeit, wo die Uhrenindustrie blühte – und es immer noch tut.

Wallis: gross und kompromisslos

Das Wallis ist die Heimat der höchsten Schweizer Berge. Es gibt nicht viele Wege, diese Steinhaufen auf vier Rädern zu überqueren.

Am bekanntesten ist der Simplonpass mit seinen rund 62 Kilometern breit ausgebauter Strasse. Die heutige Linienführung geht auf Napoleons Ausbau zurück – eine der ersten grossen Alpenstrassen Europas.

Wer noch höher hinaus will, nimmt den Nufenenpass (Ulrichen – Airolo). Mit 2478 Metern einer der höchsten der Schweiz – und deutlich leerer als der Gotthard. Länge: rund 38 Kilometer.

Die Strecke von Sierre hinauf nach Grimentz ist nur etwas für Profis mit Nerven. Enge Strassen, steile Felsen, absurde Kurven, kein Platz für Fehler. Aber die Fahrt lohnt sich.

Unser Geheimtipp für kleine Hatchbacks oder leichte Roadster: Moosalp & Törbel. Die Walliser Insiderlinie ist rund 40 Kilometer lang. Kleine Strassen, grosse Aussicht. Kein Tourist weit und breit.

Unser Spezialtipp: weiter ins Val d’Hérens bis Arolla fahren. Weniger bekannt als Zermatt, aber mindestens genauso spektakulär.

Ostschweiz: der geheime Spielplatz

Anstatt eines grossen Passes viele kleine Pässe, die nicht mal einen Namen haben – aber trotzdem das volle Berg-und-Talfahrt-Feeling bieten.

Bergrennen-Feeling

Gleich hinter dem Ricken fängt der Wilde Osten an. Von Wattwil geht es hoch nach Hemberg, runter die alte Bergrennstrecke nach St. Peterzell, hoch nach Dicken Richtung Schwellbrunn, runter nach Schönengrund, hoch auf die Schwägalp und wieder runter nach Wattwil. Rund 100 Kilometer, die sich anfühlen wie 300.

Rund um Appenzell: Aussicht mit Traumstrassen

Kommen Sie ein bisschen näher. Denn diese Route finden Sie in keinem Katalog. Und darum ist sie der ultimative Geheimtipp. Diese Route beinhaltet alles: Aussicht auf Seen, Flüsse, Städte, Berge, ja sogar ganze Länder. Dazu Strassen mit unzähligen, unglaublich tollen Kurven, mit kurzen Beschleunigungsabschnitten, mal hoch, mal runter. Immer so, dass man es krachen lassen kann, ohne gleich den Ausweis abzugeben. Hier ist die Route: Rorschach – Rheineck – Walzenhausen – Heiden – Trogen – Appenzell – Altstätten – Reute – zurück.

Bern und Mittelland: die unterschätzte Alternative

Nicht jede gute Strecke braucht einen Pass. Das Emmental liefert rund 80 Kilometer sanfte Hügel, überraschende Kurven und null Verkehr. Route: Burgdorf – Langnau – Trub – Napfregion – zurück über kleine Nebenstrassen. Kein Adrenalin, dafür maximaler Flow. Da hat man sich ein Cordon bleu vom Alpschwein verdient. Die Region bietet viele leckere Landbeizlis, die man zum Beispiel im aktuellen «Landbeizliführer» von Richi Spillmann findet.

Berner Oberland: der Geheimtipp

Zwischen Thuner- und Brienzersee liegen rund 75 Kilometer perfekte Kulisse. Route: Thun – Interlaken – Brienz – Meiringen. Türkisfarbenes Wasser, Berge, Licht. Eine Strecke, die man nicht fährt, sondern erlebt. Wer mehr will, fährt weiter Richtung Grimsel oder nimmt die kleine, oft übersehene Strecke ins Suldental oder Kiental – unser Geheimtipp. Reichenbach – Kiental – Griesalp: Rund 20 Kilometer Sackgasse, dafür eine der spektakulärsten Bergstrassen der Schweiz. Extrem eng und bis zu 28 Prozent Steigung. Achtung: Mautpflichtig!

Bilder: Diverse

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