Test: BMW Z4 M

Der Z4 spielt mit unseren Gefühlen

Sonnenanbeter, Cruiser, Sportler – der Z4 spielt mit unseren Gefühlen. Doch den gesteigerten Ansprüchen wird er gerecht. Erst recht der König der Baureihe.

Veröffentlicht am 22.01.2020
Fauchend bis zurückhaltend: Der 340 PS starke Sechszylinder hält das ganze Repertoire bereit.

Fauchend bis zurückhaltend: Der 340 PS starke Sechszylinder hält das ganze Repertoire bereit.

Frei und simpel konfigurierbar: Das Digital-Cockpit übernimmt der Z4 vom 8er und vom X5.

Frei und simpel konfigurierbar: Das Digital-Cockpit übernimmt der Z4 vom 8er und vom X5.

Optimal ausbalanciert: Mit 50:50-Gewichtsverteilung lässt der Roadster in Kurven grosse Taten folgen.

Optimal ausbalanciert: Mit 50:50-Gewichtsverteilung lässt der Roadster in Kurven grosse Taten folgen.

Fazit:
Purismus, Sportlichkeit und Cruising-Qualitäten. Der BMW Z4 M beherrscht das gesamte Repertoire. Und das erstaunlicherweise zum vernünftigen Preis – ohne Optionen.

Den Japanern sei Dank. Den Japanern? Ja, Toyota-Boss Akio Toyoda fehlte einfach eine Basis für den Supra. Und die Bajuwaren dachten über den Roadster nach. Dass die Einigung bei einer Mass Bier auf der Wiesn in BMWs Münchner Oktoberfestzelt erfolgte, legen wir mal in den Topf der Gerüchteküche ab. Auf alle Fälle schlug man so zwei Fliegen mit einer Klappe. Der eine, nämlich Toyoda, bekam seine Basis für ein Coupé und die Weissblauen hatten einen veritablen Unterbau für den Roadster, den man nach zweijähriger Ruhepause wieder zum Leben erwecken wollte. Ein durchaus cleverer Schachzug von beiden.

 

Lange Haube, kurzes Heck

Grund genug also, dem Sonnenanbeter nach dem überzeugenden Testergebnis des Supra in der ai 12/19 und noch vor dem Start in die Open-Air-Saison etwas genauer unter das in zehn Sekunden elektrisch öffnende Stoffverdeck zu gucken. Da ist zunächst einmal der Preis. Und der liegt erstaunlicherweise bei der Basisversion des Z4 M40i mit 78 500 Franken sogar leicht unter dem des Japaners, der nahezu komplett ausgestattet für 79 900 Franken angepriesen wird.

Doch wehe, man tobt sich in der Zusatzausstattung aus. Dann schnellt der Preis für den Z4 wie bei unserem Testexemplar schnell mal in Sphären von über 102 220 Franken hoch. Und dafür gibt es dann schon einen gut ausgestatteten Porsche Boxster 718.

Genug der Meckerei, die im Fall auf hohem Niveau stattfindet! Äusserlich  tritt der bayerische Zweiplätzer zwar weniger aggressiv, dafür aber eleganter auf. So elegant, dass er mit seinem massgeschneiderten Hinterteil dem Heck des 8er-BMW in nichts nachsteht. Lässt man sich dann noch von den perfekt Seitenhalt bietenden Sportsitzen vereinnahmen, sodass man meint, mit dem
Allerwertesten nur kurz über dem Asphalt zu sitzen, und den Blick über die lange Haube schweifen, ist das Roadsterfeeling perfekt.

Im klassisch gehaltenen, jetzt aber digitalisierten Cockpit pixeln die Zeiger munter in der Touren- und Geschwindigkeitsanzeige rauf und runter. Die Struktur und der Aufbau sind also klar. Das gilt ebenso für die Menüführung innerhalb des auf dem Cockpit thronenden 10,25-Zoll-Touchscreens. Der Start-Stopp-Knopf befindet sich gleich neben dem knuffigen Automatikhebel, den sich der Z4 ebenfalls vom 8er-BMW ausleiht.


Zwei Seelen

Zeit, den Reihensechszylinder wachzurütteln. Ein kurzer Aufschrei, und schon beruhigt er sich wieder. Lammfromm versieht er sein Tagwerk. Die Adaptivdämpfer federn den Zweiplätzer sanft ein, während die Achtgang-Steptronic seidenweich und kaum spürbar die Wellen wechselt. Optimal für das entspannte Cruisen unter freiem Himmel. Und was ist mit der M-Power von 340 PS/500 Nm, die unter der Haube schlummern? Ab in den Sport-Modus und die Getriebekränze über die Schaltwippen befehligen.

Sofort wechselt die Tonlage des Dreiliters, und die Adaptivdämpfer federn trocken ein. Kreischend, gurgelnd und fauchend kennt der Z4 jetzt keine Gnade mehr. Ist das wirklich der vor sich hin träumende Cruiser von eben? Denkste, der Z4 zieht jetzt andere Seiten auf – Schluss mit lustig. Der Turbo legt sich ins Zeug und lässt die rund 1,6 Tonnen Lebendgewicht im Tiefflug in 4,6 Sekunden Tempo 100 entgegenfliegen. Wer offen fährt, dem bürstet der Wind maximal die Haarspitzen glatt.

Fast unverschämt, wie der Sportler gen 250 km/h weiter marschiert. Der Spurhalteassistent wird plötzlich zur Nervensäge, da er unverhohlen ins Lenkrad grabscht, sobald sich der Z4 nur der Fahrbahnmarkierung nähert. Also raus damit. Das ist auf der Kurvenfahrt nur störend. Extrem scharf lenkt der Roadster ein – gutmütig wohlgemerkt. Spannend wird es beim Herausbeschleunigen. ESP und Diff lassen im Sport-Modus genug Spielraum, um mit gezielten Gegenmassnahmen den Heckschwung in Grenzen zu halten. Doch Finger weg vom ESP-Schalter! Der Königs-Z4 entpuppt sich mit ausgeschaltetem Auffangnetz als Biest und treibt seinem Bändiger den Schweiss auf die Stirn.

Text: Jörg Petersen


 

BMW Z4 M40i

R6-Turbobenziner, 2998 cm3,
250 kW/340 PS, 500 Nm bei 1600–4500/min, 8-Gang-Autom., Hinterrad, Norm 7,4 l/100 km, 168 g/km CO2, Effizienz G, Test 7,8 l/100 km, 0–100 km/h 4,6 s, Spitze 250 km/h, Bereifung v.,h. 255/35, 275/35 R19
L/B/H: 4324/1864/1304 mm, Leergewicht: 1638 kg, Ladevolumen: 281 l

Preis ab 78 500 Franken

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