Test Porsche Panamera 4S e-Hybrid

Mehr Leistung – mehr Vernunft?

Wer hat schon an einem Künstlereingang auf seinen Star gewartet und gestaunt, wie normal und unscheinbar selbst die grössten Bühnenstars in Strassenkleidung und natürlichem Licht daherkommen? Mit dem e-Hybriden von Porsche verhält es sich ähnlich.

Veröffentlicht am 17.03.2021

Im hellen Tageslicht, unterwegs von der Wohngemeinde in die Agglomeration der Stadt, in das Büroquartier, mitten unter der Woche, ist der Fünftürer ein sehr passabler «Commuter» – und als Hybride ein leiser dazu. Dank seiner Reichweite von einer durchschnittlichen Pendlerdistanz mit etwas um 50 Kilometern, ist es gut möglich, dass sich der Panamera sich nicht ein einziges Mal richtig zu Wort melden wird.

Porsche Panamera 4S e-Hybrid Sport Tourismo – langer Name für ein grosses Auto

 

Lass es raus!

Aber, sollte die Kraft fossiler Brennstoffe abgerufen werden und der Dreiliter-V6 springt an, dann macht er dies bestimmt nie unbemerkt. Die akustische Präsenz ist ausgeprägt. Und keine Frage, sie lässt sich auch noch zusätzlich akzentuieren – mittels verschiedener Fahrmodi. Eine Flüsterlimousine, das ist der Panamera nur im reinen E-Betrieb. Allerdings, sind E- und B(enzin)-Kraft geeint am Wirken, dann wird der relativ bescheidene Hubraum des V6 von nur drei Liter – es gilt sich gewahr zu werden, dass dieses Auto leer 2,3 Tonnen wiegt – zweitrangig. Was zählt ist die Kraft von 560 PS Systemleistung. Dafür zeichnen der Verbrennungsmotor mit 440 PS, die E-Maschine mit 136 PS verantwortlich. Dazu kommt der satte Durchzug dank des Drehmoments von 550 Nm beim V6 und 400 Nm des permanent erregten Synchronmotors, übrigens ein Aussenläufer. Das heisst, der Rotor dreht aussen, als Ring um den Stator herum statt umgekehrt. Die Arbeitsgemeinschaft bringt es auf ein Systemdrehmoment von gewaltigen 750 Nm, die aus dem Drehzahlkeller heraus zur Verfügung stehen. Dann läuft der Panamera 4S e-hybrid zu Hochform aus, dann ist fertig mit Zurückhaltung und Unscheinbarkeit.

Gut getarnt: Vom 2,9-Liter V6-Motor ist unter viel Plastik kaum etwas zu sehen. Dessen Leistungswerte können sich hingegen sehr wohl sehen lassen.

 

Unverschämt sportlich

Man wird es im 4S e-hybrid kaum bereuen, nicht in einem Sportzweisitzer Platz genommen zu haben. Im Gegenteil. Nichts kann der Panamera besser als einem versichern, dass er ein Sportwagen mit ausgeprägten Langstrecken-Eigenschaften ist. Das bemerkenswerte an ihm: er kann so vieles – wir erinnern uns an den Star am Bühneneingang – und das sogar ziemlich gut. Lenkung, Fahrwerk und Bremsen – der Panamera Sports Tourismo ist ein hoch fahraktiver Kombi, falls man ihn dazu auffordert. Er meldet seine Befindlichkeiten in schnell gefahrenen Kurven, beisst sich beim Herausbeschleunigen in den Belag, begleitet von hübschen Klängen, da steckt viel gute Unterhaltung drin. Geht es jedoch darum, Kilometer auf der Autobahn zu fressen, kann er auch das – ohne dass er einem unterwegs über mehr oder weniger glatten Asphalt prügelt. Dafür sorgt die Luftfederung. Und als e-Hybrid schleicht er sanft und unauffällig durch Wohnquartiere oder Tiefgaragen. Dort ist es eher derjenige am Lenkrad, der laut werden könnte. Das Auto ist mit 1,93 Meter recht ausladend, Ein- und Aussteigen in einer Parklücke eine echte Challenge, Sport gibt's auch hier.

Sollte, müsste, könnte

Die Qualitäten des Panamera werden also durch den Hybridantrieb nicht geschmälert. Klar schlägt sich die 17.9 kWh-Batterie auf das Gewicht nieder. Aber es gab im Testverlauf nie den Moment, in dem der Hybrid als Nachteil empfunden wurde. Als S gibt es genügend Leistung, mit 140 km/h im reinen E-Modus gilt dies auch für die mögliche Geschwindigkeit über Schweizer Autobahnen. Unterwegs mit der Kraft der zwei Herzen bringt es der 4S e-Hybrid auf 298 km/h. Dazu beschleunigt er in klitzekleinen 3,7 Sekunden von 0 auf 100. Apropos, wer sich zum eingebauten 7,2 kW Ladegleichrichter durchringen kann – eine Option, Serie ist einer, der nur 3.6 kW pro Sunde  schafft – darf auch mit vernünftigen Ladezeiten rechnen. Bleibt die Frage, ob es denn diesen Hybriden braucht? Die Frage beantworten wir lieber so: Wer sich für einen Plug-In begeistern kann, ist mit dem Panamera 4S E-Hybrid vortrefflich bedient.

Text: Martin Sigrist / Bilder: Vesa Eskola

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