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Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2021 – der Live-Bericht

Nach einem Jahr Pause startet der Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2021 in diesem Jahr wieder am gewohnten Ort. Auch das Wetter spielt noch mit. Wir berichten den Tag über live vom Comer See und zeigen die schönsten Exponate.

Veröffentlicht am 03.10.2021

Der Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2021 ist mehr als nur ein Treffen der Reichen und Schönen. Es ist vor allem die Zurschaustellung der schönsten Automobile der Welt. Wir werden Sie live mit auf unseren Rundgang nehmen und die spannendsten Exponate in einer Scroll-Galerie präsentieren.

1959 BMW 507

Wir stellen den BMW 507 sicher auch ganz nach oben als Dankeschön an den Veranstalter von Villa d’Este. Zwar weiss man nicht genau, wie es weitergehen wird mit dieser neben Pebble Beach wichtigsten Klassiker-Veranstaltung, doch man durfte am Comersee heraushören, dass der Concorso d’Eleganza vorerst noch eine Zukunft hat. Und das ist gut so, es braucht nicht nur ein Gegenstück zu den überrestaurierten amerikanischen Schaustücken - es ist wichtig, dass die Tradition bewahrt wird, das Publikum weiterhin aussergewöhnliche (italienische) Fahrzeuge bewundern kann.

Ja, der BMW 507 ist ein wunderschönes Fahrzeug (mehr dazu gibt es: hier). Dieses Exemplar, das 238. von 254 gebauten Exemplaren, wurde extra für den Anlass in Villa d’Este wieder auf seinen originalen Zustand restauriert. Was auch schön ist.

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1968 Howmet TX

Wir geben es zu: Wir haben noch gar nie vom Howmet TX gehört oder gelesen. Und es ist doch schön, wenn man dann und wann etwas lernen kann.

Ja, manchmal tut es auch gut, wenn man die ausgetretenen Pfade verlassen will. Ende der 60er Jahre war der Rennfahrer Ray Heppenstall überzeugt, dass eine kompakte Gas-Turbine in einem Rennwagen siegbringend sein könnte. Zusammen mit Bob McKee konstruierte er den Howmet TX (Howmet war der Sponsor des Projekts), der von einer nur 77 Kilogramm schweren Helikopter-Gasturbine angetrieben wurde.

Es gab zwei Stück vom Howmet TX. Und diese beiden gewannen auch zwei Rennen. Nicht die grossen Legenden, doch in Le Mans, daytona, Sebring sahen die Amerikaner auch nicht schlecht aus. Präsentiert wurde das grossatige Fahrzeug in Villa d’Este von «Elvis» - der dabei auch nicht schlecht aussah (ja, das war ein Insider-Dings). Es gibt auf unserer Facebook-Seite auch noch ein Video, wie das Ding angeworfen wird.

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Die Hypercars der 90er-Jahre

Gerne, sehr gerne hätten wir auch den Jaguar XJR-15 gesehen, der angekündigt war in der Klasse der Hypercars der 90er-Jahre. Doch leider war er nicht da. Den Ferrari F50 haben wir nicht fotografiert, den sieht man ja quasi an jeder Veranstaltung. Aber dafür den Porsche 911 GT1, der so gar nicht nach 911 aussieht, von dem auch nur zwei Stück entstanden. Das andere Exemplar steht bei Porsche im Museum.

Etwas häufiger gebaut wurde der Mercedes-Benz CLK GTR - es gab doch immerhin 20 Stück der Strassen-Version (dies ist Nummer 8 davon), dazu kamen 2002 noch fünf Roadster. Ja, 6,9 Liter Hubraum, 12 Zylinder, grob:

Da ist der Isdera Commendatore 112i deutlich seltener: es gibt nur genau diesen. Eigentlich wollte Eberhard Schulz ja eine kleine Serie bauen, doch der absurde Preis von einer Million D-Mark stand dem Projekt leicht im Weg. Trotzdem, der nur 1,04 Meter hohe Commendatore, der von einem 6-Liter-V12 von Mercedes angetrieben wird, hat sich seinen Platz in der Automobil-Geschichte redlich verdient.

