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Mercedes EQE 500 4Matic – die (Wieder-)Geburt

Der Mercedes EQE 500 4Matic führt vor Augen unter welchem Druck die Automobilindustrie aktuell steht. Und auch, dass unter ebendiesem Druck häufig dann auch Diamanten entstehen. Denn die kleine elektrische Oberklasse ist nicht weniger als die Wiedergeburt der Marke in ein völlig neues Zeitalter.

Veröffentlicht am 15.04.2022

Alle reden von Elektrifizierung, alle reden von Tesla. Mit Spaltmassen und unerschütterlicher Qualität darf man diesem beinahe religiösen Zirkel nicht kommen. Stattdessen muss man ein gutes Produkt liefern. Vollelektrisch, eh klar. Der Druck nicht als ewiggestriger Loser abgestempelt zu werden ist enorm. Noch enormer, weil die Entwicklungskosten nicht nur eben jene Positivwahrnehmung bei den Strom-Jüngern decken müssen, sondern auch all jene Werte, deren festhalten für viele antiquiert wirken mag. Doch Solidität, Langlebigkeit und Unaufgeregtheit sind eben auch Markenwerte von Mercedes. Und dies nicht erst seit gestern. Sondern von Anfang an. Schliesslich haben sie das Auto erfunden.

Kann Mercedes das Auto noch einmal erfinden?

Was man mit EQC, EQV, EQA und EQB eher verkrampft auf einer konventionellen Verbrenner-Plattform zusammengewürgt hat ist eines Mercedes nicht würdig. Das wissen nicht nur die Käufer, die für jene Modelle nicht gerade Schlage stehen, das wissen auch die Herren in Stuttgart. Aber Eva war noch nicht fertig. EVA steht für Electric Vehicle Architecture und ist damit gleichbedeutend mit einer Zeitenwende. Bei ihr ist alles auf Strom ausgerichtet. Keine Kompromisse. Nur saubere Ingenieurslösungen die zu dem einen Ziel führen: Maximale Effizienz bei höchstem Komfort.

Der grosse EQS war der erste Streich auf dem neuen Unterbau. Der von uns kurz getestete Mercedes EQE 500 4Matic der zweite. Und vielleicht der viel bessere. Denn er profitiert von einer Zwangslage, die es in dieser Art bisher nur selten gab in der Autoindustrie. Der angesprochene Druck und das Kostendiktat der Plattform-Neuentwicklungen zwangen Mercedes beide Modelle auf der schönen Eva aufzubauen. Mit dem Ergebnis, das S und E nicht nur für den Laien kaum auseinanderzuhalten sind, auch die den Fahrzeugcharakter wesentliche beeinflussenden Komponenten sind in beiden Modellen gleich.

Dem S-Klasse-Kunden ist das günstige Angebot egal

Natürlich darf der EQS-Kunde seine Superlative behalten. Höchste Reichweite, mehr Ladeperformance, grössere Batterie und noch ein bisschen mehr Luxus. Es sind aber Nuancen. Nuancen, die im Alltag keine grosse Rolle spielen. Und die den EQE zu einem unglaublich guten Auto machen.

Es beginnt beim Einsteigen. In unserem Mercedes EQE 500 4Matic spannt sich hinter dem Lenkrad der 1:1 übernommene Hyperscreen von Spiegel zu Spiegel. Auch das Sportlenkrad kennt man aus dem grossen Bruder. Selbstredend ist ein bisschen weniger Luft an Ellbogen und Scheitel, doch das Raumangebot übertrifft dennoch das der konventionellen E-Klasse, sprich: es ist mehr als reichlich vorhanden.

