Elektro

Rolls-Royce Spectre – Flüsternder Luxus

Der erste vollelektrische Rolls-Royce heisst Spectre. Das fast fünfeinhalb Meter lange, drei Tonnen schwere Super-Coupé dürfte allerhöchste Luxusansprüche mit seinem E-Antrieb noch besser bedienen können. Selbstverständlich zu einem überirdischen Preis.

Veröffentlicht am 20.10.2022

Wenn profane Hersteller in die Elektromobilität starten, taten sie das heute in der Regel mit SUVs oder Crossover. Klar, die grosse und schwere Batterie fällt hier nicht so stark ins Gewicht, und etwas Praxisnutzen muss ja auch sein. Doch mit den profanen Unternehmungen des Pöbels hat Rolls-Royce nichts am Hut. Jetzt, wo der Entwicklungsstandard der E-Mobilität laut eigener Aussage auch den hauseigenen Ansprüchen genügt, bringt man erst einmal ein Coupé. Mit eingeschränkter Praktikabilität auf viel Fläche der Inbegriff von Luxus. Und der lässt sich mit Flüsterantrieb einfach noch besser geniessen. (Das genaue Gegenteil: Microlino Lite erlaubt Fahren ab 16.)

830 Stunden Feinarbeit an der Kühlerfigur

Als geistiger Nachfolger des Phantom Coupé hält sich der Spectre recht dicht ans typische Rolls-Royce-Design. Vorne prangt der breite, von 22 LEDs hinterleuchtete Pantheon-Grill mit aerodynamisch geformten Stäben. Auch die Kühlerfigur «Spirit of Ecstasy» wurde in 830-stündiger Arbeit windschlüpfriger gestaltet. Insgesamt soll der Spectre einen Fabel-cw-Wert von nur 0,23 aufweisen. Angst, dass der Spectre deswegen weniger ehrfurchtgebietend daherkommt, muss man aber keine haben. 5,45 Meter Länge, 2,01 Meter Breite und satte 3,21 Meter Radstand sprechen eine deutliche Sprache.

Scheinwerfer à la BMW

Weniger deutlich ist es bei den Scheinwerfern. Die zweigeteilten vorderen Leuchteinheiten sollen die Äquivalente des Vorgängers zitieren, erinnern aber sehr stark an die neuen 7er, XM und X7 von Konzernmutter BMW. In den Radhäusern drehen sich gigantische 23-Zoll-Felgen, während das Heck mit ungemein schmalen LED-Leuchten aufwartet. Im inaktiven Zustand sind sie farblos, um nicht mit den vermutlich extravaganten Farbwünschen der Kundschaft in Clinch zu geraten – kein Scherz.

Sternenhimmel von der Seite

Das Cockpit wartet mit einer Erweiterung des Sternendachhimmels auf. Jetzt sitzen auch in den Türen LEDs, und zwar insgesamt 4796 Stück. Die Sitze wurden im Hinblick auf maximale Individualisierungsmöglichkeit ebenfalls neu gestaltet. Überhaupt kann im Cockpit wirklich alles individualisiert werden. Sogar die Anzeigen lassen sich den genauen Farbwünschen anpassen. Ein Muss, schliesslich ist der Spectre nicht einfach nur ein Luxuscoupé, sondern ein «ultra-luxuriöses elektrisches Super-Coupé», wie Rolls-Royce sagt.

Batterie als Geräuschdämmung

Da darf es dann auch ein bisschen mehr Leistung sein. 585 PS und 900 Nm Drehmoment sind es genau, die den Koloss in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h bugsieren. Bei drei Tonnen Leergewicht ein respektabler Wert. Rund 0,7 Tonnen davon steuert die Batterie bei. Rolls-Royce münzt deren schiere Masse in einen Vorteil um und spricht von «700 Kilogramm Geräuschdämmung im Unterboden». Kann man so sehen. Und tatsächlich dürfte der elektrische Antrieb perfekt zur Marke passen. Denn es ist doch nichts luxuriöser, als in einem absolut stillen, wohligen Kokon dahinzugleiten. Schliesslich geben auch die noch aktuellen V12-Motoren kaum Geräusche von sich, ein E-Antrieb ist da nur der logische nächste Schritt.

Test in Südfrankreich

Rund 520 Kilometer weit soll man mit einer Ladung etwa kommen. Details zu Batteriekapazität, Reichweite und Ladeleistungen stehen aber noch aus, die sollen in der zweiten Jahreshälfte 2023 kommen. Bisher habe man schon 2,5 Millionen Testkilometer abgespult. Einen Grossteil davon an der französischen Riviera, wo besonders viele Kunden unterwegs sein werden.

Preise ab rund 400.000 Franken

Bestellbar ist der Spectre schon, die Auslieferungen beginnen Ende 2023. Preislich soll er zwischen Cullinan und Phantom liegen, also bei etwa 400.000 Franken. Bis 2030 will man nur noch vollelektrische Autos anbieten. E-SUVs gehören dann vermutlich auch zum Programm.

Text: Moritz Doka
Bilder: Rolls-Royce

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