Die Preise für die Bugatti EB110 haben zuletzt deutlich angezogen (und für die EB110 SS noch mehr). Dieses Fahrzeug gehörte einst dem Firmengründer Romano Artioli (und war original eigentlich silbern).

Und dann unbedingt: McLaren F1. Der Engländer war derart das Über-Auto der 90er-Jahre, dass es für die anderen Hersteller schon fast peinlich sei musste. 78 Exemplare wurden gebaut, dies ist die Nummer 12. Heute wirkt das nicht mehr so total spektakulär, tja, bis man auf die Preise schaut, die bezahlt werden. Und ja, man verneigt sich so ein bisschen in Ehrfurcht.

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1964 Alpine M64

Am 21. Juni 1964 gewann genau diese Alpine M64 ihre Klasse bei den 24 Stunden von Le Mans. Und kam auf den 17. Gesamtrang (direkt hinter einem Ferrari 250 LM). Und: die Alpine gewann auch den Effizienz-Preis - dies mit einem Verbrauch von nur 11,2 Litern.

Drei Stück der Alpine M64 gab es. Sie mussten später als Versuchsballone für ihren Nachfolger, den A210, dienen, wurden immer wieder umgebaut, denn Geld hatten die Franzosen ja nicht. Heute präsentiert sich dieses Fahrzeug deshalb auch nicht mehr in der Ur-Form von 1964, sondern deutlich aerodynamischer. Man mag es dem amerikanischen Besitzer nachsehen.

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1957 Fiat 500 Abarth Pininfarina

Eigentlich hatten wir ja das Gefühl, so dies und das von Abarth zu verstehen. Und dann steht da in Villa d’Este ein Fahrzeug, von dem wir noch nie gelesen haben. Geschweige denn: es gesehen. Was auch nicht weiter wundert, denn der erste Besitzer kaufte den Fiat 500 Abarth 1958 direkt von Pininfarina, fuhr ihn zehn Jahre, stellte ihn dann (mit 7000 Kilometern auf dem Tacho) weg. Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat der 3,3 Meter lange Zwerg jetzt wieder einen öffentlichen Auftritt (kann uns jemand etwas über die Zitro Collection erzählen?).

Seinen ersten Auftritt hatte der Fiat 500 Abarth Pininfarina 1957 auf der Motor Show in Turin. Es heisst, dass Carlo Abarth Pininfarina auch gleich sein erstes Tuning-Kit für den Nouva 500 geliefert habe. Was wir bezweifeln mögen, denn Abarth hatte ja schon da seine eigenen Eisen im Feuer.

Aber eben: mehr Abarth hier.

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Lamborghini

Klar, mit dem wiedergeborenen Countach LP500 verfügt Lamborghini über den absoluten Star von Villa d’Este (die ganze Story: hier). Doch da ist selbstverständlich noch mehr, den Countach LP400S als Walter Wolf Special sieht man ja auch nicht alle Tage. Walter Wolf, Öl-Baron und F1-Team-Besitzer, war der Countach zu wenig aggressiv, zu langsam - und deshalb erarbeitete er zusammen Gian Paolo Dallara eine doch heftigere Variante mit 5 Liter Hubraum und 500 PS sowie reichlich Anbauteilen. Das hier gezeigte Exemplar ist noch ein Prototyp.

Und dann ist da natürlich der unvermeidliche Miura. Wir rätseln noch ein bisschen, um welche Chassisnummer es sich bei diesem 400 S handelt, wahrscheinlich ist es #4650. Aber entweder stimmen die Angaben auf der Beschreibung nicht - oder es handelt sich um einen anderes Fahrzeug. Aber wir bleiben da dran.

Wer alles über alle Miura wissen will, dem empfehlen wir diesen Link hier.

