Porsche forscht: Synthetisches Benzin

Synthetisches Benzin für Oldtimer

Trotz der ganzen Elektroeuphorie bleibt man bei Porsche nüchtern. Denn ob die Umstellung so reibungslos klappt, wie man glaubt, steht in den Sternen und ausserdem wird auch in weiter Zukunft ein grosser Teil des Autofuhrparks mit Benzin oder Diesel betrieben werden. Nachhaltigkeit bedeutet auch, noch funktionierende Fahrzeuge nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie weiter zu betreiben. Und insbesondere rollendes Kulturgut wie Oldtimer braucht auch weiterhin Benzin ...

Veröffentlicht am 12.12.2020

Der Umbau von Oldtimern zu Elektroautos ist jedem Freund des alten Blechs ein Greuel und steht jeglichem Bestreben, technisches Kulturgut der Nachwelt zu erhalten, entgegen. Synthetische Kraftstoffe könnten auch in Zeiten von Verboten und Einschränkungen für Verbrennungsmotoren – auch wenn es Ausnahmeregelungen für Oldtimer geben wird – eine realistische Alternative sein. Nur gibt es sie bisher kaum. Porsche will das jetzt ändern.

Porsche will die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe – sogenannter eFuels – künftig selbst massgeblich vorantreiben. Die Technologie sei vor allem deshalb so wichtig, weil der Verbrennungsmotor die Autowelt noch viele Jahre dominieren werde, sagt Entwicklungsvorstand Michael Steiner. „Wenn man die Bestandsflotte perspektivisch nachhaltig betreiben will, dann sind eFuels ein elementarer Bestandteil“, betont er.

„Wir haben ein Team, das nach geeigneten Partnern sucht, die mit uns Pilotanlagen bauen und den Nachweis führen wollen, dass die gesamte Prozesskette funktioniert und industrialisierbar ist“, so Steiner. Man wolle diese Kette mitgestalten, sie aber auch nicht bis ins kleinste Detail allein definieren.

eFuels werden mit Hilfe von regenerativer Energie aus CO2 und Wasserstoff hergestellt. Sie unterscheiden sich in ihren Grundeigenschaften nicht von Kerosin, Diesel oder Benzin aus Erdöl. 

„Unsere Autos werden sehr, sehr lange gefahren“, betont Steiner. Und selbst Hybrid-Fahrzeuge, die irgendwann auch Oldtimer sind, würden von einem Verbrenner angetrieben.

Daran, den reinen Verbrennungsmotor aus dem Programm zu nehmen und nur noch auf Hybride und Elektroautos zu setzen, denkt Porsche nicht. Die Autoentwickler sind – nicht nur bei Porsche – der festen Überzeugung, dass es in Zukunft mehrere Antriebstechnologien geben  wird. Die Brennstoffzelle ist dagegen kein Thema für Porsche.

 

Fiasko wie beim E10 vermeiden

Auf die Spezifikationen eines neuen synthetischen Kraftstoffs möchte Steiner Einfluss nehmen können: „Wir wollen unbedingt mit spezifizieren, damit dieser Kraftstoff so tauglich ist, dass er auch für Hochleistungsmotoren funktioniert.“ Probleme wie bei der Einführung von E10 dürften sich nicht wiederholen. Denn das E10 war für viele Motoren unverträglich, die Unsicherheit gross, ob der Oldtimer keinen Schaden nimmt. Daher wurde es links liegen gelassen. Oldtimerfahrer tanken immer teureres, hochoktaniges Benzin ohne E-Zusatz.

Theoretisch wäre es effizienter ist, ein Elektroauto an Ort und Stelle zu laden, als damit in einem aufwendigen Verfahren einen synthetischen Kraftstoff herzustellen. Trotzdem bleiben Elektroautos benachteiligt aufgrund der begrenzten Reichweite, den langen Ladezeiten und mit ungelösten Umweltfragen bei der Rohstoffgewinnung – und auf Elektro umgebaute Veteranen werden von der Szene nie und nimmer akzeptiert. „Wenn es uns gelingt, als Menschheit die weltweit betrachtet im Überschuss vorhandene regenerative Energie zu nutzen, können wir die Nachhaltigkeit höher priorisieren als die Effizienz.“

Für die Flottenwerte würde die Nutzung von eFuels aktuell allerdings nichts bringen. „Für uns wäre es hier und heute tatsächlich in der Fahrzeugflotte nicht anrechenbar“, sagt Steiner. „Es gibt aber Länder wie die Schweiz, die in diese Richtung agieren.“ Erst einmal auf neue rechtliche Vorgaben zu warten, hält Steiner für falsch. „Wenn wir alle immer warten, bis alle regulatorischen Themen erledigt sind, und dann erst anfangen zu entwickeln, ist es zu spät.“

Das sind somit gute Neuigkeiten, dass die Stuttgarter die Oldtimerfahrer und alle anderen, die ihr Fahrzeug nicht gegen ein E-Auto eintauschen wollen oder können, mit zielgerichteter Forschung unterstützt. Danke Porsche!

Text: Stefan Fritschi
Fotos: Porsche

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