408 PS treten mit leidenschaftlichem Einsatz an

Das gilt auch in Sachen Leistung. Der Mercedes EQE 500 4Matic kommt wie der Name sagt mit Allradantrieb, verfügt also entsprechend über zwei Motoren. Die Verschaltung der Triebwerke funktioniert nach einer komplexen Matrix, die über 300 Mal pro Sekunde neu berechnet wird. In Summe drücken dann bis zu 408 PS und 858 Newtonmeter nach vorne. Und das so ansatzlos, dass es jedes Mal aufs Neue begeistert. Denn neben der schieren Beschleunigung ist es die Dosierbarkeit die beeindruckt. Im Gegensatz zu den hoch aufgeladenen Verbrennern dieser Tage kann man den Charakter des EQE 500 von Bestie zu Lämmchen in extremer Auffächerung selbst bestimmen.

Das gilt auch für sein Fahrverhalten. Mit der optionalen Airmatic in Kombination mit der Hinterachslenkung spielt er die Vorteile seine Plattform voll aus. Entkoppelte Fahrschemel, ausgeschäumte Karosserihohlräume, ja sogar extra abgedichtete Türgriffe, damit auch die letzten Störfrequenzen herausgefiltert werden – alles mit dem Ziel der maximalen Entkopplung. Und auch wenn unsere Testfahrt nur relativ kurz gewesen sein mag: Das Wesen des Mercedes EQE 500 4Matic war direkt zu erkennen. Er ist eine absolute Sänfte. Um im nächsten Moment zu einem agil einlenkenden und gnadenlos abdrückenden Sprinter zu werden.

Die Wandelbarkeit ist ein unvorhergesehenes Talent des EQE

Die Dynamisierung des Stromers war ein wichtiger Punkt in der Differenzierung zum EQS. Der kleinere Strom-E muss einfach ein bisschen dynamischer sein. Und er macht seine Sache gut, die Maskierung des Adaptiv-Fahrwerks in Kombination mit den auch hinten gelenkten Rädern funktioniert bestens. Man wähnt sich schnell in einem deutlich kleineren Auto und erfreut sich an der möglichen Dynamik.

Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Auch der beste ingeniöse Kunstgriff kann 2,5 Tonnen Lebendgewicht nicht wegdiskutieren. Schon gar nicht am zu schnell angegangenen Kurveneingang. Dann greift die Physik mit Macht nach dem Stuttgarter Stromer, auch wenn sich dessen Reifen und elektronischen Rettungsanker vehement gegen den Abflug wehren. Eine Wiedergeburt macht eben noch lange nicht unsterblich.

Dennoch ist die Summe aller Talente des Mercedes EQE 500 4Matic bemerkenswert. Natürlich wird man das Modellprogramm in Stuttgart noch weiter auffächern, doch die Kombination aus E und 500 steht seit Jahrzehnten für unangefochtene Souveränität. Und das bleibt auch im E-Zeitalter so.

Batterieleistung auf gutem Niveau

Weil die technische Leistung der Batterie eines Stromers erst im intensiven Praxistest wirklich aussgekräftig geprüft werden kann, haben wir vorab nur die harten Fakten. Das Batteriepaket entsprecht dem des EQS, allerdings sind statt 12 nur noch 10 Module verbaut. Die Kapazität verringert sich deshalb auf nutzbare 90 kWh. Damit soll es der EQE 500 nach Norm 590 Kilometer weit bringen. In der Realität kaum möglich, approximiert auf unseren Kurztestverbrauch halten wir aber 400 bis 450 Kilometer in jeder Situation für möglich.

Geladen werden kann an AC mit 11 kW oder optional mit 22 kW. Am Gleichstrom-Schnellader sind es 170 kW, die erstmal nicht nach viel klingen, doch die Ladekurve verläuft flach und entsprechend lange kann der EQE mit hohen Ladeleistungen glänzen. Er dürfte sich hier nicht viel hinter den Spitzenreitern am Markt verstecken müssen.

Einen Preis gibt es für den 500er leider noch nicht. Denn zum Marktstart werden erst 350+ und AMG 43 kommen. Erst später wird der von uns gefahrenen Mercedes EQE 500 4Matic nachgeschoben, flankiert vom AMG 53, der das Topmodell markieren dürfte.

Text: ai Online Redaktion/DF/FM
Bilder: Mercedes-Benz

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