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Ferrari

Klar, Ferrari gab es so einige in Villa d’Este. Wobei das schönste und aussergewöhnlichste Stück gar nicht am Wettbewerb teilnahm. Aber diese Geschichte haben wir ja schon erzählt, hier. Doch weil man Ferrari ja immer gerne sieht, wollen wir hier ein paar zeigen - und beginnen mit dem wohl interessantesten Teil, dem Ferrari 250 GT «Tour de France»:

Es geht weiter mit noch einem wunderschönen Fahrzeug, einem Ferrari 250 GT California SWB:

Und dann haben wir auch einen aussergewöhnlichen Ferrari 400 Superamerica:

Da war auch noch ein Daytona. Aber der stand auf keiner Liste. Vielleicht war er einfach noch da von einer früheren Veranstaltung:

Heftig schliesslich: der 512 BB LM. Laut, sehr laut.

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1950 Alfa Romeo 6C 2500 Supergioiello

Er stand da in Villa d’Este etwas im Schatten, der Alfa Romeo 6C 2500 Supergioiello von 1950. Und vielleicht auch deshalb ist er unser Favorit (dicht gefolgt vom Siata, siehe unten). Ein wunderschönes, sehr elegantes Fahrzeug.

Und eines, von dem man relativ wenig weiss. Klar, die Alfa Romeo 6C 2500 waren auch nach dem 2. Weltkrieg noch «state of the art». Hier haben wir es aber mit einem Exemplar zu tun, dessen Chassis nicht von Alfa Romeo stammt, sondern von Gilco.

Und der Aufbau kommt von Ghia, wo man in den 50er-Jahren eine nur sehr kleine, sehr feine Reihe von Supergioiello (Super-Juwelen) auflegte, denen man alles mitgab, was damals gut und teuer war. Wir werden noch versuchen, diesem Fahrzeug besser auf die Spur zu kommen.

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1954 Siata 208 CS

Siata war federführend gewesen bei der Konstruktion des 2-Liter-Achtzylinders für den Fiat 8V (siehe unten). Und durfte den grossartigen Motor auch für seine eigenen Produkte verwenden.

Dieses Fahrzeug hier wurde als einziger Siata 208 von Bertone eingekleidet (und gezeichnet von Giovanni Michelotti). Und wer mehr von Siata wissen will: hier.

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1953 Fiat 8V

Ach, der Fiat 8V. Dazu gibt es hier so einiges nachzulesen. Und zu sehen.

Dieses sehr schöne Exemplar mit der Zweiton-Lackierung wurde von Vignale eingekleidet.

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1954 Moretti 1200 GS

Giovanni Moretti wird unterschätzt. Während die meisten anderen italienischen Kleinhersteller Fiat-Produkte umwandelten, baute Moretti bis 1957 alles selber, also auch die Motoren. Dieses schöne Stück wird von einem 1,2-Liter-Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen angetrieben, der auf stolze 80 PS kam.

Das Design für die ebenfalls bei Moretti selber gefertigte Karosserie stammt übrigens von Giovanni Michelotti. Und der Besitzer des hübschen Fahrzeugs kam aus Griechenland angereist.

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1939 Steyr 220 Sport-Kabriolett

Steyr kennt man heute noch, aber in einem anderen Zusammenhang. Dass die Österreicher auch einmal wunderschöne Fahrzeuge bauen konnten, kann man an dieser 220 Sport-Kabriolett (nein, kein Schreibfehler) - für uns eines der schönsten, auch überraschendsten Fahrzeuge in Villa d’Este.

Der Aufbau stammt von Gläser aus Dresden, wahrscheinlich wurden nur sechs Stück gebaut. Erster Besitzer war ein Konsul in Riga, der aktuelle Besitzer brachte den Wagen denn auch aus Lettland an den Comersee.

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1948 Isotta Fraschini 8C Monterosa

Nach dem 2. Weltkrieg wagte Isotta Fraschini mit dem 8C Monterosa einen Neuanfang. Und verbaute seinen Achtzylinder im Heck. Es entstanden fünf oder sechs Prototypen, nur zwei davon sollen überlebt haben. Dieses gute Stück mit einer Karosserie von Boneschi gehört heute dem bekannten Sammler Duccio Lopresto.

