Klassiker

Lola T70 – noch so eine Schönheit

Mit dem Lola T70 schicken wir den nächsten Kandidaten in den Wettbewerb um den schönsten aller Rennwagen. Haben Sie noch weitere Vorschläge?

Veröffentlicht am 21.10.2021

Eric Broadley war einer dieser wunderbaren Engländer, welche so wunderbare Auto-Geschichte schrieben. 1958 hatte er Lola gegründet und einige wirklich gute Rennwagen gebaut. Aber Lola hatte nie Geld, denn alles, was man da verdiente, wurde gleich in die Entwicklung neuer Geräte gesteckt.

Auch deshalb war die Entscheidung, quasi aus dem Nichts einen Mittelmotor-GT-Renner zu bauen, ziemlich mutig. Zwar gab es Anfang der 60er Jahre schon Porsche und Dino und Konsorten in dieser Mittelmotor-Konstellation, doch Broadley hatte grössere Pläne als die nur eher kleinvolumigen und folglich eher drehmomentschwachen Motoren, die Porsche und (Ferrari) verbauten. So ein V8 musste es mindestens sein, dachte sich Broadley.

Der Vorgänger des Lola T70: Lola Mk 6

Eigentlich ging dann alles von einem Getriebe aus, dem Type 37 von Colotti. Das Ferrari auch schon verwendet hatte, für seine Frontmotor-Transaxle-V12. Lola hatte ein Alu-Monocoque, dies Colotti und einen V8 aus dem Ford Fairlane. Darüber stülpte man dann eine Kunststoff-Karosse, die John Frayling gezeichnet hatte – und die irgendwie zum Prototypen des Mittelmotor-Sportwagen-Design wurde.

Erstmals gezeigt wurde das Fahrzeug, Lola Mk 6 GT genannt, im Januar 1963 auf der Olympia Racing Car Show. Noch ohne Antrieb. Im Juni 1963 waren dann zwei Exemplare bei den 24 Stunden von Le Mans gemeldet, wobei das eine gute Stück, Chassisnummer LGT-1, sich vom Ende des Feldes nach 151 Runden auf den 9. Rang hervor gearbeitet hatte, am Steuer Dickie Attwood und David Hobbs. Das war es dann auch, nach einem Unfall schied Attwood aus.

Aber Attwood sagte später, dass es schon ein besonderes Gefühl gewesen sei, ein Fahrzeug fahren zu dürfen, das eine Revolution bedeutete. Denn dann kam: Henry Ford II.. Der wieder ein Renn-Programm ins Leben rief, der Ferrari kaufen wollte, der unbedingt in Le Mans gewinnen wollte.

Mit dem Geld von Ford gebaut: Lola T70

Ford baute sich im englischen Slough ein eigenes Entwicklungsteam auf – und kaufte mal als erstes den Lola Mk 6 GT. Also: jenes Fahrzeug, das in Le Mans am Start war sowie jenen Prototypen, der in London ausgestellt worden war. Und Eric Broadley gleich noch dazu. 18 Monate später war der Lola-Gründer dann zwar schon wieder weg, weil er doch lieber selbständig arbeitete; mit dem Geld von Ford startete er das Abenteuer Indy 500 und konnte 1966 schon seinen ersten und einzigen Sieg feiern, Graham Hill sass am Steuer des Lola T90. Und Ford kam vom Lola Mk 6 zum GT40, das ist eine schöne Geschichte, Sie können sie in aller Ausführlichkeit nachlesen, hier.

Und noch einen wichtigen Erfolg konnte Broadley für sich verbuchen vom Ford-Geld: den T70. Das war ein grossartiges Gerät, bei den 24 Stunden von Daytona 1969 gewann der Lola in den Händen von Donohue/Parsons, Rang zwei schaffte der Schauspieler James Garner, bekannt etwa aus «Detektiv Rockford». Ein aussergewöhnlicher Erfolg, denn die Konkurrenz von Porsche, Ford und Alfa Romeo sowie Fahrern wie Jo Siffert, Vic Elford oder Brian Redman war damals stark.

Ist der Lola T70 der schönste Rennwagen?

Vom T70 entstanden in mindestens drei Versionen (Mk II, Mk III und Mk IIIb) etwas über 100 Stück (andere Quellen sprechen von 88). Zuerst gab es ihn als Spyder - und damit wurde John Surtees 1966 Sieger der CanAm-Serie. Die Coupé konnten lange davon profitieren, dass sie mit 5-Liter-Motoren antreten durften (meist von Ford), weil mehr als 25 Exemplare gebaut worden waren, doch ab 1969 mischte ja dann auch der Porsche 917 mit, damit war es vorbei mit der Lola-Herrlichkeit.

Aber er ist und bleibt wunderschön, der Lola T70. Deshalb darf er auch bei unserem kleinen Wettbewerb um den Preis für den schönsten Rennwagen mitmachen. Die Konkurrenten heissen bislang Abarth SE 010 und Chevron B16 - wir warten gespannt auf weitere Vorschläge.

Text: Peter Ruch; Photos: RM Sotheby's. Das gute Stück (#SL73/111), das wir hier zeigen, wird von RM Sotheby's am 19. November 2021 in Le Castellet versteigert.

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