Wie man sich denken kann: der Monterosa wurde nicht zum Erfolg, Isotta Fraschini musste bald einmal die Segel streichen.

Doch was man den Italienern lassen muss: Interieur konnten sie.

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1938 Delage D8-120S

Auch Delage war einer der ganz feinen Namen der Vorkriegszeit. Doch dann geschah das Undenkbare: Delage wurde 1935 von seinem grössten Konkurrenten Delahaye aufgekauft. Und musste fortan auch die 4,7-Liter-Achtzylinder des einstigen Gegners verwenden.

Was Delage aber noch durfte: schön sein. Der Aufbau dieses Fahrzeugs aus Schweizer Besitz stammt von De Villars. Und war so elegant, dass sich die Gattin des Pariser Delage-Händlers in das Fahrzeug verliebte - und lange Jahre die beste Botschafterin für die Marke wurde.

Der Delage war viele Jahre in den USA, wurde dort auch restauriert. Ob er deshalb Reifen trägt, die irgendwie nicht so recht zu diesem Fahrzeug passen wollen?

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1925 Gräf & Stift SR4 SP

Er ist sicher eine der Sensationen von Villa d’Este, der Gräf & Stift SR4 SP von 1925. Die österreichische Marke war edel, angetrieben wurde der auf einem verkürzten Chassis aufgebaute SR4 SP von einem 7,8-Liter-Reihensechszylinder.

Dieses Exemplar wurde extra für ein damals wichtiges Bergrennen aufgebaut. Das Rennen fand nicht statt, der Wagen wurde weggestellt, nie gefahren. Und erst 1980 wieder entdeckt. Vor einigen Jahren begann eine komplette Restauration dieses wunderbaren Einzelstücks - wir werden noch berichten.

Sowohl Karosserie wie auch Motor bestehen komplett aus Aluminium. Leichtbau gab es also schon vor fast 100 Jahren.

1937 Lagonda LG45 Rapide

Heute gehört Lagonda zu Aston Martin und droht in Vergessenheit zu geraten, doch vor dem 2. Weltkrieg gehörten die Engländer ganz nach oben. Der LG45 Rapide war mit Hilfe von W.O. Bentley konstruiert worden und damals eines der schnellsten Fahrzeuge überhaupt, 160 km/h waren möglich.

Dieser schöne Tourer gehörte einst dem Schauspieler Clark Gable - und heute einem stolzen Schweizer Besitzer.

Mehr, viel mehr zu Lagonda finden Sie auch hier.

1933 Armstrong Siddeley Special Six Sports

Armstrong Siddeley ist eine eher unbekannte englische Marke, die aber mit diesem 124 PS starken  5-Liter-Reihensechszylinder durchaus mit Rolls-Royce mithalten konnte.

Der Aufbau für dieses prächtige Exemplar stammt von Vanden Plas.

1926 Hispano Suiza H6 B Dual Cow

Die spanisch-schweizerisch-französische Marke Hidpano Suiza gehörte zwischen den beiden Weltkriegen zum Besten, was für Geld zu kaufen war. Louis Grad Zborowski bestellte diese Dual-Cowl-Karosserie bei Bligh Brothers in England.

Heute gehört das Fahrzeug dem bekannten Designer Marc Newson - der damit gerne zum Einkaufen fährt.

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Der Star des Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2021: der Ur-Countach

Über den Lamborghini Countach LP500 haben wir bereits gestern berichtet, in natura präsentiert sich vor allem der Innenraum in atemberaubender Optik. Man hat sich wirklich viel Mühe gegeben dem Original bis ins kleinste Detail zu entsprechen.

Der heimliche Star: ein abseits parkender Ferrari 250 GTO von 1962

Auch das neue Geld ist an den Comer See gekommen: die Studien und Einzelstücke

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